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Was macht ... Heidi Reiser in Bhutan?
Frauen fördern im Himalaya
Drei Mal war die Kredit-Expertin der Sparkasse Germersheim-Kandel in dem strukturschwachen Land, um ihr Wissen weiterzugeben. Sie hat aber auch viel mitgenommen.

Fast überall auf dem Globus geben die Sparkassen in weniger entwickelten Ländern ihr Wissen weiter und helfen dabei, prekäre Lebensverhältnisse zu verbessern. So auch in Bhutan, einem abgeschiedenen Land am Rande des Himalaya.

Bhutan ist ein widersprüchliches Land. Aus der Ferne betrachtet, erscheint das kleine Königreich zwischen China und Indien wie einem Märchen entsprungen. Staatsziel ist nämlich nicht die Steigerung lediglich des materiellen Wohlstands, sondern die Erreichung von „Glück“.

Glück als Staatsziel

In Bhutan spricht man daher von einem „Bruttonationalglück“, das nicht alleine durch eine Steigerung des Bruttosozialprodukts zu erreichen ist, sondern durch den Schutz der Umwelt, die Wahrung kultureller Werte und durch soziale Gerechtigkeit. Das klingt erstaunlich fortschrittlich, und in der Tat berichten solche, die schon mal da waren, von einer gelassenen, freundlichen Bevölkerung, die ihre seltenen Besucher so warmherzig begrüßt, als wäre man ein alter Freund.

Die Bevölkerung ist freundlich und gelassen. Besucher werden warmherzig begrüßt.

Heidi Reiser von der Sparkasse Germersheim-Kandel kennt Bhutan und weiß darum auch um die Probleme des Landes. „Die Landwirtschaft ist wenig produktiv und schafft es kaum, Überschüsse zu produzieren. Gerade die Landbevölkerung lebt darum in eher bescheidenen Verhältnissen.“

Jahreseinkommen liegt bei 2600 US-Dollar

Mit einem Jahreseinkommen von 2600 US-Dollar pro Kopf zählt Bhutan – trotz einer beachtlich wachsenden Wirtschaft – immer noch zu den ärmeren Entwicklungsländern. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung muss mit weniger als 1,25 US-Dollar am Tag auskommen. Und wie so häufig sind es insbesondere Frauen und Kinder, die unter den prekären Verhältnissen am stärksten zu leiden haben.

Zusammen mit der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation unterstützt die Sparkasse Germersheim-Kandel darum den Aufbau einer Mikrofinanzorganisation in dem strukturschwachen Land. Drei Mal war Kredit-Expertin Reiser seit 2015 dort, um als Kurzzeitexpertin ihr Wissen weiterzugeben. „Insbesondere den Frauen soll dabei geholfen werden, ein Einkommen zu erzielen.

Mikrokredite etwa für Näherinnen

Mikrokredite ermöglichen es beispielsweise, eine Nähmaschine anzuschaffen. Dabei geht es aber nicht alleine um die Bereitstellung von Geld. Die Menschen in Bhutan bekommen einen Grundkurs über Dinge wie die Führung eines Haushaltsbesuchs oder die Berechnung von Preisen.“

Die Besuche jenseits der Hauptstadt Thimphu hat Sparkässlerin Reiser in besonderer Erinnerung. Die Berge sind verkehrstechnisch nur unzureichend erschlossen, was jeden Ausflug zu einem Abenteuer macht.

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Insbesondere den Frauen soll dabei geholfen werden, ein Einkommen zu erzielen, sagt Heidi Reiser. Dabei gehe es aber nicht alleine um die Bereitstellung von Geld.

„Für den Besuch von nur zwei Zweigstellen haben wir drei Arbeitstage gebraucht. 5000 Höhenmeter waren zu überwinden, auf schlechten Straßen ohne Leitplanken und mit gefühlt 100 Haarnadelkurven. Entschädigt hat für die Mühen die unberührte Natur und ebenso die liebenswürdigen Menschen, die mich überall herzlich aufgenommen haben.“

Leben im Rhythmus der Natur

Die einzigartige Kultur Bhutans lernte Reiser auch beim Besuch buddhistischer Klöster kennen. „Die Mönche waren überaus offen und haben mir viele Fragen über das Leben in Deutschland gestellt. Für mich waren es kleine Zeitreisen in eine Welt aus Glauben, Demut und Bescheidenheit, wie man es im Westen heute nicht mehr erlebt.“

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„Die Landwirtschaft ist wenig produktiv und schafft es kaum, Überschüsse zu produzieren. Gerade die Landbevölkerung lebt darum in eher bescheidenen Verhältnissen“, sagt Heidi Reiser.

Kein Termindruck, keine Hetze

Auch das Leben im Rhythmus der Natur hat Reiser beeindruckt. Termindruck und Hetzte kennt man hier nicht, man nimmt sich Zeit und lässt die Dinge langsam wachsen. „Auch diese zu unserem Leben konträre Einstellung gehört zu jenen Erlebnissen, die man aus Bhutan mitnimmt und nie mehr vergisst“.

Robert Reuter
– 18. Februar 2020