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| Gleichberechtigung

Noch lange nicht vorn

Weiterhin haben Frauen es in der Finanzbranche schwerer beim Aufstieg – und sie verdienen weniger als ihre Kollegen. Viele Sparkassen wollen das ändern.

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Während Frauen in Deutschland über alle Branchen hinweg 21 Prozent weniger verdienen als Männer, sei die Kluft in den Geldhäusern besonders groß, berichtet das „Handelsblatt“ unter Verweis auf das Statistische Bundesamt. Hier betrage der Abstand 28 Prozent.

Eine Untersuchung der Personalberatung Willis Towers Watson (WTW) zeige nun detailliert, wie viel schlechter die Bezahlung und die Jobaussichten für weibliche Mitarbeiter von Finanzfirmen ausfielen. Die Berater hatten Personalchefs von 147 deutschen Geldhäusern befragt.

 
Tragen zwar häufig die Last der Arbeit, aber nicht die Verantwortung: Frauen in Finanzinstituten. © dpa

Von der Anzahl her sind Frauen teilweise vorn

Über alle befragten Institute hinweg liege das Verhältnis von Frauen zu Männern zwar bei rund eins zu eins. Unter den Angestellten bis 45 Jahre seien die Frauen sogar leicht in der Überzahl.

Bei älteren Jahrgängen kippe die Verteilung allerdings – und noch deutlicher zeige sich der Unterschied auf der Managementebene: Wenn es um Führungspositionen gehe, kommen demnach in der deutschen Finanzbranche drei Männer auf eine Frau.

Auf höheren Hierarchieebenen dominieren immer noch Männer

Die Experten von WTW haben die Unternehmensorganisation in 20 Hierarchieebenen unterteilt. Seien Frauen auf den Hierarchieebenen vier bis neun noch in der Überzahl, so übernähmen die Männer ab Hierarchieebene zehn die Führung. Nur am Ende der Skala, auf der Topmanagementebene, steige der Anteil der Frauen wieder leicht an.

Die Ergebnisse festigen das bekannte Bild: Während in den Bankfilialen, auf Sachbearbeiterebene und im Kundendienst, etwa in Callcentern, Frauen überrepräsentiert sind, sind die Ebenen, die einen Studienabschluss erfordern, und das Management fest in männlicher Hand. An die Spitze, etwa in den Vorstand, berufen manche Banken zwar gerne öffentlichkeitswirksam eine Frau. Aber schon eine Etage tiefer dominieren nach wie vor die Männer.

Initiativen in der Sparkassen-Finanzgruppe

Die Institute der Sparkassen-Finanzgruppe heben sich nicht allzu löblich von den Trends ab. Obschon die Sparkassen in ihrer Mehrheit weiblich sind (Ende 2018: 61,9 Prozent), finden sich in den obersten Führungspositionen viel zu wenig Frauen (Ende 2018: 5,1 Prozent).

Immerhin gibt es Ansätze, dies zu ändern. So ist sogenanntes S-FIF-Netzwerk aus dem Kreis ehemaliger Teilnehmerinnen eines Mentoringprogramms beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband hervorgegangen – und sorgt für ein besseres Bewusstsein für das Thema in den Instituten.

Erfolgsbeispiele im Rheinland

Der Rheinische Sparkassen- und Giroverband hat bereits vor einigen Jahren ein Cross-Mentoring-Programm für die Institute im Rheinland ins Leben gerufen. Mehr Frauen in Karrierepositionen zu bringen, sei zwar leichter gesagt als getan, berichteten die Initiatorinnen Margareta Rieck, Gleichstellungsbeauftragte, und Ina Begale, Fachbereichsleiterin Personalwirtschaftliche Grundsatzfragen des RSGV, in der SparkassenZeitung. Anhand exemplarischer Erfolgsgeschichten konnten sie aber nachweisen: „Cross-Mentoring funktioniert“.

 
Engagieren sich für Frauen in Führung: Margareta Rieck (links), Gleichstellungsbeauftragte des RSGV, und Ina Begale, Fachbereichsleiterin Personalwirtschaftliche Grundsatzfragen des RSGV. © RSGV

In einer Befragung der SparkassenZeitung indes haben 45 Prozent der Teilnehmer die Meinung geäußert, es müsse „noch viel passieren“, bis Frauen in den Sparkassen als gleichberechtigt anzusehen seien. Immerhin 42 Prozent vertraten die Ansicht, die Gleichberechtigung werde „gelebt“.