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| Vor 50 Jahren / mit Bildergalerie

„Weck Dein Geld auf per Computer“

Automatisch reich ins große Glück: 1969 stößt der Computer als Anlageberater erstmals auf hohe Sympathiewerte in der Hallo-Partner-Kampagne der Sparkassen.

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Eine heiße Spur zu den Ursprüngen der computergestützten Anlageberatung führt nach Bonn. Dort beriet im Dezember 1968 der Zentrale Werbeausschuss des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes darüber, wie man junge Menschen in zeitgemäßer Form für ein zielgerichtetes Sparen gewinnen kann.

Auf dem Tisch lag ein innovativer Vorschlag: In Kooperation mit einer Publikumszeitschrift sollen Fragebögen gestreut werden, in denen Interessierte ihre Wünsche und Ziele ebenso eintragen können wie Angaben zu ihrer finanziellen Situation und ihren Anlagepräferenzen.

"Hallo Partner, weck dein Geld auf"

Der daraufhin ins Leben gerufene „Sparkassen-Computer-Service“ wurde zum Kern der ersten integrierten Werbekampagne der Sparkassen, die unter dem Slogan „Hallo Partner, weck dein Geld auf“ lief. Der Slogan war zugleich der Titel eines eigens produzierten „Beat-Songs“, den die Sparkassen in großer Auflage an junge Kunden verteilten und der auch in einem Werbespot zu hören war.

Gestartet wurde die Kampagne Mitte August 1969 in Düsseldorf auf der ersten großen deutschen Jugendmesse „teenage-fair“, wo sich bereits tausende Jugendliche Anlagetipps vom Sparkassencomputer holten. Als Beilage in der Zeitschrift „Für Sie“ gelangte der Fragebogen anschließend an ein Massenpublikum. Höhe- und Endpunkt war der Weltspartag am 30. Oktober 1969. Zahlreiche Sparkassen machten den Computer-Service zum Zentrum ihrer Veranstaltungen für Jugendliche und junge Erwachsene wie Pop- und Schlagerkonzerte und Tanzpartys.

Modernes Image bei junger Zielgruppe

Den Erfolg der Kampagne schätzten die Sparkassen unterschiedlich ein. Manche Institute waren enttäuscht über geringe Rücklaufquoten bei der Fragebogenaktion und entsprechend geringe Möglichkeiten zur direkten Kundenansprache. Andere hingegen waren mit der Resonanz sehr zufrieden. Außer Frage stand jedoch, dass das eigentliche Ziel erreicht worden war: ein moderneres Image der Sparkassen bei jungen Leuten zu erzeugen.

1970 kam der Sparkassen-Computer-Service deshalb in einer mehrmonatigen Werbekampagne erneut zum Einsatz. In deren Mittelpunkt stand der zum „Goldenen Tag“ geadelte Weltspartag. Mit der Botschaft „Der goldene Computer hilft Träume erfüllen“ und dem dazu passenden Bild eines goldfarbenen Elektronenrechners warben die Sparkassen für die Teilnahme an ihrer Fragebogenaktion. Dank verbesserter Programme erhielten die Kunden diesmal konkretere und individueller auf sie zugeschnittene Anlagevorschläge, insbesondere für den Abschluss von Sparplänen.

Da der Werbe- und Marketingeffekt im Vordergrund stand, war der geschäftspolitische Nutzen des Sparkassen-Computer-Services jedoch erschöpft. Vielmehr arbeiteten Sparkassen in den folgenden Jahren daran, die Kompetenz ihrer Anlageberater aus Fleisch und Blut hervorzuheben. Die Computer verschwanden vorerst wieder in den Kellern und Rechenzentren und unterstützten, verborgen vor den Augen der Kunden, ihre menschlichen Kollegen.

Radio eins vom Rundfunk Berlin-Brandenburg hat dem Hallo-Partner-Sparkassenbeat von 1969 eine Sendung gewidmet. Am Ende des Beitrags der RBB-Reihe mit dem wenig schmeichelhaften Namen "Raritäten des Grauens" wird der Song komplett gespielt.