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Arbeitswelt 4.0
Das ABCD-E-Modell
Es bedarf heute eines anderen Führungsstils als in einer statisch-analogen Welt.

In dem Maße, in dem die Digitalisierung in der Finanzbranche Wirklichkeit wird, ist klar: Institute, die innovativ, flexibel und schnell sein wollen, brauchen Vorgesetzte, die ebenso agieren. Nicht nur, um im Wettbewerb um Kunden zu bestehen, sondern – mindestens so wichtig – auch um Mitarbeiter.

Die spannende Frage lautet nicht, ob ein neuer Führungsstil vonnöten ist. Vielmehr ist zu klären, wie dieser aussehen soll. Da werden unterschiedlichste Vorschläge in den Ring geworfen. Chefs sollen achtsam und experimentierfreudig sein, ein „agiles Mindset“ und natürlich unternehmerisches Denken mitbringen.

Zudem wird eine XL-Portion Optimismus gefordert, um die Mannschaft besser zu motivieren als Jürgen Klopp seine Jungs vom FC Liverpool. So zutreffend die genannten Eigenschaften sein mögen, so schwierig ist es, daraus konkrete Fertigkeiten abzuleiten. Doch ein klar definierter Kompetenzkatalog ist unerlässlich für Personalentwicklungsprogramme, Einstellungs- und Beförderungskriterien. Fehlt ein solcher Katalog, wird sich das Führungsverhalten auch nicht ändern.

Deshalb habe ich das ABCD-E-Modell entwickelt. Im Kern besagt es, dass Führungskräfte künftig sehr viel häufiger Rollen einnehmen müssen, die sie bislang nicht oder nur ansatzweise beherrschen mussten.

  • Arzt: Die moderne Führungskraft sollte eine Art einfühlsamer Allgemeinmediziner sein, der aufmerksam zuhört, bevor er eine Diagnose stellt. ► Geforderte Fertigkeiten: Gesprächs-, Frage- und Interventionstechniken.
  • Bestatter: Ganz im Sinne des Agile-Ansatzes ermuntern immer mehr Chefs ihr Team, möglichst viele Ideen zu produzieren. Doch: Nicht alle Vorschläge sind sinnvoll. Man muss also auch etliche Projekte (rechtzeitig) beerdigen. Dafür braucht es Bestatterqualitäten. ► Analyse-, Problemlösungs- und Entscheidungstechniken.
  • Coach: In der Arbeitswelt 4.0 werden von den Mitarbeitern zunehmend mehr Eigenständigkeit, Selbstverantwortung, Kreativität und Problemlösungskompetenz verlangt – Eigenschaften, auf die bislang in vielen Häusern kaum Wert gelegt wurde. So kommt es nun den Führungskräften zu, die Potenziale ihrer Teammitglieder zu erkennen und zu fördern. ► Persönlichkeitsanalyse-, Selbstmanagement- und Feedback-Techniken.
  • Dirigent: Der Anteil an Projektarbeit ist gestiegen und wird weiter zulegen. So wird sich der Abstimmungsbedarf innerhalb von Teams und dem gesamten Haus erhöhen. Chefs müssen als Dirigent dafür sorgen, dass dabei das gemeinsame Gesamtziel nicht aus den Augen verloren wird. ► (Klassische) Projektmanagement-, Moderations- und Konfliktlösungstechniken.
  • Entdecker: Es gibt eine vereinende Eigenschaft, die benötigt wird, damit Führungskräfte die genannten Rollen erfolgreich spielen können: ► Neugier!

Dafür habe ich den Entdecker gewählt, denn der ist aufgeschlossen für Neues, hat Visionen, für die er andere begeistern kann; er besitzt Improvisationstalent, ist bestens organisiert und behält in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf.  Selbstorganisations-, Kreativitäts- und Gelassenheitstechniken. Vorstände und Führungskräfte, die erkennen, wie wichtig diese fünf Rollen sind, werden in der Arbeitswelt 4.0 reüssieren und ihr Institut erfolgreich machen.

Der Autor (unser Bild) lehrt an der FOM Hochschule in Frankfurt. Seinen kostenlosen Selbsttest zum ABCD-E-Modell erhalten Sie, wenn Sie ihm eine E-Mail schicken an: prof@daefler.de

Prof. Martin-Niels Däfler
– 11. März 2020