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Was macht ... Bernd Fieseler
Eine ereignisreiche Dekade
Zehn Jahre lang, von 2001 bis 2011, war Bernd Fieseler im Deutschen Sparkassen- und Giroverband verantwortlich für Betriebsstrategien, Kartengeschäft und Risikomanagement. Heute steuert er Oldtimer.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) war gerade von Bonn in die neue Bundeshauptstadt Berlin umgezogen, als der damals 41-jährige Finanzexperte Geschäftsführendes Vorstandsmitglied wurde. Doch zum gemächlichen Hineinschnuppern in die neuen Aufgabenfelder war keine Zeit.

„Durch den Wegfall von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung ergab sich die Notwendigkeit zu einem betriebswirtschaftlicheren Strategie-Fokus. Es war eine Herausforderung, aber auch eine Ehre für mich, bei diesem Wandel von Anfang an mit dabei gewesen zu sein“, erinnert er sich.

2001 stand auch gleich der Roll-out von Basel II mit der Einführung der neuen Rating-Verfahren auf dem Terminplan. „In der Folge haben wir, damals noch gegen erhebliche Widerstände, die S Rating- und Risikosysteme gegründet, um dauerhaft die einheitlichen Systeme und Abläufe für das Risikomanagement und die Gesamtbanksteuerung abzusichern.“

„Die Arbeit für die Sparkassen hat mir immer viel Freude gemacht“, sagt Bernd Fieseler, der sich noch heute mit der Sparkassenidee verbunden fühlt.

Die heute so viel besprochene Digitalisierung gab es vor 20 Jahren auch schon, nur lag sie da noch in den Anfängen. Auch hier waren Interessen und Vorstellungen unter einen Hut zu bringen, etwa bei dem Ausbau von „Sparkasse.de“. „Das war zeitweilig echte Kärrnerarbeit“, berichtet Fieseler.

Besonders stark befasst war er mit den vielen Neuerungen rund um das Kartengeschäft. „Discounter und Supermarktketten mussten erst von den Vorteilen der Kartenzahlung überzeugt werden.“ Dabei wurden Grundlagen geschaffen, die heute noch tragen: „Die damals neue Girocard war der Grundstein für das kontaktlose und mobile Bezahlen, wie wir es heute kennen. Und auch die Konsolidierung der Kartenindustrie war erfolgreich und brachte den Sparkassen inzwischen hohe Erträge ein.“ 

Jahreswende forderte Umprogrammierung

In Fieselers „Amtszeit“ fiel zudem die Euro-Bargeldeinführung. „Das alles verlief aber letztlich recht reibungslos. Eher erinnere ich mich an das Jahr-2010-Problem. Zur Jahreswende auf 2010 funktionierten plötzlich ein Drittel aller Girokarten nicht mehr und mussten kurzfristig umprogrammiert werden.“ 

Dazwischen lag die Finanzkrise, mit all ihren Verwerfungen auch im Landesbankensektor. „Damals ging es darum, dass die Sparkassen in Haftung für Privatbanken genommen werden sollten“, blickt er zurück. „Der damalige DSGV-Präsident Heinrich Haasis hat die Verhandlungen geführt und für die Sparkassen sehr gute Modalitäten herausgeholt. Seine geschickte Verhandlungsführung habe ich bewundert.“

Viel mehr will sich das Ex-DSGV-Vorstandsmitglied über frühere Vorgänge hinter verschlossenen Türen nicht entlocken lassen. Lieber spricht er davon, wie die Erfahrungen im DSGV seinen weiteren Lebensweg prägten.

Business Angel am Gendarmenmarkt

„Die Arbeit für die Sparkassen hat mir immer viel Freude gemacht. Das Unternehmerische, die Nähe zum operativen Geschäft, das Nachdenken über gute Lösungen im Interesse der Sparkassen und der Kunden – das war mir persönlich immer wichtig und begründet bis heute meine Verbundenheit mit der Sparkassenidee.“ Fieseler machte sich als Strategieberater und Business Angel selbstständig und bezog ein Büro am Berliner Gendarmenmarkt. 

Im Vordergrund steht heute die Strategieberatung. „Besonders gerne beteilige ich mich an kleinen Start-up-Unternehmen. Mit meinen Erfahrungen und meinem Netzwerk kann ich da oft viel helfen. Es ist einfach spannend mitzuerleben, wie aus den Ideen junger Leute profitable Unternehmen werden können.“

Fintechs gehören gleichfalls zur Klientel, kleine Software-Schmieden, die zum Beispiel den Zahlungsverkehr seit einigen Jahren mit digitalen Lösungen aufmischen. Sind das nicht eigentlich Gegner der Sparkassen?

„Nein“, sagt Fieseler, „im Gegenteil: Es zeigt sich ja, dass die etablierten Finanzinstitute gut mit den Fintechs kooperieren und dadurch teilweise deutliche Kostensenkungen hinbekommen.“

Privat genießt Fieseler gern auch einmal nur das Motorgrummeln seines Ford Mustang aus dem Jahre 1967.

Auch privat bleibt es für Fieseler spannend: Zu seiner Patchwork-Familie gehören sieben mittlerweile erwachsene Kinder. Zur Entspannung setzt er sich gerne in seinen Oldtimer, ein Ford Mustang Cabrio aus dem Jahr 1967.

„Dann genieße ich das Motorgrummeln und denke nicht an Strategien und nicht an Zahlungsverkehr“, erzählt er und lächelt. „Und aus dem Radio tönt Led Zeppelin...“
 

Robert Reuter
– 22. Juni 2020