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| Dresscode / mit Umfrage und Styleguide

Das Schmuckstück als Statement

Die Naspa hat vor einem halben Jahr ihre Kleiderordnung gelockert. Die Mitarbeiter Sandra Wagner und Oliver Odenweller sprechen über Chinos, Creolen und das Modeln für den hauseigenen Styleguide.

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Frau Wagner, Herr Odenweller, wie lange standen Sie heute früh vor dem Schrank und haben überlegt, was Sie anziehen wollen?
Sandra Wagner: Heute ging’s schnell, nur zwei Minuten.
Oliver Odenweller: Bei mir hat’s nur eine Minute gedauert.

Wofür haben Sie sich entschieden?
Wagner: Schwarze Hose, weiße Bluse mit schwarzen Applikationen, schwarze Pumps und ein schwarzer Blazer. Dazu werden dann im Büro noch das rote Halstuch und mein Namensschild kommen. Als Accessoires dienen meine Trikolor-Uhr, Ringe und ein paar Creolen.

Also doch bankentypisch-konservativ.
Wagner: Das liegt am heutigen Montag. Montags und donnerstags bleibt es beim Naspa-Day.

Das Konzept der sogenannten Naspa-Tage habe ich nicht ganz verstanden. An zwei Tagen in der Woche kleidet man sich bei der Nassauischen Sparkasse förmlich – warum? Der Kunde merkt das doch nicht, oder? Er sagt sich ja nicht: „Oh, stimmt, heute ist ja Montag, da tragen alle bei der Sparkasse Businesslook mit roter Krawatte oder Halstuch…“
Wagner: Sie werden sich wundern, aber in der Tat sind es einige Kunden gewöhnt, die Mitarbeiter an den beiden langen Arbeitstagen mit roten Tüchern oder Krawatten anzutreffen.
Odenweller: Ich glaube ja, dass auch diese beiden förmlichen Tage noch entfallen werden.

Herr Odenweller, was haben Sie heute an?
Odenweller: Ich trage eine helle Hose in Beige, ein weißes Hemd, hellblaue Socken, ein blaues Sakko, braune Schuhe, einen dazu passenden braunen Gürtel und, am Naspa-Tag selbstverständlich, die rote Krawatte.

 
Kleiden sich nach Stimmung und Anlass, aber immer mit Stil: Sandra Wagner und Oliver Odenweller. © Paul Müller

Frau Wagner, wie sähen Sie denn am Dienstag aus?
Wagner: Da würde ich mich leiten lassen von meiner Stimmung und den anstehenden Terminen an diesem Tag. So könnte der bankentypische Look aufgelockert werden – beispielsweise mit einem Blazer in einer etwas anderen Farbe, wenn ein Termin mit Private-Banking-Vertretern von anderen Sparkassen anstehen würde. Hätte ich ein Treffen mit einer Werbeagentur, könnte es durchaus noch etwas lässiger und bunter sein. Auch ein besonderes Schmuckstück könnte dann ein Statement setzen.

Welche Teile hätten Sie vor der Umstellung des Dresscodes im Mai noch nicht ins Büro angezogen?
Wagner: Die ein oder andere feingewebte, aber gemusterte Strickjacke hätte ich wohl früher nicht mit der Berufskleidung kombiniert. Auch haben sich Chinos und andere Stoffhosen zur klassischen schwarzen Hose gesellt. Es gibt mehr Kombinationsmöglichkeiten, das macht für mich den Unterschied.
Odenweller: Die beigefarbene Hose und die hellblauen Socken hätte ich vor einem Jahr noch nicht angezogen.

Fällt die morgendliche Wahl dank der gelockerten Kleiderordnung jetzt einfacher als früher – oder ist die Zusammenstellung von Outfits aufwendiger geworden, weil ja mehr möglich ist?
Wagner: Natürlich ist es schneller, einfach zur schwarzen Hose, dem schwarzen Blazer und der weißen Bluse zu greifen. Aber natürlich mit jedem Tag auch etwas langweiliger. Mir gefällt es, mehr Auswahl zu haben – da kann es dann ruhig mal etwas länger dauern vorm Kleiderschrank. Es geht schließlich ums Wohlfühlen.
Odenweller: Man ist beim Aussuchen der Kleidung heute bewusster und macht sich mehr Gedanken. Das macht es, ehrlich gesagt, schon etwas aufwendiger. Ich frage mich bei jedem Outfit, ob alles farblich zusammenpasst.

Was sind die Vor- und Nachteile des neuen Dresscodes?
Wagner: Mir macht es Spaß, meine Garderobe nach Laune, Stimmung und anstehenden Terminen auszuwählen. Ich mag es, wenn ich mich durch meine Kleidung flexibler auf mein Gegenüber „einstellen“ kann – ihm also auch über die Kleidung auf Augenhöhe begegnen kann. Gerade bei Jüngeren können auf diese Weise Grenzen oder Hürden überwunden werden. Nachteile sind mir bisher nicht aufgefallen.
Odenweller: Der größte Vorteil: Das Krawattenbinden entfällt. Der größte Nachteil: Die Krawatten hängen jetzt ungenutzt im Schrank. Im Ernst: Es ist toll, dass wir mehr Flexibilität bei der Kleidungsauswahl haben. Auch von Kunden bekommen wir positive Rückmeldungen. Ein Kunde hatte gar telefonisch angekündigt, selbst die Krawatten im Schrank zu lassen, da die Krawattenpflicht ja nun aufgehoben sei. Außerdem bleibe ich bei meinem Leitsatz: Es berät Sie nicht die Krawatte, sondern der Mensch dahinter.

Die Naspa hatte zum Thema Dresscode einen Mitarbeiter-Workshop veranstaltet: Wer hat teilgenommen?
Odenweller: Von jung bis alt, Frauen und Männer, aus Stadt und Land, aus Stab und Vertrieb, vom Finanz-Center bis zum Private Banking Plus. Bei der Auswahl wurde auf eine repräsentative Mischung geachtet, um möglichst alle Sichtweisen zu berücksichtigen.

Worüber wurde diskutiert?
Odenweller: Die Spannbreite der Vorschläge war groß. Wir haben von der Idee, jeden Tag mit roter Krawatte im Naspa-Look zu erscheinen, bis zum sogenannten Business-Casual-Stil mit Jeans und Sneakern viele Varianten diskutiert. Etliche Kollegen hatten in ihrer Laufbahn ja auch schon mehrere Dresscodes erlebt. Dann haben wir versucht, verschiedene Perspektiven einzunehmen: die Mitarbeiterperspektive (wann fühle ich mich im Job gut gekleidet, und was macht das mit mir als Mitarbeiter?), die Kundenperspektive (was glauben wir, erwarten unsere Kunden?) und die Perspektive des Unternehmens (inwiefern trägt Kleidung zur Identifikation mit der Naspa bei?). Daraus haben wir eine Blaupause als Empfehlung für den Vorstand erarbeitet.

Wie ging es weiter?
Odenweller: Der Zentralbereich Vorstandsstab und Kommunikation hat das Thema vorangetrieben. Ein Dresscode ist ja auch eine Frage des markenprägenden Außenauftritts. Viele hatten insgeheim gedacht, dass sich doch nichts ändert – und dann kam die große Überraschung, im positiven Sinn.

 
Das Titelbild des Styleguides: Alle Models sind Mitarbeiter der Naspa. © Tanja Nitzke

Ein 52-seitiger Styleguide mit vielen Bildern und Grafiken entstand (er ist diesem Artikel im PDF-Format angehängt). Alle Abgebildeten sind Naspa-Mitarbeiter. Gab es einen Aufruf zum Mitmachen, ein Casting? Oder wie traf man die Auswahl der Models?
Wagner: Es wurde eine Vorauswahl getroffen, die einen repräsentativen Querschnitt unserer Beschäftigten widerspiegeln sollte: Männer, Frauen, Jüngere, Ältere, Stab- und Marktvertreter. Die Angesprochenen waren schnell bereit mitzumachen, zumal alle Bilder vor der Veröffentlichung von ihnen persönlich freigegeben wurden.

Gab es eine große gemeinsame Fotosession?
Wagner: Wir haben zweieinhalb Tage geshootet, mit Fotografin, Stylistin und Maskenbildnerin, alles sehr professionell. Als kleines Bonbon konnten die Mitarbeiter-Modelle ihre Bilder danach auf einem USB-Stick mit nach Hause nehmen. Der gedruckte Styleguide wurde schließlich an alle Mitarbeiter verteilt.

Das Konzept des Styleguides wurde weitgehend von der Stadtsparkasse München übernommen.
Wagner: Der Kontakt kam über unseren Leiter Vorstandsstab und Kommunikation, Klaus Schlee, zustande. Wir hatten uns in Sachen Dresscode auch bei anderen Instituten umgehört, aber keine Sparkasse hat uns vom Vorgehen her besser gefallen als München.

Pochette, Chin Puff, Kent-Knoten: Der Leitfaden hat es ganz schön in sich. Konnten Sie da noch etwas Neues lernen?
Odenweller: Einige Begriffe musste ich nachschauen.
Wagner: Ich bin bislang ganz gut auch ohne den Ratgeber zurechtgekommen. Aber vielleicht gab es für den ein oder anderen etwas Neues zu entdecken. Wobei, wenn ich recht überlege: Ich habe dank eines kleinen Tipps auf Seite 19 des Styleguides immer eine kleine Tube Handcreme in meiner Tasche.

Auf Seite 36 rät der Styleguide gar zu roten Socken. Viele Mitarbeiter der Sparkassen-Finanzgruppe haben sie im Schrank, ein Kollege benutzt seine zum Reinigen der Fahrradfelgen. Haben Sie die Exemplare schon einmal getragen?
Wagner: Die Wahl meiner Socken hat für mich weniger Priorität, daher: Nein. Ich bin dann experimentierfreudiger bei Hosen, Kleidern, Mustern, farbigen Oberteilen oder auch Accessoires.
Odenweller: Es gibt Sparkassensocken? Warum habe ich noch keine?

Und jetzt Feierabend. Ich bin immer froh, das Büro-Outfit so schnell wie möglich abzulegen und mich für Kneipe, Sport oder Netflix umzuziehen. Wie ist das bei Ihnen?
Wagner: An einem Montag oder Donnerstag kommt das schon mal vor. An den anderen Tagen kann es auch im gleichen Look zu einer Verabredung gehen.

Zu den Personen: Sandra Wagner ist Zielgruppen- und Kampagnenmanagerin im Private Banking, Oliver Odenweller ist Private-Banking-Berater.