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| Motivation / 5 Tipps

Nur Langeweile ist noch schlechter als Druck

Junge Leute wollen heute „was Interessantes“ machen, kreativ sein, mobil bleiben. Karriere und Gehalt werden unwichtiger, heißt es in Studien. Auch Sparkassen müssen ihre Auszubildenden neu motivieren.

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Beruflicher Aufstieg ist für die Studierenden von heute nachrangig, neun von zehn von ihnen verlassen sich darauf, zügig immer wieder einen Job zu finden. Das haben die Berater von EY in ihrer „EY Studentenstudie 2018“ herausgefunden. Ein derart entspannter Blick auf die Karriere hänge mit der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland zusammen, kommentiert Oliver Simon, Leiter der EY-Personalabteilung. Die Beratung hatte immerhin 2000 Studenten in 27 Universitätsstädten befragt. Einen „grundlegenden Wertewandel“ haben die Berater dabei ausgemacht.

Die 20- bis 30-Jährigen fänden hervorragende Ausgangsbedingungen vor, was ihnen ein Gefühl weitgehender Sicherheit gebe. Es erscheine kaum noch notwendig, sich mit allzu viel Energie auf persönliche Interessen und Ziele zu konzentrieren. Allerdings: Trotz gewandelter Werte sei eine Rückkehr zu klassischen Rollenbildern von Mann und Frau zu beobachten.

Einen langfristigen Plan gibt es kaum noch

Gelten diese Beschreibungen auch für die Vertreter der sogenannten „Generation Z“, den nach 1995 geborenen Menschen, die als Nachwuchs in den Sparkassen ausgebildet werden? Tatsächlich scheinen bei den Azubis – wie offenbar bei vielen Studenten – allzu strikte Karrierepläne eher die Ausnahme zu sein, wie Personalverantwortliche berichten. Mancher Auszubildende habe zwar eine konkrete Vorstellung vom Beruf des Bankkaufmanns, berichtet Heinke Beyer, Ausbildungsverantwortliche bei der Sparkasse Gera-Greiz. Die meisten wüssten allerdings gar nicht, was auf sie zukommt. „Der Typus, der genau weiß, wo er in zehn Jahren stehen will, ist fast ausgestorben.“

Der Sparkasse komme daher die Aufgabe zu, Entwicklungspläne sehr genau aufzuzeigen, selbst wenn diese nicht immer auf Dauer befolgt würden. Mitten auf dem Karrierepfad halte mancher inne und schreite vorerst nicht weiter, selbst wenn die Sparkasse geeignete Angebote biete, so Beyer. Gegenzusteuern oder Druck aufzubauen, helfe nicht, dies führe schlimmstenfalls zum Verlassen des Hauses. Anstelle dessen müsse die Sparkasse individuell auf die Wünsche der jungen Leute eingehen, „damit sie die Lust an der Ausbildung nicht verlieren“.

Die Sparkassen brauchen somit viel Engagement, um junge Leute dauerhaft auch nach ihrer Ausbildung zu binden. Das bestätigt auch Manuel Schicke, Leiter Aus- und Fortbildung bei der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO). „Wir tun gut daran, ihnen immer wieder aufzuzeigen, welche Chancen sie in unserem Haus haben“, so Schicke. Die Sparkasse müsse einiges bieten, damit sich die Azubis an ihren Arbeitsplätzen wohlfühlen. Erwartet werden beispielsweise flexible Arbeitszeiten, und eines sei unbedingt zu vermeiden: Langeweile. Sein Haus gestalte die Ausbildung „so abwechslungsreich wie möglich“, sagt Schicke.

Zwischen Flexibilität und Sicherheit

 
© Shutterstock

Es sei wichtig, den jungen Leuten jeweils passende Karriereziele aufzuzeigen, bestätigt Ausbilder Schicke die Erfahrungen der Sparkasse Gera-Greiz. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, junge Leute nach der Ausbildung aktiv zu begleiten.“ Trotz ihrer Forderung nach Flexibilität setzten die jungen Leute auf Sicherheit und wollten oft genau wissen, welche Möglichkeiten ihnen ihre Sparkasse bietet. Fehle ein solcher Fahrplan, mache man es den jungen Menschen allzu einfach, abzuspringen. Der Arbeitsmarkt biete schließlich viele Chancen. Wichtig sei es, den Vertretern der sogenannten „Generation Z“ Wertschätzung entgegenzubringen, empfiehlt Schicke. Dies stehe für die jungen Leute an erster Stelle.

Den von der eingangs genannten Studie genannten Trend zur Wiederbelebung klassischer Geschlechterrollenbilder bestätigen die Experten der Sparkassen indes nicht. Gerade junge Frauen hätten ein hohes Interesse, sich weiterzuentwickeln, sagt LzO-Ausbilder Schicke. Nach der Elternzeit kämen sie oft zurück zur Landessparkasse zu Oldenburg, und das nicht nur für einen 20-Stunden-Job. „Familie ist ihnen wichtig, aber das steht nicht im Widerspruch zur Karriere“, berichtet der Ausbilder. Die LzO versuche, diesen Frauen mit Job-Sharing-Modellen entgegenzukommen: So werden Positionen in der Vermögensberatung oder auch in der Leitung einer Filiale geteilt.

Gesellschaftliches Engagement sei jungen Leuten heute wichtig, nennt Schicke ein weiteres Merkmal der Berufsanfänger der Sparkassen. Die Sparkassen mit ihrem öffentlichen Auftrag verfügten hier über einen Trumpf. So entledigen sich die Azubis der Landessparkasse zu Oldenburg für Projekte ihrer Bankerbekleidung und bauen in einem Kindergarten eine Sandkiste oder helfen Senioren. Der Perspektivwechsel und der Blick über den Tellerrand würden begeistert angenommen und bänden die jungen Leute an ihren Arbeitgeber, so der Ausbilder.

Azubis finden und binden

1. Sich bei potenziellen Azubis bewerben
Der Markt hat sich gedreht. Heute fragen Unternehmen bei potenziellen Azubis an und stellen sich mit Vorteilen und Karrierewegen vor. Wer diesen Rollentausch hinbekommt und mit einer überzeugenden „Bewerbungsmappe“ auf Schüler zugeht, kann punkten und junge Menschen für sein Haus gewinnen.

2. Auch Außenseiter verdienen Chancen
Im Zeugnis steht nicht immer die ganze Wahrheit. Das gilt im Positiven wie im Negativen. Auch wenn die Noten nicht glänzen oder das Benehmen ein wenig ungeschliffen ist, kann ein Bewerber mit dem richtigen Training ein Gewinn für die Sparkasse sein. Deshalb lohnt es, auch „Außenseitern“ eine Chance zu geben.

3. Abbrecher umwerben: nicht gleich aufgeben
Wenn etwas nicht gleich gelingt oder so stressig ist, dass der Auszubildende abspringen will: Kümmern Sie sich. Manche jungen Menschen brauchen heute mehr Hilfe als früher. Nicht immer haben sie alle Tugenden wie Teamfähigkeit in die Wiege gelegt bekommen.

4. Azubis Azubis werben lassen
Und wer überzeugt am besten von den Vorteilen einer Ausbildung bei der Sparkasse? Auszubildende des Instituts. Deshalb lud beispielsweise die Sparkasse Gera-Greiz 13- bis 15-Jährige ein, einen Tag in der Sparkasse zu erleben und bei dieser Gelegenheit die Azubis des Instituts ganz konkret zu befragen: Was ist alles drin für mich bei einer Ausbildung in der Sparkasse? Praktisches Erleben überzeugt mehr als ein paar Infos in den sozialen Medien.

5. Umdenken: Die Millennials sind anders
Die Ansprüche des Nachwuchses ändern sich – warum ändern wir nicht unsere Ansprüche an den Nachwuchs? Und sprechen neue Kandidaten an? Manche Häuser haben gute Erfahrungen mit Migranten gemacht, andere mit Studienabbrechern oder Quereinsteigern aus anderen Branchen – oder mit Menschen, die erst nach der Kindererziehung in den Beruf starten.

In der „Kommunikationswelt Planungen“ der Sparkassen-Finanzgruppe finden Sie viele Informationen und Materialien sowie einen Ansprechpartner zur Auszubildenden-Kampagne „Hier bist Du richtig“, zum Trendence-Siegel und zum Schüler- und Absolventenbarometer unter diesem Link (passwortgeschützter Bereich).