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| Bildungspolitik

Tatkräftig gegen den Trend

Die gute Nachricht: In der Ausbildung ist die Zufriedenheit hoch. Die schlechte Nachricht: Danach nimmt sie drastisch ab.

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Das sind, aufs Gröbste zusammengefasst, die Ergebnisse der „Retentionstudie“, durchgeführt vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband und der Hochschule für Technik Stuttgart. An dem qualitativen Forschungsprojekt zur Mitarbeiterbindung haben aus insgesamt 129 Sparkassen 1873 Azubis und 1053 junge Mitarbeiter (in den ersten drei Jahren nach dem Abschluss ihrer Ausbildung) teilgenommen.

Die breit angelegte Studie wird im Laufe der nächsten Monate aufbereitet und veröffentlicht. Erste Einblicke gewährte der Wirtschaftspsychologe Prof. Patrick Müller im Themenforum Personal bei der Vorständetagung „Märkte und Strategien“ in Berlin.

Zahl der Bewerbungen hat sich fast halbiert

In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Bewerbungen bei den deutschen Sparkassen fast halbiert. Besonders schwer scheint vielen Häusern zu fallen, junge Leute nach der Ausbildung bei der Stange zu halten. Die Retentionstudie zeigt: Knapp 80 Prozent der Azubis sind mit der Ausbildung zufrieden. Immerhin 66 Prozent fühlen sich „sehr gut“ auf die Arbeit im Vertrieb, aber nur 40 Prozent auch auf die Arbeit in internen Abteilungen vorbereitet.

„Meine Sparkasse beschäftigt sich viel mit dem Thema Digitalisierung“, bestätigen 80 Prozent der Azubis. Rund 64 Prozent halten sie auch für ein „innovatives Unternehmen“.

Auffällig ist, dass die Zufriedenheit in vielen Einzelaspekten nach der Ausbildung und während der ersten drei Jahre der Angestelltentätigkeit drastisch sinkt: Aufgaben und Leistungsbeurteilung, Führungsstil und Unternehmenskultur, Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten werden von den jungen Sparkässlern um einiges schlechter beurteilt als von den Auszubildenden. Und während sich die Azubis noch relativ gut für die spätere Arbeit vorbereitet glauben (siehe oben), schätzen die Nachwuchskräfte, die bereits in der Praxis bestehen müssen, diese Vorbereitung merklich magerer ein.

Viele stimmen einfach mit den Füßen ab

Alarmieren sollte, dass die Meinung derjenigen, die womöglich noch schlechtere Noten vergeben hätten, gar nicht in der Retentionstudie auftauchen. Denn diese jungen Leute haben die Sparkasse bereits nach der Ausbildung verlassen, um ein Studium aufzunehmen oder ihre berufliche Laufbahn anderswo einzuschlagen.

Was die Sparkassen-Finanzgruppe tut, um dem negativen Trend entgegenzuwirken, präsentierten Michael Thaler und Sabine Koch, Leiter der Gruppe Personalmanagement und Bildungspolitik beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), den interessierten Vorständen. So ist das Neuordnungsverfahren des Berufsbilds Bankkaufmann – nach nur einem Jahr Vorbereitung – fast abgeschlossen. Derzeit läuft die Rechtsförmlichkeitsprüfung des Bundesjustizministeriums. Zum 1. August 2020 tritt die neue Bankausbildung in Kraft (wir berichteten).

 
Sabine Koch, Karin-Brigitte Göbel, Prof. Patrick Müller und Michael Thaler (von links) im Gespräch mit Besuchern der Vorständetagung „Märkte und Strategien“. © Peter Himsel

Die Ausbildung ist weiterhin generalistischer Natur. Neu sind, vereinfacht gesprochen, die größere Nähe von Ausbildung und Prüfung zur Arbeitspraxis und zur Kundenbeziehung, die stärkere Einbeziehung von digitalen Tools und agilen, projektorientierten Arbeitsweisen. Viele Aspekte der Ausbildung, etwa im Bereich Rechnungswesen oder Auslandsgeschäft, wurden aktualisiert.

Modulare Unterstützungsangebote für die Häuser

Für die Sparkassen hat man im Rahmen des DSGV-Projekts „Bankausbildung 2020“ Lösungen zur Modernisierung der Ausbildung entwickelt. Das neue Angebot ist dabei kein starr vorgegebenes System, sondern eine Art Katalog, aus dem Häuser die für sie passenden Module wählen (wir berichteten). Es erstreckt sich vom Heranführen der jungen Menschen an die Ausbildung (dem „Onboarding“) bis zum Übergang in den Beruf, umfasst Aspekte wie Karriereplanung, Unternehmenskultur und systematisches Feedback und berücksichtigt die Erwartungshaltung der jungen Leute nach einer emotionalen, spielerischen und digitalen Herangehensweise.

Dass reges Interesse an diesen Themen besteht, konnte Karin-Brigitte Göbel, Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf, berichten. Ein Projekttag nach der agilen Arbeitsmethode „Working Out Loud“ war in ihrem Haus auf eine große Zahl an Bewerbungen von Teilnehmern gestoßen. Mit einem gut gemischten Team war man anschließend „in die Bütt“ gegangen und konnte vom Onboarding bis zur Mitarbeiterbindung viele Aspekte neu beleuchten.