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Coronakrise / Homeoffice
Mit Spaß durch die Quarantäne
Wie „Heimarbeiter“ trotz Corona die Zeit mit ihren Kindern genießen. Und: Was Beschäftigte und Vorgesetzte über die Arbeit zu Hause wissen sollten.

Kitas und Schulen sind geschlossen, die Sparkassen ordnen Homeoffice an und die Bundeskanzlerin ruft die Menschen zu Social Distancing auf – möglichst wenige soziale Kontakte.

Aber: Marlen Hartwig, Erzieherin der Berliner Kita Prenzlpanther, gibt Tipps, mit denen Sie Abwechslung und Entspannung in den von Covid19 geprägten Alltag bringen – auch über Wochen.

►Kinder lieben Rituale

„Beginnen Sie jeden Tag mit einem Ritual“, empfiehlt Marlen Hartwig. „Das kann ein Lied sein oder eine gemeinsame Tagesplanung. Kinder lieben es, wenn sie einbezogen werden.“ Dieses Ritual müsse nicht ausschließlich morgens stattfinden. Der Mittag oder Abend seien ebenso gute Zeitpunkte.

►Lesen verbindet

Wenn es zum Tagesablauf der Eltern gehört, morgens die Zeitung zu lesen, sollten sie das auch beibehalten. „Sie können den Kindern aus Artikeln vorlesen oder ihnen ein Kinderbuch geben“, rät die Erzieherin. „So sind alle beschäftigt und können den Tag gemeinsam entspannt starten.“

►Homeoffice – für alle

Natürlich kann es zur Herausforderung werden, wenn Eltern zu Hause arbeiten und dabei die Kinder betreuen müssen. „Das eine lässt sich mit dem anderen verbinden", sagt Hartwig. „Stellen Sie den Kindern einen Spieltisch mit ein paar Blättern Papier, Bastelsachen und Bilderbüchern neben Ihren Arbeitstisch – und schon sind sie für eine Weile beschäftigt.“

Kinder kreativ in den ungewohnten „Homeoffice-Alltag“ einbinden.

►Kleine Pause zwischendurch? Snacks gestalten

Kinder lieben buntes Essen. Und sie freuen sich, wenn sie ihren Eltern helfen können, zum Beispiel beim Brote streichen oder Zubereiten von Obst. „Die Eltern schneiden Äpfel, Bananen und andere Früchte in Stücke. Die Kinder gestalten damit auf Tellern Gesichter, Sonnen oder andere Motive. So macht das Essen doppelt Spaß.“ Das funktioniert auch beim Kochen mittags oder abends.

►Hausarbeiten – gemeinsam erledigen

Wäsche waschen und trocknen, Küche und Bad putzen, Staub wischen – das alles kann auch in der Quarantäne nicht warten. „Aber unsere Kinder können uns viel besser unterstützen, als wir denken“, erklärt Marlen Hartwig.

„Sie können mit den Eltern die Wäsche zusammenlegen oder mit einem feuchten Lappen etwas abwischen. Das schaffen sie auch schon alleine. Wie gesagt: Es muss nicht immer alles perfekt sein.“

Diese und weitere Tipps finden Sie auf sparkasse.de

 

Erfolgsregeln der Homeoffice-Arbeit

Der richtige Umgang mit den Kindern ist das eine. Die häufig ungewohnte Arbeit mit den Kollegen das andere. Die Sparkassen haben viele Möglichkeiten, New-Work-Modelle mitarbeiterfreundlich zu gestalten. Hartmut Hahn, Mitgründer der Software-Adoption-Plattform Userlane, nennt Erfolgsregeln.

►Technik muss funktionieren, nicht frustrieren

Wer hat es in den letzten Tagen nicht erlebt: Eine Web-Konferenz wird einberufen und mindestens ein Kollege oder eine Kollegin kommt zu spät, weil bei ihm oder ihr die Technik nicht funktionierte. Das kostet Produktivität und kratzt an der Stimmung.

Technik muss funktionieren, nicht frustrieren: Der Arbeitgeber sollte seine Mitarbeiter bei der Nutzung technischer Anwendungen unterstützen, wenn es sein muss, mit sehr viel Geduld.

Wenn Technik nicht funktioniert oder für den Einzelnen nur schwer bedienbar ist, darf das Unternehmen nicht mit dem Finger auf die eigene IT-Abteilung zeigen. Diese ist ohnehin überlastet durch die Flut an Support-Anfragen, die bei Mitarbeitern im Homeoffice auftreten, weil sie ihre Kollegen nicht mehr unmittelbar um Hilfe fragen können.

In Krisenzeiten wie diesen ist es Aufgabe der Geschäftsleitung, alles dafür zu tun, dass Software den Mitarbeitern das Leben erleichtert – und es ihnen nicht zusätzlich erschwert. Jedem Mitarbeiter muss die Hilfestellung zuteil werden, die er braucht, um seine neue Rolle zu bewältigen, notfalls auch mehrfach.

►Alltag einteilen

Aufstehen, anziehen und dann am heimischen PC arbeiten – wer glaubt, dass Homeoffice so funktioniert, springt zu kurz. Viele Mitarbeiter sind damit überfordert, wenn sie ihren Alltag plötzlich selbst strukturieren müssen.

Sie brauchen weiterhin feste Rituale, an denen sie sich orientieren können. Das kann das täglich Elf-Uhr-Web-Meeting im Marketing sein oder der wöchentliche 17-Uhr-Call im Vertrieb. Regelmäßige verbindliche Termine sorgen weiterhin für Struktur im Arbeitsalltag und ein Gefühl des Miteinanders.

►Soziale Distanz überbrücken

Stellen Sie sich einmal vor: Was wäre heute in Ihrer Kaffeeküche los, wenn nicht alle Mitarbeiter im Homeoffice wären? Die Leute würden die neuesten Corona-Berichte austauschen, Zukunftsängste diskutieren oder einfach nur Witze machen.

Diese Kultur gilt es auch über Remote-Beziehungen aufrechtzuerhalten. Immer mehr Unternehmen führen daher virtuelle soziale Events wie eine morgendliche Kaffeepause oder eine After-Work-Hour ein, in der sich Mitarbeiter per Web-Meeting bei einer Tasse Kaffee oder einem Glas Wein privat untereinander austauschen können.

Eine Pause für ein paar nette private Worte mit den Kollegen hilft, die soziale Distanz zu überbrücken.

Auch ein eigener Whatsapp-Kanal für Inhalte, die nicht Business-relevant sind, hilft dabei, auch im Homeoffice mit den Kollegen informell in Kontakt zu kommen.

►Transparenz schaffen

Wenn Mitarbeiter sich mitgenommen fühlen sollen, müssen sie auch mitgenommen werden. Klingt abgedroschen, wird in Krisenzeiten wie diesen aber gerne vergessen. Dabei gibt es genau jetzt hohe Unsicherheiten in der Belegschaft. Viele Mitarbeiter sind besorgt, wie es mit ihren Jobs weitergeht.

Ein Weg, solchen Fragen zu begegnen, sind kurze, virtuelle Lunch-Briefings, in denen die Geschäftsleitung nahbar wird und den aktuellen Stand der Lage erläutert. Hier sollte auch Platz sein für Kritik und Anregungen der Mitarbeiter, wie sich die gegenwärtige Situation vielleicht optimieren lässt.

►Ziele vorgeben

Das größte Problem der Mitarbeiter im Homeoffice ist der verspürte Rechtfertigungsdruck, dass sie ihre Arbeitszeit nicht beim Bingewatching vor Netflix, sondern tatsächlich im Dienste des Unternehmens verbracht haben. Hier hilft es, Ziele und Deadlines konkreter als sonst zu definieren, um Mitarbeitern mehr Struktur zu geben.

Dies bedeutet nicht, den Tag im 15-Minuten-Takt zu micromanagen, sondern sicherzustellen, dass jeder transparent weiß, was erreicht werden soll. Wer seine Vorgaben kennt und erreicht, kann dann auch schon um 17 Uhr das erste Feierabendbierchen öffnen, obwohl die Regelarbeitszeit den Dienstschluss um 18 Uhr vorsieht – oder tagsüber mehr Zeit mit den Kindern verbringen und die Arbeit am Abend nachholen.

►Kommunikation strukturieren

Natürlich ist Kommunikation wichtig. Sie kann aber auch zum Produktivitätskiller werden. Wenn E-Mail-Eingang, Whatsapp und Linkedin permanent Aufmerksamkeit fordern, ist ein Arbeitstag schnell vorbei – und die Arbeit noch immer nicht getan. Hier helfen verbindliche Zeiten, wann beispielsweise E-Mail-Accounts geöffnet werden sollten, den Mitarbeitern dabei, sich auf ihre Arbeit zu fokussieren.

►Langfristig planen

Zu Beginn der Coronakrise haben wohl alle Unternehmen gehofft, diese Situation werde in wenigen Tagen bis Wochen wieder vorbei sein. Doch wer nur einen Plan für zwei oder fünf Wochen entwickelt und die Mitarbeiter darauf einschwört, sorgt für Frustration und Verzweiflung, wenn die Krise länger dauert.

Unternehmen müssen eine Vision entwickeln, wie Remote Work auch langfristig funktionieren kann. Sie müssen es schaffen, bei den Mitarbeitern trotz räumlicher Distanz ein Wir-Gefühl zu entwickeln, in dem die Krise nicht als Gefahr, sondern als Chance für neues Denken verstanden wird. Das setzt ungeahnte kreative Kräfte frei – und davon profitieren letzten Endes alle: die Mitarbeiter und das Unternehmen.

Hier geht es zu einem Seminarangebot des Beraters Jürgen Weimann zur "Herausforderung Homeoffice", das sich speziell an Sparkassen richtet. Die Teilnahme ist kostenfrei. 

 

Hier geht es zu weiteren Artikeln der SparkassenZeitung zum Umgang der Sparkassen mit der Coronakrise.

2. April 2020