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| Controlling und Oldtimerei

Bellezza auf Rädern

Hans-Georg Wehrhahns Arbeitstag bei der Deutschen Hypothekenbank ist angefüllt mit Zahlen, Algorithmen und Berechnungen. Ein Ausgleich tut da gut: Privat widmet sich der Controlling-Experte dem rostigsten Hobby der Welt. Besonders angetan haben es ihm italienische Heißblüter – mit vier Rädern genauso wie mit zweien.

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Die Liebe zu den oft betörend schönen Fahrzeugen aus Bella Italia entbrannte früh. Schon als Teenager war Hans-Georg Wehrhahn vom Italo-Bazillus infiziert und verbrachte die Freizeit bevorzugt auf Mopeds der Marken Malaguti und Aprilia. 1989, als er gerade 22 war, kam ein Alfa Romeo Bertone GT aus dem Baujahr 1973 in seinen Besitz. „Da war meine Ausbildung noch lange nicht beendet“, erzählt er. „Der damals schon recht betagte Alfa war darum nicht unbedingt ein vernünftiges Auto. Aber um Vernunft geht es ohnehin nicht, wenn man altem Blech verfallen ist.“ Der sportliche Auftritt und der Motorsound ließen ihn nicht mehr los, und so sammelte er das Geld für den Kauf zusammen.

 
Deutsche-Hypo-Mitarbeiter Hans-Georg Wehrhahn arbeitet in der Controlling-Abteilung der NordLB-Tochter. In seiner Freizeit restauriert er italienische Autos und Motorräder. © privat

Irgendetwas zu reparieren gab es fast immer, trotzdem wurde der Alfa ein treuer Begleiter – für die Fahrten zur Lehrstelle genauso wie später während des BWL-Studiums an der Lüneburger Hochschule. „Auch wenn der Motor zuweilen Mucken machte, wusste ich doch, dass ich ihn nicht mehr hergeben würde. Und weil ich mich immer mehr fürs Con­trolling interessierte, lernte ich auch bald, die Kosten im Blick zu behalten“, so Wehrhahn schmunzelnd.

Berufliche Erfahrungen machte der frisch gebackene Diplom-Kaufmann sogleich in der Kreditbranche, darunter acht Jahre bei der Sparda-Bank. Für den täglichen Weg zur Arbeit stand nun auch ein neueres Vehikel bereit, doch das Herz schlug weiter für den 131 PS starken Flitzer aus dem norditalienischen Arese. Der Zahn der Zeit setzte dem Alfa allerdings so stark zu, dass eine Komplettrenovierung nicht mehr zu verschieben war. „Alfa Romeo standen immer im Ruf, besonders korrosionsanfällig zu sein. Manche Exemplare sollen schon in den Prospekten gerostet haben“, sagt er lächelnd. „Und das war an meinem Auto nicht anders. Das Heck beispielsweise war derartig angegriffen, dass es komplett abgeschnitten und ersetzt werden musste.“

 
Schrauben und Rechnen sind seine Stärken: Deutsche-Hypo-Mitarbeiter Hans-Georg Wehrhahn mit seinem Alfa Romeo Bertone GT. © privat

Der Motor erhielt ein neues Innenleben. Polster, Dachhimmel und Chromteile kamen teilweise neu, Instrumente wurden überholt und die Elektrik vom Gammel der Jahrzehnte befreit. „Für Blech und Motor habe ich auch auf die Hilfe von Fachfirmen zurückgegriffen, alle übrigen Arbeiten konnte ich selbst ausführen. Es ist einfach ein beglückendes Erlebnis, aus einem verbrauchten Stück Technik wieder einen Hingucker zu zaubern.“

Zwei Jahre dauerte es, bis das Coupé zurück auf die Straße durfte. Zwischenzeitlich wechselte sein Inhaber zur Deutschen Hypo und gründete auch eine Familie. Seit 2010 arbeitet Wehrhahn in der Unternehmenssteuerung der NordLB-Tochter. „Das Schrauben ist da ein schöner Freizeitausgleich, allerdings ist Controlling viel spannender als man gemeinhin glaubt.“ Nebenbei unterrichtet er am Lehrstuhl für Betriebswirtschaft der Leibniz-Fachhochschule in Hannover und betreut im chinesischen Zentrum der Stadt Fachbesucher aus dem Reich der Mitte.

Der vor dem Zerfall gerettete Alfa Romeo ist heute ein behüteter Familienschatz, für die Urlaubsfahrt zum Gardasee wird er trotzdem immer noch gern rangenommen. Aber auch neue Projekte sind in der Mache. „Ich habe mich an meine Jugend erinnert und schraube derzeit viel an 70er-Jahre-Mopeds aus Italien. Wenn ich damit an einem schönen Sommertag zum Bäcker fahre, fühlt sich das immer noch genauso an wie vor fast 40 Jahren. Damals ging es oft zum Baggersee – und auf dem Sozius saß meine heutige Ehefrau.“