Anzeige
| Was macht ... Wolfgang Keil am Weinstand?

Zeit für Wein und Ossobuco

49 Jahre lang war Wolfgang Keil seiner Sparkasse Gießen treu, anfangs als Auszubildender, zuletzt als stellvertretender Vorstandschef. Seit 2017 ist er im Ruhestand und genießt die schönen Seiten des Lebens. Wein spielt dabei eine wichtige Rolle.

Anzeige

Wolfgang Keil trinkt nicht nur gerne Wein, er verkauft ihn auch. Die Vorliebe hat auch familiäre Gründe: Seine Ehefrau Eva ist auf einem Weingut im Rheingau groß geworden. Und weil im Weinbau jede helfende Hand gern genommen wird, hilft der 67-Jährige schon mal aus – zuweilen beim Weinverkauf auf Frankfurts Genussmeile, der Fressgass. Wein spielt aber auch sonst eine große Rolle im Leben der Keils: Ihre Reisen führen so oft wie möglich in europäische und deutsche Weinanbaugebiete. „In Weinregionen sind die Menschen einfach bodenständig und freundlich. Das italienische Piemont, Burgund oder die Pfalz, Weinregionen sind einfach immer ein tolles Reiseziel.“

Fast 50 Jahre sind ein langes Sparkassenleben, Keil hat viel zu erzählen. 1968 begann er die Ausbildung bei der Sparkasse Gießen, wurde Sparkassenbetriebswirt und entdeckte schnell den direkten Kundenkontakt für sich. Zunächst als Firmenkundenberater, später als Leiter des Firmenkundenbereichs und Vertriebsvorstand wurde er zu einer prägenden Figur bei der Finanzierung der regionalen Wirtschaft.

Die Jahrzehnte brachten manchen Wandel, mitunter im Widerstreit mit Werten und Gepflogenheiten, für die die Sparkassen stehen. „Die zunehmenden Berichtspflichten waren vielleicht sachlich begründet, haben die persönlichen Beziehungen zwischen Firmeninhabern und den Sparkassenberatern aber immer mehr bürokratisiert. Früher reichte es häufig, dass man sich gut kannte und Vertrauen zu­einander hatte, um eine Kreditlinie zu verlängern. Später wurden immer mehr Formulare nötig. Mancher alteingesessene Firmenkunde war enttäuscht, wenn er für jede Finanzierung seine Bilanzen offen­legen sollte“, sagt Keil.

Die immer neuen Regulierungswellen hält er für verfehlt. „Sparkassen und Volksbanken betreiben nun mal risikoarmes Geschäft, und es ist richtig, dass sich beide Bankengruppen gegen Maßnahmen wehren, für die nur die Geschäftsbanken die richtigen Adressaten sind.“

 
Wolfgang Keil am Weinstand in der Frankfurter Fressgass. © privat

Mit Leidenschaft dabei ist Keil nicht nur in Fragen der Banken­politik, sondern auch am Kochtopf. Fast 140 Kochbücher hat er im Regal, viele zur italienischen Küche. Ossobuco, ein Schmorgericht aus Mailand, hat es ihm besonders angetan. „Die Zubereitung braucht Zeit“, sagt Keil, „die ich früher oft nicht hatte. Umso öfter kommt mein Leibgericht heute auf den Tisch, denn auch unsere Freunde fragen immer wieder danach.“ Dazu gibt es Chianti Classico, Keils Favorit – aber nicht nur. „Deutsche Weine, gerade die roten, sind in den letzten zwei Jahrzehnten immer besser geworden. Die jungen Winzer sind heute hervorragend ausgebildet und keltern immer mehr Spitzenweine, die manchen großen Gewächsen aus den Südländern schon den Rang abgelaufen haben.“

Seit der Rente lässt er es ruhiger angehen, hat einige Ehrenämter abgegeben und konzentriert sich auf die Felder, die ihm besonders am Herzen liegen. „Meine Heimatstadt Gießen ist schön und soll es bleiben. Dafür engagiere ich mich als Schatzmeister im Förderverein Garten-Stadt Gießen.“ Vorrang haben jedoch all die Dinge, die die Keils seit dem Ruhestand wieder zusammen erleben können. „Die Zeit in der Sparkasse war wunderschön, aber auch sehr arbeitsreich. Wir genießen die gemeinsame Zeit darum besonders und lernen uns gerade wieder ganz neu kennen…“