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| Karriere – Interview

„Das große Geld will ich damit nicht verdienen“

Ex-Sparkassenchef Manfred Herpolsheimer macht als Youtuber von sich reden. Die Clips aus dem heimischen Keller sollen die komplexe Finanzwelt erklären, sagt er im Interview.

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Fast zwei Jahrzehnte stand Manfred Herpolsheimer als Vorstandschef der Sparkasse Leverkusen im Rampenlicht der Finanzszene. Nach seinem Ausscheiden vor drei Jahren wurde es um den 65-Jährigen plötzlich ruhig. Jetzt kehrt der Bankmanager wieder ins Licht der Öffentlichkeit zurück – allerdings auf Youtube. Hier hat er eine Video-Plattform unter dem Namen „Money Manni“ gestartet. In seinen Clips, die in seinem heimischen Keller entstehen, erklärt er die komplexe Finanzwelt in einfachen Worten, etwa was ein Kredit ist. Als Zielgruppe hat er die 30-Jährigen im Visier.

Herr Herpolsheimer, Sie sind vor drei Jahren als Vorstandsvorsitzender bei der Sparkasse Leverkusen ausgeschieden. Jetzt starten Sie eine zweite Karriere als Youtuber mit einem eigenem Format namens „Money Manni“. Warum tun Sie sich die Arbeit als Ruheständler an?
Manfred Herpolsheimer: Ich fühle mich nicht als Ruheständler. Dazu bin ich noch viel zu aktiv. Ich habe aber immer gern mein Wissen an andere Menschen weitergegeben. Das war schon zu meiner Zeit als Sparkassen-Vorstand der Fall. So war ich jahrelang als Dozent in der rheinischen Sparkassen-Akademie tätig. Zugleich habe ich in China eine Professur übernommen. Hier unterrichte ich Studenten zu verschiedenen Finanzthemen. Im September setze ich dort meine Arbeit fort. Dabei bin ich auch für die Sparkassenstiftung für internationale Kooperationen aktiv. So habe ich vor Kurzem einen Bankenverband in Hangzhou beraten.

 
Vom heimischen Keller in die Youtube-Welt: Manfred Herpolsheimer will nach seiner Karriere in der Sparkassen-Finanzgruppe jungen Leuten die komplexe Finanzwelt näherbringen.

Wie kamen Sie auf die Idee, Mr. Money Manni zu werden?
Herpolsheimer: Als Dozent bin ich mit vielen jungen Erwachsenen in Kontakt. Obwohl sie hochkomplexe Themen studieren, sind ihnen häufig einfache Zusammenhänge fremd – beispielsweise: Was passiert eigentlich, wenn ein Kredit nicht bedient wird? Oder: Was ist eine Mietbürgschaft? Das sind alles Fragen, die zum Praxiswissen gehören. Dadurch kam ich auf die Idee, ein Videoformat für eine breitere Bevölkerungsschicht zu starten. Und das Wissen ist gefragt. Money Manni hat bereits in kurzer Zeit einen großen Zulauf.

Jede Woche drehen Sie im heimischen Keller mithilfe Ihrer Kinder die Clips. Welche Zielgruppe wollen Sie mit Ihrem Videoformat ansprechen?
Herpolsheimer: Meine beiden Kinder haben Medienwissenschaften studiert. Sie besitzen eine eigene Werbeagentur – mit Schwerpunkt Videoproduktion. Sie helfen mir dabei, das Youtube-Format umzusetzen. Zielgruppe sind junge Erwachsene. Gemeint sind die unter 30-Jährigen. Doch ich stelle fest, dass sich auch ältere Menschen für „Money Manni“ interessieren. Die Nachfrage, Themen aus der Finanz- und Wirtschaftswelt alltagstauglich zu erklären, ist riesig.

Helikoptergeld, Niedrigzinspolitik der EZB, Fintechs, Brexit – die Finanzwelt ist komplexer denn je. Wollen Sie auch bei den großen finanzpolitischen Themen Flagge zeigen?
Herpolsheimer: Money Manni ist eine Art Finanz-Abc für Finanzen und Wirtschaft. Ich möchte hier Begriffe, die für Bankkaufleute gang und gäbe sind, auch dem Durchschnittsbürger leicht verständlich machen. Wir haben diverse Videos in Vorbereitung oder abgedreht, in denen ich ganz banale Begriffe aus der Finanzwelt erläutere – beispielsweise den Unterschied zwischen einer Hypothek und einer Grundschuld. Und worauf Verbraucher hierbei achten sollten.

 
Herpolsheimer, hier in seiner Zeit als Vorstandschef der Sparkasse Leverkusen, hat bereits 16.000 Klicks und 1700 Abonnenten für seinen neuen Kanal.

Auch die großen Zusammenhänge?
Herpolsheimer: Ja, auch die. Niedrigzinspolitik, E-Mobilität, Handelskriege, Brexit – wenn es brandaktuelle Anlässe gibt, werde ich diese aufgreifen. Doch das mache ich vor allem von den Reaktionen sowie den Anfragen der Zuschauer abhängig.

Sie sind 65 Jahre alt. Glauben Sie, dass Sie in Ihrem Alter die eigenwillige Sprache der Jugendlichen genau treffen?
Herpolsheimer: Vielen Dank, dass Sie mich auf mein Alter ansprechen. Ich fühle mich eigentlich wie 45. Nein, aber Spaß beiseite. Ich kann dies nicht beurteilen. Wichtig ist, dass ich authentisch bleibe. Darin bestärken mich meine Kinder und deren Freunde. Sie sagen, du bist seriös und hast im Laufe deines Berufslebens viele Erfahrungen in der Finanzwelt gesammelt. Das nehmen dir die jungen Menschen ab. So bekomme ich überwiegend positive Resonanz. Beispielsweise von einem 14-Jährigen. Er ist ganz begeistert von der Sendung, weil er hierdurch Finanzthemen schnell und bequem lernt.

 
Herpolsheimer zu möglichen Sponsoren für seinen Kanal: „Ich möchte authentisch bleiben und so rüberkommen, wie ich bin.“

Und die Sprache?
Herpolsheimer: Wenn wir drehen, fallen mir meine Kinder schon mal ins Wort. Die sagen: Stopp, Halt: Wir müssen neu drehen. Das versteht keiner, was du sagst. Du musst dich einfacher ausdrücken. Offenbar treffe ich mit meinem Auftreten und der Sprache genau den Nerv des jungen Publikums. Vielleicht ist es aber auch gerade der Gegensatz, der die Zuschauer anlockt: Ein alter Mann auf jungem Kanal, der mit seinem Erfahrungsschatz die Finanzwelt erklärt.

Wie ist die Resonanz?
Herpolsheimer: Ich muss Ihnen ehrlich sagen: Ich bin völlig überrascht. Wir sind seit drei Wochen auf dem Sender und haben 16.000 Klicks, insgesamt haben die Zuschauer 44.000 Minuten gesehen. Die Zahl der festen Abonnenten liegt derzeit bei 1700. Und das in dieser kurzen Zeit.

Finanziell sind Sie bei der Sparkasse Leverkusen laut „Rheinischer Post“ mit einem goldenen Handschlag von knapp einer Millionen Euro gegangen. Wollen Sie mit Ihrem Auftreten als „Money Manni“ das große Geld verdienen?
Herpolsheimer: Nein, das steht hier nicht im Vordergrund. Als ich mit meinen Kindern vor einem halben Jahr die Idee zu dem Videoformat hatte, ging es lediglich darum, ein Wissensformat rund um Finanzthemen aufzubauen. Mehr nicht. Die Kosten halten sich für den Dreh in Grenzen. Wir haben ein Studio in unserem Keller eingerichtet. Das klingt ein bisschen abwertend. Doch die Ausrüstung ist hochprofessionell. Das große Geld will ich damit nicht verdienen.

Viele Influencer finanzieren ihre Aktivitäten über Sponsoren. Sind Sie dazu bereit?
Herpolsheimer: Das habe ich mir noch nicht überlegt. Ich möchte authentisch bleiben und so rüberkommen, wie ich bin. Wichtig ist mir vor allem, unabhängig zu bleiben. Wir sagen zwar nicht Nein zu Sponsoren, die aus der Finanzwelt kommen. Wir werden uns aber genau anschauen, ob sie seriös und solide sind. Dennoch bin ich nicht bereit, einem Sponsor nach dem Mund zu reden, weil er als Werbeträger auf dem Videoformat auftaucht. Damit würde ich meine Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit bei dem jungen Publikum einbüßen.

Als angehender Youtube-Star haben Ihre Aktivitäten für große mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Kommen jetzt TV-Auftritte, Buchverträge oder wie sieht Ihre weitere journalistische Karriere aus?
Herpolsheimer: Ich will gar kein Youtube-Star werden. Das liegt mir fern. Dennoch ist die Resonanz auf das Videoformat groß. Viele Zeitungen und Nachrichtenagenturen haben mich um Interviews gebeten. Von Bloomberg, „Welt“, „Süddeutscher Zeitung“ bis „Handelsblatt“ – alle wichtigen Publikationen sind darunter. Inzwischen bekomme ich auch Anfragen von Fernsehsendern. Doch: Ob auf Youtube, im Fernsehen oder bei Vorträgen vor Publikum – als Money Manni will ich vor allem den jungen Menschen helfen, die Zusammenhänge in der Finanz- und Wirtschaftswelt besser zu verstehen. Denn das ist angesichts der massiven Umbrüche in vielen Lebensbereichen jetzt wichtiger denn je.