Zurück
Naturkatastrophe (wird aktualisiert)
Extremwetter trifft viele Sparkassen hart
Nach Starkregen und Hochwasser herrscht in mehreren Bundesländern Ausnahmesituation. Bundesweit sind 34 Sparkassen von der Flutkatastrophe betroffen, etwa 70 Geschäftsstellen wurden zerstört oder stark beschädigt.

Die Sparkasse Ahrweiler teilt mit, wegen Hochwassers müssten einige Geschäftsstellen nach wie vor geschlossen bleiben, die Bestandsaufnahme laufe noch. „Unzählige Orte, Menschen, Betriebe sowie Infrastruktur“ seien betroffen, heißt es auf der Internetseite des Instituts.

Das Ausmaß der Katastrophe werde sich erst in einigen Wochen zeigen. Die Bargeldversorgung sei dank sechs geöffneter Geschäftsstellen immer gesichert gewesen. Um in Not Geratenen schnell zu helfen, hat die Kreissparkasse ein Sonderkreditprogramm Unwetter eingerichtet. 

Die Kreissparkasse Bitburg-Prüm berichtet über „eine Unwetterkatastrophe mit dramatischen Folgen, erhebliche materielle Schäden und persönliches Leid“ im Eifelkreis. Mehrere Filialen des Instituts seien betroffen, vor allem die Geschäftsstelle in Neuerburg, die für mehrere Monate geschlossen bleiben müsse.

In der Filiale Neuerburg standen der gesamte Keller und ein Teil des Erdgeschosses unter Wasser. In den derzeit nicht nutzbaren SB-Filialen in Bollendorf und in Bettingen seien Geldautomaten und Terminals von den Wassermassen zerstört worden. In der SB-Filiale Mettendorf sei das Kellergeschoss vollgelaufen.

 

Die Filiale Neuerburg der Kreissparkasse Bitburg-Prüm muss nach Hochwasserschäden für mehrere Monate schließen. Eine Mobile Filiale ersetzt den Standort.
Unbenutzbares SB-Foyer der Filiale Neuerburg. Das Hochwasser überflutete den Keller und Teile des Erdgeschosses.

Die Kreissparkasse Bitburg-Prüm setzt in Neuerburg ihre Mobile Filiale zu den üblichen Öffnungszeiten ein, um bis zur Einrichtung eines Übergangsquartiers Beratung und Service anbieten zu können. Die Bargeldversorgung im Kreis sei über das intakte Filial- und Geldautomatennetz der Sparkasse gesichert.

Vorstandschef Ingolf Bermes: „Wir werden und wir müssen helfen!“

Ingolf Bermes, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Bitburg-Prüm: „Wir werden und wir müssen helfen! Als kommunal verankertes Kreditinstitut übernehmen wir für die Region und die Menschen Verantwortung. Dies gehört zu unserem Selbstverständnis.“ 

Die Kreissparkasse Bitburg-Prüm bietet zusammen mit den regionalen Volks- und Raiffeisenbanken ein Sonderkreditprogramm mit einem symbolischen Zinssatz von 0,01 Prozent und einem Kredithöchstbetrag von 25.000 Euro für Hochwassergeschädigte an.

Die regionalen Kreditinstitute des Eifelkreises spenden dem Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes Bitburg-Prüm insgesamt 150.000 Euro. Die Kreissparkasse übernimmt 75.000 Euro, die drei im Kreis ansässigen Volks- und Raiffeisenbanken spenden gemeinsam ebenfalls 75.000 Euro.

Zurzeit steht das Beratungspersonal der Kreissparkasse mit vielen betroffenen Firmen- und Privatkunden in Kontakt, um gemeinsam mit der Provinzial Versicherungsleistungen und weiteren Schritte zum Wiederaufbau auf den Weg zu bringen.

Filialdirektion in Gerolstein muss vorerst schließen

Die Kreissparkasse Vulkaneifel bietet ebenfalls ein Sonderkreditprogramm und teilt auf ihrer Homepage mit, die Filialdirektion in Gerolstein müsse bis auf Weiteres komplett geschlossen bleiben. Alle Filialen, SB-Einrichtungen und Geldautomaten waren am 20. Juli wieder in Betrieb. Pressesprecher Alois Manstein sagt, der zentrale Telekom-Verteiler für die Region sei gestört gewesen, doch seien Telefonverbindungen jetzt wieder möglich.

Die Sparkasse Mittelmosel Eifel Mosel Hunsrück hat am 19. Juli alle Filialen wieder öffnen können. Zuvor mussten zwei Filialen wegen des Hochwassers vorübergehend geschlossen bleiben.

In Nordrhein-Westfalen entspannt sich die Lage an manchen Orten

Die Stadtsparkasse Wuppertal informiert, wegen extremer Regenfälle sei es in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli stadtweit zu Überschwemmungen und Stromausfällen gekommen. Davon waren zunächst 18 Filialstandorte betroffen, am Montag, 19. Juli, waren noch 15 Standorte geschlossen.

Die Sparkasse hat ein Kredithilfsprogramm von 25 Millionen Euro für die Flutopfer aufgelegt. Die Gemeinschaftsstiftung für Wuppertal hat ein Spendenkonto für die Betroffenen des Wuppertaler Hochwassers eingerichtet, die Stadtsparkasse hat 100.000 Euro gespendet.

Etwa 2000 Spendenwillige sind bereits dem Hilfeaufruf der Stiftung über gut fuer wuppertal.de und über das Spendenkonto gefolgt. Mehr als 350.000 Euro sind nach Angaben der Sparkasse bereits zusammengekommen. Der in Wuppertal ansässige Bayer-Konzern habe eine Spende in Höhe von 50.000 Euro an die Gemeinschaftsstiftung zugesagt.

Wölfges: Spenden zeigen Solidarität der Stadtgemeinschaft

„Das ist ein großes Zeichen der Solidarität, das uns zu einer starken Stadtgemeinschaft macht”, sagt Gunther Wölfges, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse und der Gemeinschaftsstiftung für Wuppertal, und dankte allen Spendern.

Am 20. Juli hat sich die Hochwasserlage in Wuppertal entspannt, 24 von 34 Filialen der Stadtsparkasse waren wieder geöffnet. Neun kleinere Standorte sind pandemiebedingt weiterhin geschlossen, wann die vom Hochwasser überflutete Filiale Unterbarmen wieder öffnen kann, ist noch nicht absehbar. Für die Zeit der Notschließung hat die Kreissparkasse die Öffnungszeiten einer nahegelegenen Filiale erweitert. 

Das Wasser der Wupper steht im Schließfachraum der Stadtsparkasse Wuppertal.

 

Die Kreissparkasse Euskirchen berichtet auf ihrer Homepage von vielen stark betroffenen Standorten: „Derzeit sind wir noch in der Bestandsaufnahme, versuchen aber gleichzeitig die Grundversorgung unserer Bevölkerung mit Bankdienstleistungen sicherzustellen und sukzessive wiederaufzubauen“, teilt die Sparkasse mit, veröffentlicht die Nummern von Spendenkonten und bietet eine Online-Anfrage für den Sofortkredit Flutkatastrophe bis 50.000 Euro an.

Das ungeheure Ausmaß der Verwüstung lässt die Sparkassen im Rheinland zusammenrücken. Die Sparkasse KölnBonn hat der Kreissparkasse Euskirchen Unterstützung angeboten und eine Mobile Filiale zur Verfügung gestellt. Am 23. Juli wird die Filiale im Eifelort Kall unter anderem Bargeldservices anbieten und danach auch an anderen Orten eingesetzt.

Ulrich Voigt, Vorstandschef der Sparkasse KölnBonn: „Solidarität ist ein Grundgedanke in der Sparkassenwelt. Wir stellen für die Geldversorgung gerne unseren Sparkassenbus zur Verfügung, der sonst in Köln im Einsatz ist.“ Sobald sich die Lage entspanne, werde der Bus wieder wie üblich Kölner Haltepunkte ansteuern.

Udo Becker, Vorstandschef der Kreissparkasse Euskirchen, dankte dem Nachbarinstitut für die tatkräftige Hilfsbereitschaft. In der Mobilen Filiale werde auch Personal der Kreissparkasse Euskirchen den Kunden für Service und Beratung zur Verfügung stehen.

Die Sparkasse Essen meldet, dass die Filiale in Kupferdreh am 28. Juli voraussichtlich wieder öffnen könne. In der Pressemitteilung vom 22. Juli heißt es, das SB-Foyer sei bereits wieder nutzbar. Wegen überfluteter Kellerräume sei die Stromversorgung unterbrochen gewesen, auch die Behebung baulicher Schäden werde noch etwas dauern, Schließfachkunden werden kontaktiert. Die Sparkasse hat unter www.gut-fuer-essen.de/spendenaktion eine Hochwasserhilfe ins Leben gerufen und 50.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Die Stadtsparkasse Düsseldorf hat ebenfalls eine Soforthilfe für Hochwassergeschädigte gestartet. Betroffene werden mit zinslosen Sonderkrediten in Höhe von bis zu 75.000 Euro unterstützt: „Wir werden unseren Teil dazu beitragen, den in Not geratenen Menschen in der Region Düsseldorf zu helfen und stehen ihnen finanziell zur Seite“, sagte Vorstandschefin Karin-Brigitte Göbel. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller begrüßte „ausdrücklich das Angebot der Stadtsparkasse Düsseldorf, das einmal mehr unterstreicht, dass die Solidarität in der Düsseldorfer Stadtgesellschaft riesengroß ist“.

In der Sparkasse Hagen Herdecke – in der sehr stark getroffenen Region waren einige Stadtteile vorübergehend abgeschnitten und ohne Stromversorgung – kann der Betrieb in den personenbesetzten Filialen weiterlaufen, lediglich in einigen SB-Filialen gebe es noch Wasserschäden und Stromausfälle, sagt Pressesprecher Thorsten Irmer. 

Altena: Alle Filialen wieder geöffnet

Die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis konnte laut Pressesprecher Tomislav Majic ihre Hauptgeschäftsstellen in Altena und Balve wegen der mit Wasser vollgelaufenen Keller am 15. Juli nicht öffnen. In Balve wurde am Tag darauf noch Wasser abgepumpt, die Mitarbeiter waren weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar.

Die Geschäftsstelle Altena war am Freitag, 16. Juli, zwar wieder betriebsbereit, die Lage in der Stadt aber kritisch. Die Filiale am Markaner war vorübergehend nicht erreichbar. Nach einer Bestands- und Schadenaufnahme konnten alle Geschäftsstellen am 16. Juli, wieder geöffnet werden.

In der nah am Fluss Lenne gelegenen Hauptstelle in Altena kenne man die Hochwassersituation, technische Einrichtungen oder Schließfächer seien daher nicht beschädigt. In Balve gebe es zwar Technikausfälle, aber ebenfalls keine Schäden in den Schließfachräumen, so Majic.

 

Hochwasser im nordrhein-westfälischen Altena. Dass die Lenne hier gelegentlich über die Ufer tritt, ist man zwar gewohnt, doch die derzeitige Lage ist beispiellos. Die Hauptstelle der Sparkasse im Märkischen Kreis (links) war vorübergehend geschlossen, es gibt aber keine Schäden an Technik und Schließfächern.

Finanz Informatik misst Strom- und Netzwerkanbindungen

Die Finanz Informatik (FI) misst laufend die Strom- und Netzwerkanbindung der Sparkassensysteme. Laut FI-Informationen waren am 23. Juli im Bundesgebiet 34 Sparkassen von Extremwetter betroffen, am schwersten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. In diesen Häusern waren am 16. Juli 68 Filialen offline. Am Tag zuvor waren  etwa 360 von insgesamt 1352 SB-Geräten der betroffenen Häuser inaktiv.

FI-Pressesprecher Florian Schleicher erläutert: „Wir messen das anhand der Verfügbarkeit der Systeme. Wir haben aber keine Informationen darüber, wie viele Geschäftsstellen wegen der Wetterbedingungen oder aus anderen Gründen geschlossen bleiben, obwohl die Systeme funktionieren.“

 

Anwohner im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler stehen auf den Trümmern ihres Hauses. Das Ausmaß der Katastrophe werde sich erst in den nächsten Tagen und Wochen zeigen, teilt die örtliche Sparkasse mit.

 

Hochwasser in der zurzeit geschlossenen Geilenkirchener Filiale der Kreissparkasse Heinsberg im westlichen Nordrhein-Westfalen.

 

Die Starkregenfälle führten im Geschäftsgebiet der Kreissparkasse Heinsberg zu Überschwemmungen, die Filiale in Geilenkirchen ist bis auf Weiteres geschlossen.
Christoph Becker (Foto: dpa)
– 21. Juli 2021