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| Ausbildung 2020

Schwierige Suche nach den besten Leuten

Die Sparkassen wollen mit einer neuen Kampagne Schüler und Studienabbrecher als Auszubildende gewinnen. Dazu kommt die Ausbildung selbst auf den Prüfstand - ein Großprojekt der Gruppe für das laufende Jahr.

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Digitaler Wandel ist viel mehr als technologischer Fortschritt. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss in Bewegung bleiben. Deshalb sind Sparkassen immer wieder auf der Suche nach neuen, kundennahen Lösungen. Doch das gelingt nur mit engagierten Mitarbeitern und Führungskräften. Sie müssen individuell gefördert, emotional gebunden – und auch neu gewonnen werden. Und das trotz der demografischen Entwicklung und dem ungebrochenen Trend zum Studium.

Junge Menschen für eine Ausbildung zur Bankkauffrau und zum Bankkaufmann in der Sparkasse zu gewinnen und langfristig zu binden, wird damit – neben vertrieblichen und betrieblichen Kernelementen – zum zentralen Erfolgsfaktor, sagt Michael Thaler, Leiter Personalmanagement und Bildungspolitik des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.

Die Sparkassen gehen viele neue Wege, um sich im Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte durchzusetzen. Von einer auf Wertschätzung und Vertrauen basierten Ausbildung, die die jungen Menschen nachhaltig fördert bis zu einer bundesweite Personalmarketingkampagne mit der Kernaussage „Hier bist Du richtig“: Das pädagogisch-organisatorische Konzept, digitale Infrastruktur sowie das Bindungs- und Talentmanagement werden optimiert. Mit vielen Einzelschritten beweisen die Sparkassen ihre Zukunftsfähigkeit.

 
Für die Integration von ausländischen Auszubildenden ins Unternehmen hat die Sparkasse Elbe-Elster im Jahr 2016 das IHK-Siegel verliehen bekommen (von links): Thomas Liebsch (Vorstandsmitglied Sparkasse Elbe-Elster), Diana Golze (Arbeitsministerin), Riccardo Sawkin (Personalleiter), Jens Krause (stellvertretender Hauptgeschäftsführer IHK Cottbus), Jürgen Riecke (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Elbe-Elster), Christian Heinrich-Jaschinski (Landrat Elbe-Elster). © Sparkasse

Wer Neues wagt, wird um gute Erfahrungen reicher. Das zeigt beispielsweise die Sparkasse Elbe-Elster mit ihrem internationalen Azubi-Projekt. Um den Fach- und Führungskräftebestand nachhaltig zu sichern, setzt die Sparkasse auf motivierte Jugendliche aus der ganzen Welt. Seit 2013 absolvierten bisher 14 Auszubildende (vier sind aktuell in der Ausbildung) aus Afghanistan, Bulgarien, Griechenland, Indien, dem Iran, Polen, Spanien und Syrien eine Bankausbildung.

„Dabei haben wir darauf geachtet, dass die jungen Menschen aus kleineren Orten kamen, denn unser Geschäftsgebiet ist eher ländlich geprägt“, begründet Riccardo Sawkin, Leiter Personal der Sparkasse die Auswahl. Zwei Integrationscoaches halfen den neuen Azubis und den Sparkassenmitarbeitern, wenn Hürden zu nehmen waren. Von Anfang an unterstützten die Verantwortlichen die jungen Frauen und Männer und vermittelten Gastfamilien und Ausbildungspatenschaften.

Auch wenn es zunächst vielleicht ein Gefühl des Scheiterns ist, birgt es gleichzeitig einen Neuanfang mit vielen Chancen: den Umstieg aus dem Studium in eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei den Sparkassen. Die Sparkasse Heidelberg will Studienabbrechern beweisen, dass ein Neustart einfach ist. Dabei trommelt das Institut auf sämtlichen Kanälen gezielt mit speziellen Praktikumsangeboten für diese Recruiting-Zielgruppe.

So wirbt die Sparkasse auf der Homepage und in den Onlinemedien und präsentiert Erfahrungsberichte von zufriedenen Auszubildenden. Wie das so ist mit einem „Spurwechsel“ demonstrieren Studienaussteiger bei Info-Veranstaltungen der Uni Heidelberg. Es habe lange gedauert, so ein Betroffener, bis er bemerkt habe, dass ihn die Kurse demotivierten und er prokrastinierte. „Irgendwann habe ich den Absprung geschafft und mich bei der Sparkasse beworben“, so der Ex-Student. Er habe den Wechsel in die Ausbildung noch keinen Augenblick bereut.

Über die vielen Einzelinitiativen hinaus steht auch das Berufsbild Bankaufmann/-frau selbst auf dem Prüfstand. Es ist geplant, bis zum 1. August 2020 die Ausbildung neu zu ordnen. Inhalte und Prüfungen sollen stärker auf die berufliche Praxis ausgerichtet werden. Im Fokus der Ausbildung sollen nicht nur Fachwissen sondern stärker als bisher Kunden- und Handlungsorientierung sowie Methodenkompetenz stehen.

 
Michael Thaler stellt auf der Vorständetagung "Märkte und Strategien" dsa Projekt Bankausbildung 2020 vor. © Himsel

„Die Ausbildung soll praxisnäher, kundenorientierter und vielfältig gestaltet werden“, beschrieb Michael Thaler vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband die Neuausrichtung. In dem Verfahren zur neuen Ausbildungsordnung wird angestrebt, die Prüfung zu ändern, so dass bereits die heutige Zwischenprüfung zur Abschlussprüfung zählt.

Die Veränderungen seien dringend notwendig, schließlich stamme die letzte Neuordnung aus dem Jahr 1997 als die Digitalisierung der Arbeits- und Lebenswelt noch ganz am Anfang stand. Einige Inhalte seien überholt und nicht mehr zeitgemäß. „Ziel ist es, die Lernfelder stärker auf die Unternehmensrealität und Kundenberatung zuzuschneiden“, führte Thaler aus. Viele Sparkassen seien hier schon gut unterwegs, unabhängig vom Neuordungsverfahren des Berufsbilds so der DSGV-Experte.

Parallel wird in dem gerade gestarteten bundesweiten DSGV Projekt „Bankausbildung 2020“ von Praktikern und Experten aus Sparkassen, Landesbanken und Verbundpartner Hand in Hand ein integratives und gleichzeitig modulares Ausbildungskonzept erarbeitet. Dies bedeutet für 2019 einen Kraftakt mit einer geplanten „Man- und Womanpower“ von insgesamt 1200 Personentage zur Erarbeitung von pädagogisch-organisatorischen Konzepten zur Umsetzung des neugeordneten Berufsbildes für verschiedene Zielgruppen, für Ideen und Handreichungen für ein nachhaltiges Talent- und Bindungsmanagement sowie vielfältige Unterstützungsangebote durch die Akademien und den Deutschen Sparkassenverlag (DSV).

 
Mit Schwung voran: Fotos von der Auftaktveranstaltung Bankausbildung 2020. © DSGV

Ergänzend arbeitet die Finanz Informatik (FI) an der Bereitstellung einer technischen Infrastrukturlösung, um ein zeitgemäßes Ausbildungsmanagement in den Sparkassen zu ermöglichen. „Im Sinne der Nachwuchskräfte und Sparkassen wollen wir mit unseren Konzepten und Lösungen aus dem Projekt eine innovative, digitale und vielfältige betriebliche Ausbildung vor Ort in den 385 Instituten unterstützen, die eine gute Basis für eine stärkenorientierte berufliche Entwicklung und Karriere schafft“, bekräftigt Bildungsfachmann Thaler vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband.