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| Inflation

Schwache Konjunktur drückt Teuerungsrate

Wegen geringerer Energiekosten ist die Inflation in Deutschland im Oktober auf den niedrigsten Stand seit mehr als anderthalb Jahren gefallen.

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Die Verbraucherpreise stiegen hierzulande nur noch um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat nach 1,2 Prozent im Septembe. Das teilte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mit.

Das ist der niedrigste Wert seit Februar 2018. Damit entfernt sich die Teuerungsrate weiter vom Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die für die Euro-Zone mittelfristig einen Wert von knapp zwei Prozent als ideal für die Konjunktur ansieht.

 
© dpa

Gedämpft wurde die Teuerung vor allem von der Entwicklung bei Energie: Sie verbilligte sich um durchschnittlich 2,1 Prozent, nachdem an den Weltmärkten beispielsweise die Preise für Öl deutlich gefallen sind. Nahrungsmittel kosteten hingegen 1,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Dienstleistungen verteuerten sich mit 1,7 Prozent überdurchschnittlich, darunter Mieten um 1,4 Prozent.

Stärkung der Kaufkraft erwartet

Die deutsche Inflationsrate werde angesichts der schwächeren Wirtschaftslage unter Druck bleiben, sagen Experten wie Sebastian Wanke von der KfW. Nach Prognose der Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist Europas größte Volkswirtschaft im dritten Quartal in die Rezession gerutscht und dürfte am Jahresende stagnieren. Bei nachlassender Nachfrage fällt es Unternehmen in der Regel schwerer, Preiserhöhungen durchzusetzen.

Die EZB hatte im September höhere Strafzinsen auf Bankeinlagen und die Wiederaufnahme von Anleihekäufen beschlossen, um die Konjunkturflaute und die geringe Inflation zu bekämpfen. Handelskriege, schwächere Weltkonjunktur und das Brexit-Chaos belasten derzeit die Wirtschaft in der Euro-Zone.

Von der schwachen Inflation könnte der private Konsum profitieren und damit die deutsche Wirtschaft vor Risiken von außen abschirmen. Nach Prognose des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts werden die Bruttolöhne und -gehälter in diesem Jahr mit vier Prozent und 2020 mit drei Prozent deutlich stärker zulegen als die Inflation, was die Kaufkraft der Verbraucher stärken würde. rtr