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| Recruiting

Kermit trifft Graf Zahl

Einige Sparkassen bilden Dialogmarketing- und E-Commerce-Kaufleute aus. Auch die klassische Ausbildung für Bankkaufleute verändert sich. Wer hat die besten Chancen?

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Graf Zahl aus der Fernsehserie „Sesamstraße“ kann gut zählen und rechnen. Aber mit seiner sonderbaren Art wäre er als Kundenberater kaum geeignet. Eine gute Mathematiknote ist bei einer Sparkassenkarriere kein Hindernis, und Bewerber mit gutem Zahlenverständnis haben auch künftig gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Doch kommunikative Persönlichkeiten vom Schlag des quirligen Sesamstraßen-Frosches Kermit, der im Gespräch immer die richtigen Fragen stellt und dabei lässig Rechner und Mikrofon bedient, sind in den Personalabteilungen besonders gefragt.

Die Stadtsparkasse München beispielsweise bildet zurzeit den ersten Jahrgang von E-Commerce-Kaufleuten aus: Die Azubis werden für den medialen Vertrieb qualifiziert und erhalten Expertenwissen über IT, Onlinemarketing und vertriebliche Kommunikation.

„Wir orientieren uns hier an den sich wandelnden Bedürfnissen unserer Kunden, die telefonisch, online und persönlich mit uns in Kontakt treten möchten“, sagt Robert Wegmann, Bereichsleiter Ausbildung und Mitarbeiterqualifizierung. An Bewerbern habe es nicht gefehlt. Dabei habe die Stadtsparkasse erst relativ spät auf Online-Portalen, Jobbörsen und Ausbildungsmessen auf das Angebot aufmerksam gemacht.

„Da wir uns entschieden haben, den Ausbildungsberuf ,Servicefachkraft Dialogmarketing‘ auch für gute Absolventen der Mittelschule anzubieten, hat sich die Anzahl an geeigneten Bewerbern nochmals erhöht“, sagt Wegmann. Dialogmarketing-Azubis lernen, wie man Kunden am Telefon und über digitale Kanäle anspricht und berät, Kampagnen plant und organisiert. Auch Interessenten im fortgeschrittenen Alter können sich bewerben. Wegmann: „Für uns ist die persönliche Eignung entscheidend.“

Die E-Commerce- und Dialogmarketing-Azubis der Kreissparkasse erhalten zusätzlich eine sparkassenfachliche Qualifikation. Dazu gehört ein Aufenthalt in einer der Vertriebseinheiten. Die ausgebildeten E-Commerce-Kaufleute sollen künftig an der Entwicklung und Bereitstellung neuer Online-Lösungen und -Vertriebswege beteiligt werden. Die Kaufleute und Servicefachkräfte im Dialogmarketing werden vor allem für die operative Online-Beratung und den telefonischen Kundenkontakt ausgebildet.

Vielseitige Einsatzmöglichkeiten

Mediale Kompetenz in der Kreissparkasse gehört für die klassischen Bank-Azubis ebenfalls zu den Aus- und Weiterbildungszielen. Jede Vertriebseinheit verfüge bereits über mehrere Tablets, „und mittelfristig ist es unser Ziel, jeden Mitarbeiter damit auszustatten“, sagt Wegmann. Das Geldinstitut bietet geeigneten Nachwuchskräften an, in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg einen Bachelor of Arts in der Fachrichtung Bank zu erwerben. „Der Vorteil ist hier die vielseitige Einsatzmöglichkeit nach Abschluss des Studiums“, sagt Wegmann.

Dass angehende Bankkaufleute Interesse an Kundenkommunikation mithilfe digitaler Technik mitbringen, ist bei der Hamburger Sparkasse ebenfalls selbstverständlich. Eigene Ausbildungsgänge für E-Commerce und Dialogmarketing bietet die Haspa aber nicht an: „Wir setzen stärker darauf, den Ausbildungsberuf Bankkaufmann um weitere entsprechende Zusatzqualifikationen zu ergänzen“, sagt Matthias Saecker, Leiter der Haspa-Abteilung Talentmanagement. „In der heutigen Zeit erwarten wir von unseren Finanzberatern, dass sie nicht nur über die persönliche Kompetenz für die Kundenberatung verfügen, sondern in der Lage sind, den Kunden auch über andere digitale Vertriebskanäle optimal zu betreuen.“

Daher setzt die Haspa schon heute darauf, talentierte Bewerber möglichst vielseitig zu qualifizieren. Seit August 2018 bietet das Geldinstitut ein duales Studium zum Bachelor of Arts in Banking and Sales an. „In diesem Studiengang können talentierte Nachwuchskräfte in vier Jahren drei Berufsabschlüsse erzielen“, erklärt Saecker: den Bankkaufmann bei der Industrie- und Handelskammer, den Bankfachwirt bei der Hanseatischen Sparkassenakademie und den Bachelor of Arts an der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe in Bonn. Die Nachfrage nach dem Studium sei sehr hoch. „Wir erhalten 20 Mal so viele Bewerber, wie wir Plätze anbieten“, sagt ­Saecker.

Dafür musste sich die Sparkasse nicht einmal besonders anstrengen: „Wir haben bislang ausschließlich über die Karriereseite unserer Webseite für den neuen Studiengang geworben.“ Letztlich habe man zehn Kandidaten gewonnen, neben besonders talentierten Schulabgängern auch einige Studienabbrecher. Künftig wolle die Sparkasse auch über ihre sozialen Netzwerke und bei Ausbildungsmessen auf die Studienoption aufmerksam machen.

Dass es in Zukunft überhaupt noch Vertriebsarbeitsplätze für bankfachlich Geringqualifizierte geben wird, kann sich Saecker „tendenziell eher nicht“ vorstellen: „Gerade die einfachen Tätigkeiten und weniger beratungsintensiven Produkte werden zunehmend durch den Prozess der Digitalisierung ersetzt werden.“ In der anspruchsvolleren Kundenberatung dagegen könne eine Sparkasse auf die bankfachliche Qualifikation überhaupt nicht verzichten, im Gegenteil: „Hier wird der qualitative Anspruch an die Fach- und Methodenkompetenz sogar noch zunehmen“, sagt Saecker.

Bewerber bevorzugen das Bankfach

 
Bankfach-Azubis der Ostseesparkasse Rostock. Der Ausbildungsgang Dialogmarketing wurde zwar angeboten, es fehlten aber die Bewerber. © Ospa
Sind es also vor allem die bankfachlichen Kenntnisse, die die Chancen auf Einsatz- und Karriereoptionen in den Sparkassen erhöhen? Anscheinend sehen das die Bewerber in manchen Regionen so. Eine Mitarbeiterin des Teams „Ausbildung und Karriere“ der Ostseesparkasse Rostock (Ospa) teilt mit, dass der Ausbildungsgang Dialogmarketing wegen fehlenden Bewerberinteresses nicht mehr angeboten werde.

Beim bankfachlichen Ausbildungsgang verzeichne das Geldinstitut dagegen steigende Bewerberzahlen. Kontaktfreude, vertriebliches Denken und Interesse am Umgang mit Technik spielten heute schon bei der Auswahl der Bewerber eine wichtige Rolle. Insofern habe die Ospa die zu erwartenden Veränderungen im IHK-Ausbildungsgang für Bankkaufleute bereits vorweggenommen, teilt das Geldinstitut mit.

 
In Oldenburg (von links): Fabian Püschner, Lisa Kostian und ­Alexandra Meyer absolvieren bei der Landessparkasse eine Bank­ausbildung mit Schwerpunkt beim medialen Vertrieb. Rechts: Heinrich Glurich, Leiter Medialer Vertrieb. © Landessparkasse zu Oldenburg

Die Landessparkasse zu Oldenburg macht es ähnlich. Seit August 2018 bildet das Institut erstmals drei von insgesamt 50 angehenden Bankkaufleuten mit einem hausinternen Schwerpunkt beim medialen Vertrieb aus. Im Mittelpunkt stehe immer die bankfachliche Ausbildung, das neue Angebot setze aber andere Akzente, sagt Kerstin Bahn aus der Personalabteilung. Um die Nachfrage zu steigern, werde das Bewerbermarketing in Schulen, auf Ausbildungsmessen, vor allem aber in den sozialen Medien dafür sorgen, dass das neue Ausbildungsangebot bekannter wird.

Etwas anders ist die Situation in der Kreissparkasse Augsburg. Während im Geschäftsgebiet die Kundenfrequenz in den Filialen geringer wird, wächst die Bedeutung der Telefonie. Das Institut betreibt ein hauseigenes Callcenter, in dem Fachkräfte Kundenanfragen zu Servicethemen beantworten. Zusätzlich beraten im Kundencenter ausgebildete Bankkaufleute Privat- und Firmenkunden zu Finanzthemen – telefonisch und mithilfe digitaler Anwendungen.

Um geeigneten Nachwuchs zu rekrutieren, möchte die Kreissparkasse Dialogmarketing-Azubis einstellen. „Wir führen zurzeit weitere Gespräche mit Kandidaten und werden unser Angebot in Schulen und auf Jobbörsen und in den sozialen Medien forciert bewerben“, sagt Robert Schmidberger, Ausbildungsleiter. Dialogmarketing- und Bankkaufleute sollen künftig voneinander lernen. Wie Schmidberger erläutert, werden bankfachlich weitergebildete Dialogmarketingkaufleute künftig auch vom Callcenter ins Kundencenter wechseln. Umgekehrt sollen Bankkaufleute im Callcenter den Umgang mit digitalen Medien erlernen.

Berufsbild wird neu geordnet

Werden sich künftig bankfachlich geschulte Dialogmarketingkaufleute und Bankkaufleute um dieselben Stellen bewerben? Das sei nicht ausgeschlossen, erklärt Michael Thaler, Leiter der Gruppe Personalmanagement und Bildungspolitik beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Die Präferenzen bei Sparkassen und Azubis seien allerdings nicht zu übersehen: „Zurzeit werden fast 97 Prozent aller Azubis in der Sparkassen-Finanzgruppe zu Bankkaufleuten ausgebildet.“ Der Anteil anderer Ausbildungsberufe – also Dialogmarketing- und E-Commerce-Kaufleute, aber auch Versicherungskaufleute und Büromanager – liege nur bei etwa drei Prozent.

Allerdings herrsche auch bei den Sparkassen Bewerbermangel. Im Jahrgang 2016/17 seien elf Prozent der Ausbildungsplätze in den Sparkassen nicht besetzt worden, sagt Thaler. Gleichzeitig bleibe die klassische Bankausbildung in den meisten Instituten weiterhin Hauptrekrutierungsweg. Wegen altersbedingter Fluktuation und Veränderungen bei herkömmlichen Tätigkeiten bestehe auch in den nächsten Jahren Bedarf an gut ausgebildeten Beratern und Spezialisten. Die heutigen Anforderungen an Beratungs- und Servicequalität seien hoch, interne Aufgabenfelder zunehmend komplexer. „Die klassische Bankausbildung in der Sparkasse muss daher neu gedacht werden, damit sie in Zukunft wieder zu einer spannenden Perspektive für junge Menschen wird“, sagt Thaler.

Derzeit wird ein Neuordnungsverfahren für das Berufsbild Bankkaufmann/-frau initiiert. Parallel zum bildungspolitischen Neuordnungsverfahren soll eine DSGV-Projektgruppe ein integratives Ausbildungskonzept entwickeln, das für die Umsetzung in den Instituten fachliche, pädagogische und organisatorische Bausteine sowie technische Unterstützung an die Hand gibt.

Das Konzept soll Sparkassen, Landesbanken und Verbundpartner bei der Bewältigung der strategischen und operativen Neuordnung der Bankausbildung unterstützen. „Vor allem können die Sparkassen sich bei der Rekrutierung und Ausbildung des Nachwuchses schon heute gegenseitig unterstützen“, sagt Ute Hennings vom DSGV-Referat Personalmanagement. Gemeinsames Ziel sei es, das Image der Sparkassen-Finanzgruppe als exzellenter Ausbilder zu stärken.