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| Porträt

Eigengewächs an der Spitze

Stephanie Olbering ist seit 2008 Vorstandsmitglied der Sparkasse Gelsenkirchen. Nach ihrer Ausbildung hat die gebürtige Gelsenkirchenerin eine Männerdomäne erobert.

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Die Sonne steht über den Wipfeln, auf den Weiden grasen die Pferde, Kamille und Mohn säumen den Wegesrand: Es ist ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch – den Stephanie Olbering ausnahmsweise mal nicht in ihrem Büro verbringt.

„Komm, komm her zu mir“, ruft die 56-Jährige dem Mischling zu, der ihr auf dem Trampelpfad entgegen springt. Hier draußen auf dem Ziegenmichelhof in Gelsenkirchen-Heßler kann die Vorstandsfrau loslassen. „Wichtig“, meint sie.

 
"Ich möchte mit einer stabilen Sparkasse dazu beitragen, dass es meiner Stadt gut geht“: Stephanie Olbering, seit elf Jahren Vorstandsmitglied der Sparkasse Gelsenkirchen. © privat

Stephanie Olbering wurde in Gelsenkirchen-Horst geboren. Als sie nach ihrem Abitur 1982 ihre Ausbildung bei der Sparkasse Gelsenkirchen begann, war ihr keineswegs klar, dass sie mehr als 30 Jahre später in einem der Chefsessel des Geldinstituts landen würde. „Mein ursprünglicher Traum war, Medizin zu studieren“, erzählt die Finanzexpertin. „Aber dazu hat der NC nicht gereicht.“

Dass sie nach der Lehre weiterlernen würde, war für die ehrgeizige junge Frau aber keine Frage. „Ich habe überlegt, ob ich an die Uni gehe oder die internen Weiterbildungsmöglichkeiten nutze.“ Olbering entschied sich für die zweite Variante.

"Ich habe immer viel gearbeitet, viel gelernt."

Auch im operativen Geschäft übernahm die aufstrebende Bankkauffrau immer mehr Verantwortung, leitete Geschäftsstellen, übernahm früh Führungsaufgaben im Vertrieb. 1989/90, mit 26 Jahren, besuchte sie dann das Lehrinstitut und absolvierte ihr Diplom zur Sparkassenbetriebswirtin – formal war sie damit für einen Vorstandsposten qualifiziert.

„Aber dann hat es trotzdem noch ziemlich lange gedauert – länger, als ich dachte“, räumt Olbering ein. Denn für die Spitzenposition zählen nicht nur die richtigen Abschlüsse auf dem Papier. „Am Ende muss man auch gewählt werden.“

"Weil ich an Gelsenkirchen glaube"

Sparkassenvorstand ist Stephanie Olbering inzwischen seit elf Jahren. Zusammen mit zwei Männern. Was brauchen Frauen, um in einer Männerdomäne erfolgreich zu sein? „Ich weiß nicht, ob Frauen etwas Besonderes brauchen. Ich habe immer viel gearbeitet, viel gelernt. Auch viel gesprochen. Ich habe mich eingesetzt.“

Ob sie als Führungsfrau etwas anders mache als ihre männlichen Vorstandskollegen? „Ich denke schon, dass ich etwas anders mache, ich bin ja eine Frau. Aber genau benennen, was das ist – das fällt mir schwer.“

 
Gelsenkirchen Ückendorf: "Die Stadt steckt viel Geld in dieses problematische Quartier, und man sieht schon erste Erfolge", sagt Stephanie Olbring über ihr vom Strukturwandel gezeichnetes Stadtviertel. © dpa

Trotz Karriere und Topjob: Stephanie Olbering hat Gelsenkirchen nie für längere Zeit verlassen. „Ich wollte in Gelsenkirchen bleiben, weil ich die Akteure hier kenne. Und weil ich an Gelsenkirchen glaube. Ich möchte mit einer stabilen Sparkasse dazu beitragen, dass es meiner Stadt gut geht.“ Die 56-Jährige lacht. „In der Sparkasse nennt man so etwas wie mich Eigengewächs.“

Inzwischen wohnt die Sparkassendirektorin in Gelsenkirchen-Ückendorf gegenüber dem Wissenschaftspark. Im Aufsichtsrat der Gesellschaft für Stadterneuerung engagiert sie sich für die Entwicklung der Bochumer Straße in Ückendorf.

Entspannung im Ziegenmichelhof nach 50-Stunden-Woche

 
© Olaf Ziegler

„Die Stadt steckt jetzt viel Geld in dieses problematische Quartier, und man sieht schon erste Erfolge. Wenn hier in Zukunft auch noch mehr Hausbesitzer Geld in die Hand nehmen, um ihre Gebäude zu sanieren, habe ich wirklich Hoffnung.“ Darüber hinaus engagiert sie sich für Bildung, Integration und Kultur in vielen Vereinen und Gremien.

"Meine Familie macht mich glücklich."

Stephanie Olbering arbeitet 50 bis 60 Stunden in der Woche. Auf Kinder hat die Karrierefrau verzichtet. „Das wäre auch schwierig geworden, glaube ich.“ Ausgleich vom zehrenden Tagesgeschäft sucht sie dennoch regelmäßig. Der Ziegenmichelhof mit seinen Tieren und idyllischen Anlagen in Heßler gehört zu ihren Lieblingsorten in Gelsenkirchen.

„Wo ich wirklich runterkomme: bei meinem Pferd auf einem Reiterhof. Ich versuche, es zweimal in der Woche selbst zu bewegen.“ Auch die regelmäßigen sonntäglichen Telefonkonferenzen mit ihren fünf Geschwistern sind für die Pferdenärrin Seelenmassage. „Meine Familie macht mich glücklich.“

Der Artikel ist erstmalig in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) in der Reihe "Starke Frauen in Gelsenkirchen" erschienen.