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| Management

Gehen Sie auf Entscheidungsdiät!

Je größer eine Firma ist, desto mehr Entscheidungen hat eine Führungskraft zu treffen. 6 Tipps, wie das einfacher geht.

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Vor Jahren habe ich einmal eine Strichliste geführt und eine Woche lang jede Entscheidung notiert, die ich getroffen habe. Am Ende der Woche waren es durchschnittlich 138 Entscheidungen pro Tag – ein erschreckendes Ergebnis! Bei zwei Minuten pro Entscheidung würden dabei fast fünf Stunden Arbeitszeit draufgehen.

Ich beschloss, auf Entscheidungsdiät zu gehen. Eine Woche lang stellte ich jede noch so kleine Aufgabe und Entscheidung auf den Prüfstand und gab sie ab, wenn ich der Meinung war, dass sich auch jemand anderes darum kümmern konnte. Bereits nach dieser einen Woche hatte ich auf einen Schlag 60 Prozent weniger Entscheidungen zu treffen und verfügte täglich über drei Stunden mehr Freiraum. Das Allerbeste aber war, dass wir alle mehr Spaß hatten! Ich fand Freude daran, noch bewusster zu delegieren und mir Zeit für anderes zu schaffen, und meine Mitarbeiter waren motivierter, weil ich ihnen mehr zutraute als ursprünglich vereinbart. Sie bekamen Sonderaufgaben, an denen sie wuchsen. Aus meinem ursprünglichen Notfallplan wurde also eine Win-win-Situation für alle. Hätte ich wie gewohnt weitergemacht und nichts verändert, wäre ich heute mit Sicherheit bei 250 Entscheidungen am Tag oder läge 1,80 Meter tief unter der Erde. So aber habe ich heute noch ungefähr zehn bis fünfzehn Entscheidungen pro Tag zu treffen. Die Ausgangsmenge ist also auf rund ein Zehntel reduziert.

 
Checklisten können bei der Entscheidungsfindung helfen. Besser ist es, laut Gerold Wolfarth, Entscheidungen auch zu delegieren. © dpa

Ich nehme mir heute außerdem in den meisten Fällen nicht mehr als eine Minute Zeit für eine Entscheidung. Auch hier habe ich meine eigene kleine Statistik geführt: Drei Monate lang habe ich mir jeden Abend die aus meiner Sicht drei wichtigsten Entscheidungen des Tages noch einmal vor Augen geführt, sie aufgeschrieben und geprüft: Habe ich nach dem ersten Impuls entschieden oder nicht? Ein paar Monate später konnte ich überprüfen, was aus diesen Entscheidungen geworden war und ob sie sich als richtig oder falsch erwiesen hatten. In 999 von 1000 Fällen lag ich richtig. Oft hatten sich aus der Eine-Minuten-Entscheidung sogar noch weitere positive Entwicklungen ergeben, die zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht erkennbar waren. Die eigene Intuition ist also tatsächlich um einiges schneller und verlässlicher, als viele glauben.

Der Weg zur effizienten Entscheidung
  1. Treffen Sie berufliche und private Entscheidungen nach dem Drei-Phasen-Modell: Wenn irgend möglich, handeln Sie schon in der „Ich kann“-Phase, in der Sie noch ohne Druck agieren können, und nicht erst in der „Ich sollte“-Phase, in der Probleme schon deutlich erkennbar werden, oder, noch schlimmer, in der „Ich muss“-Phase, in der Sie schon mit dem Rücken zur Wand stehen. Achten Sie auf erste Anzeichen für Fehlentwicklungen und reagieren Sie frühzeitig. Dadurch gewinnen Sie viel Zeit und Freiräume.
  2. Delegieren Sie im Unternehmen konsequent, und reduzieren Sie die Zahl der Entscheidungen, die Sie treffen müssen. So werden Sie freier und kreativer, und Ihre Mitarbeiter sind motivierter, weil sie interessantere Aufgabenstellungen haben.
  3. Nehmen Sie sich für sofort treffbare Entscheidungen nicht mehr als eine Minute Zeit.
  4. Schwierige Entscheidungen, die Sie nicht sofort treffen können, legen Sie wieder in die Schublade, bis Sie alle Informationen haben, die Sie benötigen. Dann entscheiden Sie ebenfalls innerhalb von einer Minute. Dies nenne ich die „zeitversetzte Entscheidung“.
  5. Sind Sie bei einer Entscheidung unsicher, holen Sie keinesfalls Rat bei Menschen ein, die mit dem Thema nicht bestens vertraut sind. Am Ende haben Sie sonst vier Meinungen von drei Personen und bremsen sich selbst aus. Nehmen Sie lieber Ihre eigene Bewertung vor.
  6. Hören Sie so oft es geht auf Ihren ersten Impuls. Keine Sorge: Ihre Trefferquote wird hoch sein.

Zum Autor:

Gerold Wolfarth, geboren 1970, absolvierte eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und stürzte sich danach mit wachem Auge ins Arbeitsleben. 1999 gründete er seine Unternehmensgruppe als „One-Man-Show“ im zukünftigen Kinderzimmer seines Privatwohnhauses. Seine Geschäftsidee – 365° Objektlösungen & Services – gibt es bis heute kein zweites Mal im Markt. Mit der bk Group lenkt Wolfarth inzwischen ein europaweit agierendes Erfolgsunternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern im fränkischen Endsee – und steht für eine Unternehmensphilosophie, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Sein Buch „Gewinn ist nur ein Nebenprodukt – Wie Sie unternehmerischen Erfolg und ein erfülltes Leben in Einklang bringen“ erscheint am 4. Juni (Piper, München, € 20). www.gerold-wolfarth.eu