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| Austausch

Alles Gute liegt außerhalb der Komfortzone

Die Sparkasse Chemnitz hatte zwei Monate lang eine junge Inderin zu Gast. Praktikantin Simran Padhi und Vorstandschef Michael Kreuzkamp sprechen im Interview über Toleranz, Tanz und Tee.

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Frau Padhi, ein hinreißendes Bild zeigt Sie im Sari neben dem Sparkassen-S...
Simran Padhi: Dankeschön für das Kompliment. Dieses Bild ist eine gute Zusammenfassung meiner Zeit in Chemnitz: Zwei Kulturen treffen aufeinander und lernen das Schöne an der jeweils anderen kennen.

In Ihrem Profil auf dem Berufsportal „Linked in“ beschreiben Sie sich als „schnellen Lerner“ und „Möchtegern-Alleswisser“. Das klingt nach Ehrgeiz. Passt ein Praktikum bei einer mittelgroßen ostdeutschen Sparkasse zu einer Karriere auf der Überholspur?
Padhi: Ich bin immer neugierig und will wissen, wie die Dinge funktionieren. Im Rahmen meines BWL-Studiums hatte ich bereits fünf Praktika absolviert und von der telefonischen Kaltakquise über PR und HR bis zur strategischen Geschäftsentwicklung vieles in der Praxis kennengelernt. Die Zeit bei der Sparkasse Chemnitz hat mich dann eine neue Arbeitskultur auf internationaler Ebene erleben lassen. Das ist eine Erfahrung, die mir viele Möglichkeiten eröffnen wird.

 
Holte sich über ein Austauschprogramm des Rotary-Clubs Bollywood-Flair ins Haus: Vorstandsvorsitzender Michael Kreuzkamp mit Praktikantin Simran Padhi. © Sparkasse

Hatten Sie bereits Auslandserfahrung?
Padhi: Ich war noch nie in Deutschland, noch nie in Europa, niemals außerhalb Indiens und niemals ohne meine Eltern. Aber ich habe jede Sekunde genossen. Alle guten Dinge liegen außerhalb unserer Komfortzone.

Mit Fingerspitzengefühl gegen falsche Vorstellungen

Was nehmen Sie nach Hause mit?
Padhi: Meine Kollegen in Chemnitz haben mir so viel gezeigt und erklärt. Am wichtigsten aber war zu verstehen, dass sich kulturelle Unterschiede mit Fingerspitzengefühl und Respekt am besten überbrücken lassen. Wir konnten während unseres Austauschs viele falsche Vorstellungen aus der Welt schaffen. Außerdem habe ich fest vor, mein Deutsch zu verbessern.

Wie kam das Praktikum zustande?
Michael Kreuzkamp: Der Kontakt zu der 22-Jährigen entstand über das Youth-Exchange-Programm der Rotary-Clubs. Simran hatte Anfang des Jahres nach einem Praktikum in einem deutschen Kreditinstitut im Bereich Marketing und Human Ressources gesucht. Als Rotary-Mitglied hörte von ihrem Wunsch und bot ihr an, die Sparkasse Chemnitz kennenzulernen.

Was haben Sie sich davon versprochen?
Kreuzkamp: Viele Menschen in Deutschland verbinden Chemnitz nicht unbedingt mit Offenheit, Toleranz und dem Miteinander verschiedener Kulturen. Wir wollten mit dem Praktikumsangebot den Gegenbeweis antreten. Darüber hinaus hatten wir zum Ziel, einfach mal andere kulturelle Erfahrungen in unsere Arbeit einfließen zu lassen.

 
Simran beim Fotoshooting mit Auszubildenden. © Sparkasse

Wurden diese Erwartungen erfüllt?
Kreuzkamp: Ja, definitiv. Wir hatten mit Simran Padhi eine Austauschstudentin, die uns täglich vor neue Herausforderungen gestellt hat und das im positiven Sinne. Sie hat ihre Sicht in den Arbeitsalltag eingebracht. Ohne ein gewisses Bollywood-Flair wäre ein Fotoshooting mit Mitarbeitern wahrscheinlich nie so gut geworden. Ich möchte auch ihre Anwesenheit bei einer Abendveranstaltung der Sparkasse nicht missen. Sie hat dabei nicht nur unserem Eventteam geholfen, sondern auch unseren Gästen einen einzigartigen Abend verschafft.

Wie sah das zweimonatige Austauschprogramm aus?
Kreuzkamp: Es war umfangreich. Simran war in unterschiedlichen Bereichen, Filialen und Tochterunternehmen eingesetzt. Gleichzeitig konnten wir ihr die deutsche Lebensart und eine Vielzahl an Orten in Sachsen, Bayern und Tschechien zeigen. Im Gegenzug haben wir viel über ihre Heimat erfahren. Hätten Sie gewusst, dass es in Indien 24 Sprachen und rund 720 Dialekte gibt?

Punkt eins: Niemand trinkt wie die Deutschen

Bei den Indern überrascht mich gar nichts ;-) Frau Padhi, welche Unterschiede zwischen Indien und Deutschland haben Sie am meisten fasziniert?
Padhi: Warten Sie, ich habe eine Liste… Erstens: Bier. Niemand trinkt wie die Deutschen. Zweitens: die Demografie. Indien hat 1,3 Milliarden Einwohner, und 65 Prozent davon sind jung. Das ist in Deutschland anders. Drittens: Götter. Indien ist ein weltliches Land, aber Heimat vieler Religionen. Allein die Hindus kennen 330 Millionen Gottheiten. Deshalb gibt es bei uns auch stets etwas zu feiern. Das bringt mich zu Punkt vier: Tanzen. Inder können tanzen. Große Unterschiede gibt es auch bei Pünktlichkeit und Fitness – hier gewinnen die Deutschen um Längen. Ich nehme auch für nur ein Stockwerk den Aufzug. Mein Vater ist 50, tut aber, als ob er 70 wäre und spricht ständig von seinem Alter. Und dann gibt es noch den Punkt Sprache: Zusätzlich zu ihrer Muttersprache können die meisten Inder Hindi, und viele verstehen auch Englisch. Letzteres habe ich in Deutschland leider nicht so erlebt. Das ist nun überhaupt kein Vorwurf, aber die Sprache kann eine große Barriere sein.

 
Dieses Bild symbolisiert für Simran ihre Zeit in Chemnitz: Zwei Kulturen treffen aufeinander und lernen das Schöne an der jeweils anderen kennen. © Sparkasse

Hat Simran während ihres Praktikums eigentlich viel Tee gekocht?
Kreuzkamp: Sie hat viel gekocht, aber keinen Tee. Simran mag nämlich lieber Kaffee. Oft gekocht wurde dagegen am Feierabend. Simran hat viel mit Kollegen in der Freizeit unternommen. Das Kochen stand dann ganz im Zeichen des kulturellen Austauschs. Auf der Speisekarte: deutsche und indische Gerichte. Und trotz einer Entfernung von 6300 Kilometern immer mit dabei: Simran Padhis Mutter, die per Whatsapp und Videotelefonie mit uns Zutaten ausgesucht und Kochtipps gegeben hat.

Padhi: Beim Essen tut sich ein weiterer großer Graben zwischen meiner Heimat und Deutschland auf. Ich weiß gar nicht, wie ich es politisch korrekt sagen soll, aber: Inder KOCHEN, jeden Tag, jede Mahlzeit. Es gibt bei uns kein Konzept des kalten Essens. Deutsche kommen mit Brot davon. Das kann es morgens, mittags und abends geben.

Nächstes Jahr wird ein Mitarbeiter ins Ausland geschickt

Herr Kreuzkamp, Sie wollen den interkulturellen Austausch gern fortsetzen. Was ist geplant?
Kreuzkamp: Das Rotary-Youth-Exchange-Programm ist weltweit das größte nichtkommerzielle seiner Art. Im Mittelpunkt stehen die Völkerverständigung und der kulturelle Austausch. Wir stehen hinter diesen Zielen und werden den Austausch auch zukünftig suchen. Einerseits werden wir uns wieder als Praktikumsunternehmen anbieten. Andererseits wird im kommenden Jahr ein Mitarbeiter der Sparkasse über das Programm von Rotary für bis zu drei Monate in einem anderen Land arbeiten.