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| Was macht ... Andreas Dittmer

Im Herzen Sportler

Den "schnellsten Indianer der Welt" zieht es zurück aufs Wasser. Andreas Dittmer, der bis heute erfolgreichste Canadierfahrer aller Zeiten, hat sein Büro im Berliner Sparkassenhaus gegen die einsamen Seen Kanadas eingetauscht. Der ehemalige Sportförderer ist heute kanadischer Nationaltrainer.

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Seit März 2018 ist Andreas Dittmer Nationaltrainer in Kanada und bereitet die Athleten des Landes auf die Olympischen Spiele in Tokio 2020 vor. Freilich nicht für alle Kanuten von Team Kanada ist er jetzt verantwortlich, seine Disziplin war und ist der Canadier – bei dem man im Boot kniet (nicht sitzt) und das Stechpaddel seitlich durchs Wasser zieht. Der kanadische Kanuverband hatte immer wieder angefragt und nicht lockergelassen, denn auch zwischen Großem Bärensee und Hudson Bay kennt man Andreas Dittmer. In Deutschland sind seine 30 Weltmeisterschafts- und fünf olympischen Medaillen ohnehin unvergessen: Seit Oktober 2018 ist der gebürtige Neustrelitzer Mitglied der Hall of Fame des deutschen Sports.

Der Canadier ist in Kanada zu Hause

Seine aktive Karriere beendete er nach den Spielen in Peking 2008, das neue Aufgabenfeld hieß Sportförderung im Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Bis 2018 half er mit, junge Talente ausfindig zu machen und Wege zu Erfolgen bei Olympischen wie Paralympischen Spielen zu öffnen. Schon während seiner aktiven Zeit war Dittmer ein „Sparkässler“. Seit 1991 arbeitete er bei der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin, die ihm hervorragende Bedingungen bot, Leistungssport und berufliche Perspektive miteinander zu verbinden. Die Zeit in der Sparkassenfamilie will er nicht missen, doch die Lust auf die tägliche Trainingsarbeit gab den Ausschlag. „Ich hatte viele schöne Momente in der Sportförderung, etwa beim gemeinsamen Sportabzeichen mit aufgeregten Schülern und fitten Senioren.“

„Schön war es auch, wenn junge Sportler aus den Eliteschulen des Sports nach und nach zu Siegern im Erwachsenenbereich wurden. Im Herzen bin ich aber immer auch selbst Sportler geblieben. Ich habe mich darum über die Anfrage des kanadischen Kanu-Verbands sehr gefreut – nicht zuletzt, weil meine Sportart dort ihre Wurzeln hat.“ Viel Zeit hat er nicht, die Tage sind bestimmt vom Trainingsplan. Drei bis vier Mal täglich trainieren die jungen Sportler unter der Aufsicht ihres neuen Übungsleiters, erste Erfolge stellen sich bereits ein. „Ich bin davon überzeugt, dass ich hier in den nächsten Jahren viel bewegen kann. Ich kenne meinen Sport und lerne meine Sportler mit jedem Tag besser kennen. Alle ziehen gut mit, sodass ich mit dem ersten halben Jahr hier in Ottawa sehr zufrieden bin.“

Kanu-Rennsport verlangt höchsten Trainingsfleiß, der Dittmer jahrelang auszeichnete und an die Spitze brachte – und den er nun seinen Schützlingen abverlangt. „Schon als Kind habe ich beim Einschlafen von Medaillen geträumt, und ganz aufgehört hat dieser Traum nie. Es wäre einfach genial, noch einmal bei Olympischen Spielen eine Medaille zu gewinnen, diesmal eben als Trainer. Die Spiele in Tokio 2020 sind darum unser gemeinsames Ziel.“ Ehefrau Anja ist mit im Boot – im übertragenen Sinne. „Kanada ist ein großartiges Land, wir fühlen uns bereits sehr heimisch“, sagt sie. „Die Menschen sind sehr herzlich und gelassen, die Natur ist in vielen Gegenden wild und urwüchsig.“ – „Nur vor dem Winter hatten wir ein bisschen Bammel“, wirft Andreas Dittmer ein. „Der ist ja doch deutlich kälter als in Deutschland…“