Schule in Sanaa
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Was macht...Claudia Demler in Jemen?
Schulen für Sanaa
Die stellvertretende Firmenkundencenterleiterin der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg hat einen Verein gegründet, der Schulen im vom Bürgerkrieg gebeutelten Jemen unterstützt.

So schnell und reibungslos wie bei Claudia Demler lassen sich erste Karriereschritte nur selten realisieren. Ein weiterer Plan musste deshalb zurückstehen. „Eigentlich wollte ich nach dem Abitur ein Jahr ins Ausland gehen, um mich dort für ein Projekt in der humanitären Bildung zu engagieren“, erinnert sich die Mitarbeiterin der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg.

Doch schon vor dem Schulabschluss kam sie auf einer Messe in Kontakt mit der Sparkasse, bewarb sich wie geplant für ein duales Studium und bekam sofort einen Platz.

Mädchenklasse in Sanaa
Mädchenklasse in Sanaa. Die Schulklassen sind im Jemen streng nach Geschlechtern getrennt.       Foto: dpa

 

Drei Jahre später konnte die Bankbetriebswirtin direkt im Firmenkundengeschäft durchstarten, ein weiterer Wunsch ging in Erfüllung. Den Plan, sich im Ausland engagieren zu wollen, verlor die heute 29-Jährige jedoch nie aus den Augen.

Vor rund drei Jahren hat die gebürtige Münchnerin mit acht Mitstreitern den gemeinnützigen Verein Hayati Karamati e. V. gegründet, der im krisengeschüttelten Jemen aktuell rund 1600 Kindern mit Spenden den Besuch von zwei Schulen in der Hauptstadt Sanaa und im Hinterland ermöglicht.

Wie eine junge Bankerin darauf kommt, sich in einem knapp 5000 Kilometer entfernten Land, in dem laut UN die schlimmste humanitäre Krise der Welt herrscht, zu engagieren – dafür gibt es zwei Gründe.

Sich für andere einzusetzen, das wurde für Demler früh selbstverständlicher Part des Alltags. Mit Geschwistern und Eltern engagierte sie sich schon als Schülerin für den internationalen katholischen Sozialverband Kolpingwerk, sammelte Kleiderspenden, half auf Flohmärkten, beaufsichtigte die Kinder von Mitgliedern. „Mich für Menschen einzusetzen, die nicht so privilegiert aufwachsen, das hat mir bereits damals viel gegeben“, sagt die Tochter einer Erzieherin und eines Lehrers.

Schule in Sanaa
Schulalltag in Sanaa: Nicht alle Schulen verfügen über Tische und Stühle oder Schulbücher. Hier will Claudia Demler helfen.

Studienreisen mit den Vereinten Nationen

Wie groß die Not auch jenseits der deutschen Grenzen ist, lernte Demler später bei Studienreisen mit der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen kennen, die als Informationsvermittler für alle Uno-spezifischen Fragen agiert und in deren bayerischem Landesvorstand sie mittlerweile sitzt.

Zu den Mitreisenden zählten auch Jemeniten, und als die schließlich den Verein Hayati Karamati (Mein Leben. Meine Würde.) gründen wollten, musste sich die Sparkassen-Angestellte nicht lange zur Übernahme eines zweiten Ehrenamtes überreden lassen. „Als Bankerin hat man mich sofort verhaftet, um die finanziellen Aufgaben zu organisieren.“

Als Schatzmeisterin wacht Demler seitdem darüber, dass genug Geld zusammenkommt, damit ihr Verein aus den Spenden vor Ort das Gehalt von 70 Lehrern bezahlen kann. Denn der Staat habe die Zahlung eingestellt, weshalb vielerorts die Schulen geschlossen sind, erzählt die Finanzexpertin.

Vereinsbeiträge der aktuell sieben Mitglieder, Spenden von Unternehmen und Privaten ebenso wie die Spendenplattform betterplace.org tragen jetzt dazu bei, dass monatlich rund 5000 Euro zusammenkommen, um die beiden Schulen zu unterstützen. „Wir erhalten Geld von Firmen, mal spontan, mal regelmäßig, aber auch eine Schülerin überweist pro Monat 3,25 Euro von ihrem Taschengeld.

Das reicht genau für einen Monat Unterricht für ein Kind.“ Um das Projekt vor Ort zu umzusetzen, hat Hayati Karamati im Jemen die lokale Partnerorganisation My Life My Dignity gegründet.

Nächstes Ziel: Bekannter werden

Ehrenamt und Job trennt Demler zwar streng, machte ihr Engagement aber von Anfang an bei Führungskräften und ihren Kollegen bekannt. „Die Reaktion war bei allen sehr positiv. Viele waren natürlich auch überrascht und wollten wissen, warum ich das mache“, sagt Demler. Ein Kollege verteilte daraufhin spontan Flyer in der Schule seines Sohnes.

Claudia Demler
Stolz zeigt Claudia Demler das Infoblatt für den von ihr gegründeten Verein Hayati Karamati.

Die Bekanntheit des Vereins zu steigern, sei es über Werbematerial, die Webseite, Spendenaktionen oder auch das jüngst veröffentlichte Buch des Vorstandsvorsitzenden Said AIDailami „Jemen – Der vergessene Krieg“ steht auf der To-do-Liste des Jahres 2020 ganz oben. Dass dabei die Kosten so gering wie möglich bleiben, dafür sorgt Demler. „Das teuerste ist aktuell die Banküberweisung in den Jemen, für die jeweils eine Gebühr von 30 bis 40 Euro anfällt.“

Das von Bombenangriffen, Krankheiten wie Cholera und Hungersnöten gebeutelte Land hat Demler selbst noch nicht bereist. „Das Sicherheitsrisiko ist einfach zu groß, etwa die Gefahr einer Entführung.“

Sollte sich die Lage entspannen, will die stellvertretende Firmenkundencenterleiterin sich auf jeden Fall vor Ort mit eigenen Augen anschauen, wie die Spenden von Hayati Karamati bei den Schulen vor Ort wirken. Bis dahin muss sie sich mit Fotos und Berichten begnügen, die der jemenitische Partner von den Schülern schickt und die der Verein auf Facebook postet.

Weitere Informationen über den Verein erhalten Sie unter www.karamati.de

Eli Hamacher
– 10. März 2020