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Recruiting auf Neudeutsch

Mit Videos in Youtube-Manier und flotten Texten rühren die Auszubildenden auf Facebook und Instagram die Werbetrommel für die Sparkassen. Vor allem auf Instagram sorgen Azubi-Teams für die richtigen Inhalte, um die Institute als Arbeitgeber bei den Jugendlichen ins Gespräch zu bringen.

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Es war ein ungewöhnlicher Ort, den das Azubi-Team für das Interview mit Stephan Kirchner wählte. Extra hatten die beiden Azubis Katharina Schreiber und Jonas Simon ein Auto mit mehreren Kameras und Mikrophonen ausgestattet, um den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Bamberg während einer Fahrt durch die fränkische Stadt zu befragen.

„Neben zahlreichen Gesprächen haben wir auch einiges über unseren Vorstandsvorsitzenden erfahren“, erklären die jungen Leute – beispielsweise, dass der Sparkassenchef eigentlich als Jugendlicher die väterliche Buchbinderei übernehmen wollte, sich dann aber für eine Karriere im Finanzbereich entschied. Auch viele persönliche Einzelheiten gab Kirchner preis – so seine Vorliebe für die mediterrane Küche oder seinen Musikgeschmack, der mal zwischen Blues und Rock wechselt.
 
| In Videos namens „Quick-Spot“ stellen Azubis der Sparkasse Göttingen regelmäßig Themen und Produkte vor. © Sparkasse

Für das Azubi-Team, das mit Videos, Fotos und Textbeiträgen die Social-Media-Kanäle Facebook und Instagram bestückt, war das Video ein voller Erfolg: „Wir haben mehr als 1200 Nutzer auf die Facebook-Seite der Sparkasse Bamberg aufmerksam gemacht“, erklärt Florian Hübner stolz. Der 21-Jährige ist Teil eines Teams von Azubis, das regelmäßig für die Sparkasse im Social Web die Werbetrommel rührt. Ob Beiträge über die Ausbildung zum Bankkaufmann oder Einblicke in die tägliche Arbeit eines Auszubildenden – das Azubi-Projektteam soll vor allem für geeignete Inhalte auf Instagram sorgen, um Jugendliche für die Ausbildung bei der Sparkasse zu bewegen.

Und die Resonanz darauf ist groß. „In kurzer Zeit haben wir bereits mehr als 500 Abonnenten für unsere Seite begeistert“, betont Hübner stolz. Dazu wurde eine Art Redaktionsteam formiert, um die Arbeit zu organisieren. „Wir haben einen Wochenplan. Jeder der Azubis bekommt den Auftrag, ein bis zwei Beiträge zu posten“, verrät er. Besonders beliebt sind Fotos und Videos, die das Webkonzept von Instagram auszeichnen. Sie werden von der jungen Generation besonders geklickt. „Wir haben festgestellt, dass gut gemachte Fotos und Videos für mehr Aufmerksamkeit im Netz sorgen als ellenlange Texte“, so der Azubi. In die Inhalte funkt die Sparkasse den Auszubildenden kaum rein. Hübner: „Wir haben einen Social-Media-Beauftragten im Haus, der unsere Beiträge überwiegend durchwinkt.“

Authentische Werbebotschafter

 
Auch die Sparkasse Nürnberg setzt auf den Nachwuchs. Schließlich wüssten die Azubis am besten, was junge Leute anspricht. © Shutterstock

Ob Facebook oder Instagram – die Sparkassen nutzen immer stärker die Social-Media-Netzwerke, um sich ins richtige­ Licht zu rücken. Während die Marketing-Strategen die Inhalte vor allem für ältere Zielgruppen auf Facebook aufbereiten, gilt Instagram als die Domäne der Azubis. Von stylisch geschossenen Fotos, Videos im Youtube-Manier oder flott geschriebenen Texten – authentisch und frisch erzählen die Auszubildenden Geschichten, wie sie ihren Alltag und ihre Ausbildungsstationen in der Sparkasse erleben. Geschickt bringen sich die Sparkassen hierdurch als potenzielle Arbeitgeber ins Gespräch.

„Für uns spielt das Thema Digitalisierung eine sehr wichtige Rolle. Dies zeigt sich nicht nur durch den Einsatz von I-Pads in der Ausbildung, sondern auch im Re­cruiting. Wir legen Wert darauf, verschiedene Kanäle wie zum Beispiel Facebook gut zu nutzen“, erklärt Petra Rehberger, stellvertretende Bereichsleiterin Personal und Leiterin Personalentwicklung bei der Sparkasse Nürnberg, und ergänzt: „Im Team können sich die Azubis hier selbst aktiv und kreativ einbringen, denn sie wissen am besten, was junge Menschen anspricht“.

Positiver Nebeneffekt: Die Sparkasse fördert durch die Social-Web-Aktivitäten die Teamarbeit, das Verantwortungsbewusstsein und die Kommunikationsfähigkeit der jungen Menschen. Und mehr noch: „Zusätzlich geht es darum, verschiedene Aktivitäten auf diversen Kanälen geschickt zu vernetzten. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Azubi-Team auf einer Messe aktiv wird und gleichzeitig Aktivitäten auf Facebook plant und umsetzt“, erläutert die Personalspezialistin.

Die Sparkasse Nürnberg ist seit Langem in den sozialen Netzwerken aktiv. Seit November 2012 verfügt sie zusätzlich zu ihrer offiziellen Fanpage auch über eine Azubi-Team-Facebook-Seite. Zielgruppe sind hier potenzielle Azubis, für die Themen rund um die Ausbildung gepostet werden – sozusagen von Azubis für Azubis. Die Webseite wird gut geklickt und zählt derzeit rund 550 Fans. Verantwortlich hierfür sind zehn Auszubildende. Drei von ihnen sind quasi als Chef vom Dienst damit beauftragt, die Beiträge praktisch umzusetzen.

Geplant sind ein bis zwei Posts wöchentlich. Dabei gibt es immer wieder besondere Highlights, beispielsweise im September vergangenen Jahres. Damals besucht die Gruppe den Sponsoringpartner Nürnberg Rams bei einem Football-Spiel. Sie durften mit den Spielern einlaufen, den Münzwurf und ein gemeinsames Teamfoto machen. Begleitet hat die Facebook-Gruppe das Ereignis mit mehreren imagefördernden Posts, unter anderem auch mit einem Live-Video. So machte die Sparkasse Werbung für die Ausbildung und das Unternehmen gleichermaßen.

Kleine Schule in Kommunikation

 
Jeder Azubi der Sparkasse Bamberg soll ein bis zwei Beiträge pro Woche bei Instagram posten. © Shutterstock

Aktuell betreuen zwei Auszubildende den Facebook-Kanal, darunter die 19-jährige Ariana Vagic. „Da Social Media in meinem Leben eine wichtige Rolle spielt, fällt es mir nicht schwer, mich mit der neuen Aufgabe zu identifizieren. Während meiner Ausbildungszeit, aber auch in meinem Privatleben versuche ich, interessante Motive zu fotografieren, die ich dann auf unserer Facebook Seite poste“, verrät die junge Frau. Ihre Instagram-Einträge kennzeichnet sie meist mit ihrem Namen. „Zukünftige Azubis und Interessenten können mit meinen Fotos Einblicke in die Ausbildung bekommen, aber auch mich als persönlichen Ansprechpartner kennenlernen.“

Auch der 20-jährige Burak Korkmaz gehört zum Team. „Die besten Ideen für Posts fallen mir oft in der Bahn und während des Sports ein. Diese Ideen schicke ich dann sofort in die Whats-App-Gruppe unseres Teams, und dort werden sie besprochen. Dadurch hat man sofort Gesprächsstoff für das kommende Projekttreffen und Inhalte, die Einblicke in unsere Ausbildung geben“, betont er. Dabei birgt die Redaktionsarbeit noch einen weiteren Mehrwert: „Die Azubi-Facebook-Seite ist eine sehr gute Möglichkeit, um sich auch Wissen und Fähigkeiten in anderen Bereichen, wie Unternehmenskommunikation, anzueignen.“

Keine Extra-Motivation nötig

 
Typische Selbstdarstellung eines Jugendlichen auf Instagram - "Wir haben festgestellt, dass gut gemachte Fotos und Videos für mehr Aufmerksamkeit im Netz sorgen als ellenlange Texte", sagt Florian Hübner, Azubi der Sparkasse Bamberg. © Getty Images

Auch die Sparkasse Göttingen ist auf Instagram aktiv. Verantwortlich für die meist bunten und emotionalen Fotos ist ein Team von Mitarbeitern, das in regelmäßigen Redaktionssitzungen über Bildsprache und Inhalte des Accounts sowie neueste Trends und Aktionen berät. Unterstützt wird das „Instagram-Team“ durch Auszubildende verschiedener Jahrgänge. Insbesondere bei der Ideensammlung für die Posts und bei der praktischen Umsetzung können sich die Auszubildenden voll einbringen.

„Wir haben hier eine tolle Möglichkeit, kreativ zu sein. Mit unseren Fotos zeigen wir zum Beispiel, was wir und unsere Kollegen alles so machen – das reicht vom Filialalltag über die Berufsschule bis hin zum ,Blick hinter die Kulissen‘“, erzählt Jananth Balaganesan, der derzeit im S-Spot, der jungen Filiale der Sparkasse Göttingen, eingesetzt ist. Wichtig ist der Sparkasse, dass die Themen, die über die sozialen Medien vor allem eine junge Zielgruppe erreichen sollen, auch von jungen Leuten präsentiert werden. Besonders motivieren müsse man die Mitarbeiter dazu nicht. Dietrich Reispich, Leiter des S-Spot: „Die jetzige Azubi-Generation ist mit Handy und sozialen Medien groß geworden. Es gehört für sie einfach dazu, ab und zu ein Foto zu schießen und es online zu teilen. Warum sollten wir das als Sparkasse also nicht auch in unsere Kundenansprache einbauen?“

„Quick-Spots“ erklären Produkte

Einmal in der Woche drehen die Auszubildenden zudem ein Instagram-Video, den sogenannten Quick-Spot. Hier stellt der Sparkassennachwuchs kurz und knapp Themen oder Produkte vor, die immer auch einen konkreten Bezug zum Alltag junger Kunden haben. Egal ob es um Kontoführung mittels App, Funktionen wie Kwitt oder die Fotoüberweisung, eine Fahrrad-Versicherung oder vermögenswirksame Leistungen geht: Die Azubis liefern alles, was wissenswert ist, und laden Interessierte für weitere Informationen zum Abschluss des Clips stets persönlich in die Filiale ein. Auch ein kurzer Film wurde vor einigen Monaten mit Auszubildenden als Protagonisten umgesetzt, um potenzielle Bewerber anzusprechen.

„Wir Azubis hatten viel Spaß bei der Arbeit mit modernen, digitalen Medien. Mit diesem Film wollten wir zeigen, dass Bank mehr ist, als die Arbeit in der Geschäftsstelle“, sagt Kevin Vogt, der selbst im Video mitspielt. Hinter dem Berufsbild der Bankkaufleute verberge sich nicht nur die Eröffnung eines Girokontos oder der Abschluss eines Bausparvertrages. Auch der Handel mit Wertpapieren, die Beratung von Geschäftskunden oder kreatives Denken im Marketingbereich gehören dazu. Die Sparkassen-Welt ist eben vielseitig.