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| Drei Fragen an... / mit Umfrage

Den Rentenübergang gestalten

Die Flexirente bietet teils überraschende Gestaltungsmöglichkeiten des Altersübergangs. Die SparkassenZeitung hat DIW-Experten Johannes Geyer dazu befragt, der die Regelung auch als Gutachter im Bundestag kommentiert hat.

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Was ist die Idee hinter der Flexi-Rente?
Johannes Geyer: Mit der Flexi-Rente wurden die Bedingungen zur Kombination von Teilrentenbezug und Teilzeitbeschäftigung neu geregelt. Die Teilrente gab es seit 1992, wurde aber praktisch nicht genutzt. Man hat vermutet, dass die alte Regelung zu kompliziert war und größere Risken barg. Das Ziel der Flexi-Rente war es, den Hinzuverdienst flexibler zu regeln. Bis zu einer Jahreseinkommensgrenze von 6.300 Euro kann man nun ab 63 bei Rentenbezug anrechnungsfrei hinzuverdienen. Verdient man mehr, werden 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Zusätzlich gibt es eine individuelle Hinzuverdienstgrenze, deren Berechnung ist relativ kompliziert.

 
Johannes Geyer: Mehr Gestaltungsmöglichkeiten zum Rentenübergang vor allem im öffentlichen Dienst und bei großen Unternehmen. © DIW

Schattendasein oder Andrang: Wie groß ist das Interesse an der Flexi-Rente?
Geyer: Die neue Flexirente wird bisher - genau wie die vorher geltende Regelung - kaum in Anspruch genommen. Da noch keine belastbaren Studien über die fehlende Inanspruchnahme der Teilrente vorliegen, ist offen, welchen Bedarf sie überhaupt und unter welchen Voraussetzungen sie diesen vermehrt decken könnte. So reicht allein der Bedarf von Beschäftigten nach einer Arbeitsreduktion nicht hin; sie müssen auch die Möglichkeit dazu haben und sich die damit verbundenen Rentenabschläge auch leisten können. Zudem haben sie eventuell Zugang zu attraktiveren Übergangsmodellen. Im Unterschied zur Teilrente war und ist die Altersteilzeit deutlich häufiger zu beobachten. Daneben existieren auf betrieblicher Ebene weitere Instrumente, die Beschäftigte für einen gleitenden Übergang nutzen können. Dies gilt insbesondere für den öffentlichen Dienst und größere Unternehmen. Diese Varianten des gleitenden Übergangs setzen oft früher an als die Teilrente und eröffnen Beschäftigten schon deswegen mehr Gestaltungsmöglichkeiten für ihren Altersübergang.

Für wen lohnt es sich?
Geyer: Das kann man so allgemein nur schwer beantworten. Auf der einen Seite steht weniger Arbeit und weniger Geld, auf der anderen Seite mehr Freizeit. Es werden auch für einen Teil der Rente Abschläge fällig, die die Rente dauerhaft senken. Das sollten man also individuell prüfen und auch mit anderen Alternativen vergleichen. Aktuell beobachten wir ein Phänomen, das so wohl nicht intendiert war: Pflegepersonen reduzieren ihre Rente um ein Prozent (99 Prozent Teilrente) und erhalten dadurch Entgeltpunkte für ihre Pflegetätigkeit. Da lohnt sich die Flexirente sicher.

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