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So geht Karriere im Immobiliensektor

Deutschlands Immobilienmärkte wachsen rasant. Damit steigt der Nachwuchsbedarf in Sparkassen, Landesbanken und den zahlreichen Maklerhäusern, Fonds- und Wohnungsgesellschaften des Verbunds. Zum Aufstieg führen Königs- und Seitenwege.

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Seit mehr als 15 Jahren boomen die Immobilienmärkte in Deutschland. Institutionelle Investoren wie Family Offices, Pensionskassen, Versicherungen und Vorsorgewerke aus dem In- und Ausland legen Jahr für Jahr höhere Milliardenbeträge in Wohnungen, Bürotürme, Einkaufs- und Logistikzentren an.

Das ständig steigende Transaktionsgeschäft beruht vor allem auf einem Strategiewechsel der Investoren, der um die Jahrtausendwende begann. „Zuvor hatten Fonds und Vorsorgeeinrichtungen fast ausschließlich nach der Methode Buy and hold agiert“, erklärt Stefan Mitropoulos, Immobilienanalyst der Landesbank Hessen Thüringen (Helaba). Einmal erworbene Objekte wurden für Jahrzehnte im Portfolio behalten und einfach fortlaufend weiter vermietet.

 
Innenstadtlage von München - besonders in Süddeutschland ist der Immobilienmarkt seit Jahren in Bewegung. © dpa
„Seit nunmehr 18 Jahren gehen Investoren jedoch mehr und mehr dazu über, durch aktives Immobilienmanagement Mehrwert zu generieren“, sagt Mitropoulos. Liegenschaften werden erworben, modernisiert und repositioniert, um sie anschließend zu einem höheren Preis wieder zu veräußern. „Das Geschehen an den Immobilienmärkten ist in den vergangenen Jahren sehr viel dynamischer geworden“, sagt der Helaba-Experte.

Damit ist auch der Personalbedarf in der Branche massiv gestiegen. „Die Zahl der Finanzierungsspezialisten, Bewerter, Asset Manager und Vermietungsexperten ist heute deutlich höher als vor zehn Jahren“, sagt Günter Vornholz, Leiter Marktanalyse beim Gewerbeimmobilienfinanzierer Deutsche Hypo und Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum. „Viele ältere Beschäftigte in der Branche gehen demnächst in den Ruhestand“, sagt Vornholz. „Das eröffnet jungen Menschen, die jetzt eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann oder ein Studium der Immobilienwirtschaft beginnen, vielfältige Karrierechancen.“

 
Deutsche-Hypo-Experte Günter Vornholz: „Königsweg zum schnellen Aufstieg führt über eine duale Ausbildung.“

Gerade auch bei den Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe. Allein die Helaba sei nicht nur einer der bedeutenden Kreditgeber am Markt. Über die Helaba-Wohnungsgesellschaft GWH vermiete sie auch rund 50 000 Wohnungen, und ihr Projektentwickler OFB errichte seit mehr als 50 Jahren neue Wohnungen, Bürogebäude, Geschäftsfhäuser und Businessparks, sagt Helaba-Analyst Mitropoulos.

Gewerbeimmobilienfinanzierer wie die Berlin Hyp und die Deutsche Hypo reichen Jahr für Jahr Milliardenbeträge an Krediten an Investoren aus. Landesbanken sind nicht nur als Finanzierer, sondern auch als Bestandhalter und Asset Manager aktiv. Die Real I.S., eine Tochter der Bayerischen Landesbank, zählt mit einem verwalteten Immobilienvermögen im Wert von rund sieben Milliarden Euro zu den führenden deutschen Anbietern von Immobilienfonds für private und institutionelle Investoren.

Die Sparkassen und Landesbausparkassen wiederum bilden zusammen mit den Genossenschaftsbanken das Rückgrat bei der Finanzierung von Miet- und Eigentumswohnungen sowie Eigenheimen nicht nur in großen, sondern insbesondere auch mittleren und kleinen Städten. Dadurch haben sie wesentlich dazu beigetragen, dass die Zahl der Wohnungen in Deutschland in den vergangenen 28 Jahren um fast ein Viertel gestiegen ist. Zählte das Statistische Bundesamt 1990 noch 33,8 Millionen Wohnungen zwischen Aachen und Görlitz, wurde Ende vergangenen Jahres ein Gesamtbestand von 41,97 Millionen Einheiten ermittelt. Deutsche-Hypo-Experte Vornholz sagt: „Mit der steigenden Zahl der Wohnungen ist in den vergangenen Jahren nicht nur der Personalbedarf in den Kreditabteilungen bei finanzierenden Geldhäusern gestiegen, sondern auch bei zahlreichen Wohnungsunternehmen selbst.“

Kreditberater, Makler und Asset Manager auch künftig gesucht

Banken, Sparkassen und Immobiliengesellschaften versuchen, mithilfe digitaler Techniken Verfahrensabläufe zu automatisieren und zu beschleunigen. „Nicht jedes Berufsbild, das es heute noch in der Branche gibt, wird deshalb auch morgen noch bestehen“, sagt Helaba-Analyst Mitropoulos. „Einfache Sachbearbeiter-Tätigkeiten in den Back-Office-Bereichen werden durch neue Computertechnologien ersetzt werden“, bestätigt Immobilienökonom Vornholz: „Auszubildende, die eine Karriere in der Branche anstreben, sollten sich deshalb auf Bereiche mit anspruchsvollen Tätigkeiten fokussieren, die nicht automatisiert werden können.“ Dazu zählten Kreditberater, Makler, Asset Manager, Sachverständige und Bewerter sowie Immobilienexperten mit digitalen Kenntnissen.

„Ein duales Studium ist der Königsweg für einen schnellen Aufstieg in der Immobilienbranche“, sagt EBZ-Professor Vornholz. „Wer zeigt, dass er die Anforderungen von Beruf und Studium gleichzeitig bewältigen kann, qualifiziert sich für eine Karriere im oberen Management.“ Dazu sei jedoch „Leistungsbereitschaft unerlässlich“, sagt Vornholz. „Wer neben der Arbeit noch ein zwei- oder dreijähriges Studium absolvieren will, muss sich bewußt sein, dass es in dieser Zeit kaum Urlaub und kaum Freizeit an den Wochenenden geben wird.“ Für eine Karriere im mittleren Management reiche ein zweijähriges Studium mit einem Bachelor-Abschluss. „Wer eine große Karriere machen will, kommt jedoch um einen anschließenden Masterstudiengang in Real Estate nicht herum“, sagt Vornholz.

Bei den Sparkassen können Berufseinsteiger wählen, ob sie direkt eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau oder Immobilienkaufmann beginnen wollen oder sich zunächst zur Bankkauffrau oder Bankkaufmann ausbilden lassen. In letzterem Fall können sie sich danach zum Sparkassenfach- oder -betriebswirt fortbilden und anschließend in den Fachbereichen Baufinanzierung und Immobilien weiterbilden. Auf diese Weise stehen ihnen im weiteren Verlauf ihres Berufslebens Beschäftigungsmöglichkeiten sowohl in der Finanz- wie der Immobilienwirtschaft offen.

Die meisten der rund 90 Immobilienspezialisten der Haspa seien diesen Weg gegangen, sagt Matthies Saecker, Leiter Talentmanagement der Hamburger Sparkasse. „Bei ihnen handelt es sich um langjährige Mitarbeiter, die nach Erfahrungen in der Kundenberatung in den Immobilienbereich wechselten, weil sie eine Affinität zum Themenkreis Bauen und Wohnen haben.“

Eine ausführliche Fassung dieses Artikels ist für die März-Printausgabe der SparkassenZeitung geplant.