Anzeige
| Versicherer

Gesamtverband sieht steigende Insolvenzzahlen

Der Strukturwandel in der Autoindustrie schlägt durch. Deutsche Unternehmen sehen sich 2019 mit deutlich höheren Zahlungsausfällen konfrontiert als in den Vorjahren.

Anzeige

Warenkredit- und Kautionsversicherer müssen im laufenden Jahr für Schäden in Höhe von fast 900 Millionen Euro geradestehen – das entspricht einer Steigerung von über 60 Prozent. Das teilt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nach einer Hochrechnung mit.

„Der Welthandel stagniert, das Wachstum in Deutschland schwächelt und die Zahlungsmoral sinkt“, sagte der Vorsitzende der Kommission Kreditversicherung im GDV, Thomas Langen, in Frankfurt/Main.

Infolge der wirtschaftlichen Probleme könnten viele Firmen ihre Rechnungen nur noch verspätet zahlen – oder gar nicht mehr. „Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen dürfte im kommenden Jahr erstmals seit der Finanzkrise wieder anwachsen“, sagte Langen.

 
Im August haben haben die Amtsgerichte in Deutschland 1626 Unternehmensinsolvenzen gemeldet. © dpa

Hohe Risiken in der Automobilindustrie

Hohe Risiken sehen die Kreditversicherer insbesondere in der Automobilindustrie. Der Strukturwandel erfordert hohe Investitionen, während gleichzeitig der weltweite Absatz sinkt. Das führe zu einem immensen Druck auf die ganze Wertschöpfungskette, so Langen.

Die Automobilwirtschaft habe sich vom Zugpferd der deutschen Wirtschaft zum Motor des Abschwungs entwickelt. "Wir sehen harte Sparprogramme, Kurzarbeit, Standortschließungen und Insolvenzen." Das wirke sich auch negativ auf Branchen aus, die eng mit der Automobilindustrie verflochten sind, etwa Chemie, Metall oder Maschinen- und Anlagenbau.

International leidet die deutsche Exportwirtschaft unter einem synchronen Abschwung der Weltwirtschaft. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds hat sich das Wachstum in 90 Prozent aller Staaten verlangsamt.

„Gleichzeitig gehen weltweit die Mittel und Möglichkeiten aus, die gedrosselte Konjunktur wieder anzukurbeln. Die Notenbanken haben die Zinsen bereits auf Null und weniger gesenkt. Die hohe Verschuldung vieler Staaten lasse neue, mit noch mehr Schulden finanzierte Konjunkturprogramme nicht zu, sagte Langen.

Deckungsvolumen steigt auf fast 500 Milliarden Euro

In dem aktuell schwachen wirtschaftlichen Umfeld decken die deutschen Kreditversicherer 2019 mit 495 Milliarden Euro höhere Ausfallrisiken als je zuvor (+ zwei Prozent). Zum Deckungsvolumen der Warenkreditversicherung (430 Milliarden Euro) kommen weitere 65 Milliarden Euro aus Kautionsversicherungen, mit denen die Versicherer Bürgschaften und Garantien zur Verfügung stellen.