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| Was macht... Christian Pinno

Von der Kreisliga nach Tokio

22 Jahre lang war Christian Pinno Mitarbeiter der Sparkasse Osterode am Harz. Seit dem vergangenen Jahr ist er Vollzeit-Trainer – jedoch nicht in Seminarräumen, sondern auf dem Schießstand. Was ist da passiert?

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Der 42-jährige Niedersachse war schon zu einer Zeit begeisterter Sportschütze, als seine Freunde lieber auf dem Bolzplatz tobten. Nahegebracht haben ihm den Schießsport seine Eltern. „Auf dem ersten Foto im Schützenhaus bin ich gerade einmal sechs Monate alt“, sagt er. So wurde die Schützenbrüderschaft Freiheit e. V. in Osterode sein Heimatverein. „Mich hat der Sport von Anfang an fasziniert, denn er verlangt eine ungeheure Konzentration und gleichzeitig Präzision.“

Pinno blieb seiner Leidenschaft treu, als er 1996 in der Sparkasse Osterode am Harz eine Ausbildung begann. Als Kundenberater und für kurze Zeit im Marketing erlebte er seinen Arbeitgeber als verständnisvollen Unterstützer auch seiner sportlichen Ziele – und die fielen nicht eben klein aus. 2001 übernahm er die Trainerfunktion bei der Schützenbrüderschaft, die zu jener Zeit in der Kreisliga antrat. Pinno machte sein Meisterstück: 2007 gelang der Aufstieg in die 2. Bundesliga, seit 2013 ist der Verein Erstligist.

 
Christian Pinnos Meisterstück als Trainer: Mit dem Team der SB Freiheit, seinem Heimatverein, konnte er 2018 die Deutsche Meisterschaft in der Disziplin Luftgewehr feiern. © DSV

Gekrönt wurde der Aufstieg vom Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2018 in der Disziplin Luftgewehr. „Ein unglaubliches Erlebnis“, so Pinno, „das nur möglich wurde, weil wir unseren gemeinsamen Traum nie aus den Augen verloren haben“. Begleitet wurde der Erfolg von der Sparkasse Osterode am Harz, die ihrem „Star“-Trainer die nötigen Freiheiten gab und darüber hinaus als Sponsor auftritt – schon lange vor dem Aufstieg in die Bundesliga. „Das unermüdliche Engagement der Vereinsmitglieder ist vorbildlich und muss einfach honoriert werden“, sagt Vorstandsvorsitzender Thomas Toebe.

So viel Erfolg sorgt für Aufmerksamkeit, auch für den jungen Erfolgstrainer. 2014 trat man an ihn heran, und Pinno wurde Assistenz-Bundestrainer beim Deutschen Schützenbund. Im vergangenen Jahr folgte der nächste Schritt. „Ich erhielt das Angebot, im Schützenbund Niedersachsen hauptamtlicher Landestrainer für das Gewehrschießen zu werden. Das war eine schwierige Entscheidung, denn ich habe bei meiner Sparkasse nicht nur viel Unterstützung erfahren, sondern Wertschätzung und Freundschaft. Am Ende habe ich das Angebot angenommen, was aber keine Entscheidung gegen die Sparkasse, sondern für meinen Sport war.“

Seit einem Jahr ist der Bundesstützpunkt Hannover Pinnos Einsatzfeld, an dem er die Mitglieder der Schützen-Nationalmannschaft trainiert sowie die besten niedersächsischen Sportschützen und einige Jugendliche unter 16 Jahren. Die Vorbereitung auf die kommenden Wettkämpfe ist akribisch. Bei den Weltcups unter anderem in Neu Delhi, Peking und Rio de Janeiro müssen sich die Schützen gleichzeitig für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio qualifizieren.

Besonders stolz ist er darauf, dass mit Jolyn Beer eine Gewehr-Schützin seines Heimatvereins SB Freiheit zur Nationalmannschaft gehört. Die Gewinnerin des Weltcup-Finales 2017 in Neu Delhi hat sich bereits für die nationalen Ausscheidungen qualifiziert und ist für den Traum Olympia schon heute fast jeden Tag zum Training auf dem Schießstand. „Weil ich sie schon so lange kenne, liegt es mir natürlich besonders am Herzen, dass sie es bis nach Tokio schafft“, so Pinno.

„Nur“ geschossen wird im Training übrigens nicht. Es geht unter vielem anderen um die richtige Haltung, um Atemtechnik und um eine trainierte Psyche, „denn ein Wettkampf wird zu mindestens 80 Prozent im Kopf entschieden. Manche Fertigkeiten, die man beim Schießen übt, sind darum auch im normalen Leben hilfreich.“