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| Arbeitgebersiegel

Zeugnis setzt Zeichen

Gütesiegel zeichnen die Personalarbeit aus und werben um Nachwuchskräfte. Wie die Institute der Sparkassen-Finanzgruppe im unübersichtlichen Markt der Audits, Rankings und Zertifizierungen die richtigen Schwerpunkte setzen.

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Geburtenschwache Jahrgänge erschweren die Suche nach geeigneten Nachwuchskräften. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Bewerber bei Sparkassen halbiert. Da kann es nicht schaden, sich ein wenig für die Zielgruppe zu schmücken – zum Beispiel mit Siegeln und Zertifikaten, die einen besonders guten Arbeitgeber kennzeichnen sollen. Doch das ist nicht so einfach. Denn zum einen wissen wir nicht, wie viele Hundert Awards und Auszeichnungen in Deutschland überhaupt verfügbar sind – und zum anderen wissen wir nicht, welche Bedeutung sie für potenzielle Bewerber haben. So fasst der unabhängige Personalexperte Marcus Reif die Situation zusammen.

Für Konzept und Vergabe von Arbeitgebersiegeln gibt es weder Normen noch Vorschriften. Die Auszeichnungen werden in zahlreichen Kategorien und nach unterschiedlichen Methoden vergeben – vom einfachen Unterzeichnen einer Selbstverpflichtung bis zum mehrmonatigen Auswahlverfahren, das ein Unternehmen aufwändig durchleuchtet. Die Anbieter von Audits und Gütesiegeln stammen aus Politik oder Wissenschaft, Medienhäusern oder der Unternehmensberatung. Mal verfolgen sie mit ihren Diensten höhere Ziele, mal auch nur kommerzielle Interessen. Im einfachsten Fall, schreibt Wirtschaftsredakteur Christoph Stehr, erstellen Berater aus der Privatwirtschaft, auf welchem Weg auch immer, ein Ranking und verkaufen den gelisteten Unternehmen dann die Nutzung eines Signets.

Die Sparkassen-Finanzgruppe findet sich in diesem unübersichtlichen Markt gut zurecht. Seitens des Fachausschusses Personal gibt es keine Empfehlungen zur Teilnahme an Audits – die Institute entscheiden selbst, wo sie Schwerpunkte setzen wollen, sagt Ute Hennings, beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband zuständig für Personalmanagement und Bildungspolitik.

Fünf Typen lassen sich unterscheiden

Grob lassen sich fünf Typen von Arbeitgeberbewertungen unterscheiden. Da sind zunächst die Image-Studien, die Außenstehende nach ihrem Traumarbeitgeber befragen. Unter diese Rubrik fallen beispielsweise die "Top-Arbeitgeber-Siegel" des Trendence-Instituts, eines Beratungsunternehmens für Personalmarketing. Seit 1999 lässt sich Trendence von Schülern, Studenten und Berufsanfängern die beliebtesten Arbeitgeber nennen.

Auch die Sparkassen-Finanzgruppe gehört zu dieser Gruppe, sie ist innerhalb des Rankings in den vergangenen Jahren allerdings leicht zurückgefallen: Im "Schüler-Barometer" liegt sie jetzt auf Platz 22 von 100 Wunscharbeitgebern – aber immer noch vor allen Konkurrenten aus der Bankenbranche. Die sogenannten "Top-Arbeitgeber-Siegel" des Beratungsunternehmens erwirbt die Sparkassen-Finanzgruppe zentral. Die Institute des Verbunds können sie in der "Kommunikationswelt" des Deutschen Sparkassenverlags kostenlos herunterladen und regional für ihr Personalmarketing verwenden. Die Vorgehensweise von Trendence gilt als seriös, die Befragung von rund 90.000 jungen Menschen jährlich als repräsentativ. Eine sinnvolle Innensicht geben die Image-Studien und ihre Siegel aber natürlich nicht wieder.

Um die sinnvolle Innensicht bemüht sich die zweite Gruppe der Audits, für die Arbeitgeber Informationen und Kennzahlen zur Verfügung stellen und ihre Mitarbeiter befragen lassen. Eine Expertenjury nimmt anschließend die Bewertung vor. Neben der Chance auf ein Zertifikat erhalten die Unternehmen hier meist auch ein ausführliches Feedback für Verbesserungen.

Siegel für Verhaltenskodizes machen den dritten Typus aus. Hier gehen Unternehmen eine Selbstverpflichtung ein, bestimmte Regeln zu befolgen. Die Anbieter überprüfen das Verhalten durch aktive Nachfrage bei der Belegschaft oder durch die Möglichkeit, Verstöße von den Mitarbeitern melden zu lassen. Ein Beispiel für diese Art Siegel ist "Fair Company", das Dekabank, die Deutsche Leasing, die Frankfurter Sparkasse und einige Landesbanken tragen. Sie verpflichten sich damit, Vollzeitstellen nicht durch Praktikanten zu besetzen und Hochschulabsolventen nicht mit einem Praktikum zu vertrösten.

Die vierte Art der Arbeitgeberbewertungen ist im Internet, auf einschlägigen Onlineportalen, zu finden. Hier können – wie bei einer Hotelbewertung – Mitarbeiter ihre Meinung anonym äußern. Die Bewertungen werden zu Durchschnittsnoten aggregiert und auch in Vergleich zu Branchenkonkurrenten gestellt. Kununu ist die derzeit bekannteste Arbeitgeber-Bewertungsplattform im deutschsprachigen Raum mit Informationen zu über 900.000 Arbeitgebern und monatlich über einer Million Unique Usern. Die Personal- oder Kommunikationsabteilungen der Sparkassen haben die online veröffentlichten Mitarbeitermeinungen heutzutage standardmäßig im Blick.

Anspruch trifft auf Wirtschaftlichkeit

Last not least gibt es Auszeichnungen für spezielle Einzelaspekte: Fahrrad- oder Familienfreundlichkeit, Gendergerechtigkeit oder besonderes Bemühen um Vielfalt in der Belegschaft. Das Siegel "Familienfreundlicher Arbeitgeber" der Bertelsmann-Stiftung dürfen sich beispielsweise die Sparkasse Gütersloh, die Kreissparkasse Steinfurt und die Kreissparkasse Bitburg-Prüm ans Revers heften. Bekanntestes Beispiel dieser Kategorie ist jedoch das "Audit Beruf und Familie", das Unternehmen in einem mehrjährigen Prozess dabei unterstützt, Lösungen für eine familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik zu finden. Von der ersten Zertifikatsverleihung im Jahr 1999 bis heute sind 1705 Arbeitgeber mit rund 2,9 Millionen Beschäftigten erfolgreich auditiert worden, darunter rund 50 Sparkassen.

Das Verfahren wird von den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft und der Bundesregierung empfohlen, die sich selbst hat zertifizieren lassen. "Das Audit Beruf und Familie ist das einzige Managementinstrument zur Implementierung einer familienbewussten Personalpolitik, das konsequent auf die passgenaue, individuelle Umsetzung von praktischen Maßnahmen im Unternehmen abzielt und sich dabei an der Unternehmensstrategie orientiert", urteilt das Bundesfamilienministerium auf seiner Homepage. Hier gelinge im Übrigen auch der Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch und gesunder wirtschaftlicher Basis, schreibt Autor Christoph Stehr: Der Initiator, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, lagert die Durchführung des Audits an die Berufundfamilie Service GmbH aus, die Gewinn erwirtschaften darf.