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| BBL im Gespräch: Fachliches Methoden-Zielbild

Banksteuerung zukunftsfähig aufgestellt

Wie wird das neue Zielbild in den Häusern ankommen? Die Betriebswirtschaftlichen Blätter sprachen mit den erfahrenen Sparkassen-Praktikern und Arbeitsteamsprechern Dr. Georg Eulering, Carolin Thom und Kirsten Cummerow über die Entwicklungsarbeit am Konzept, die wichtigsten Ergebnisse sowie die künftigen Erwartungen.

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Das vom Fachrat Banksteuerung abgenommene Fachliche Methoden-Zielbild Banksteuerung definiert Risikomanagementstandards für Sparkassen. Vor dem Hintergrund einer steigenden Frequenz und Komplexität regulatorischer Anforderungen sollen durch die Standards die Qualität der Methoden und Verfahren für die Banksteuerung sichergestellt, die Prozesssicherheit erhöht und die Effizienz gesteigert werden.

Seit Herbst 2015 haben 22 Sparkassen, sieben Regionalverbände und zwei Prüfungsstellen das Fachliche Methoden-Zielbild Banksteuerung mit DSGV, Finanz Informatik (FI) und Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH (SR) gemeinsam erarbeitet. Zur Vereinheitlichung der Banksteuerung wurden bereits die Risikoarten definiert, darunter Adressenrisiko, Marktpreisrisiko, Aktien- und Beteiligungsrisiko, Liquiditätsrisiko, Operationelles Risiko und sonstige Risiken. Im Rahmen des Projekts wurden Arbeitspakete spezifiziert, mit deren Umsetzung die SR unmittelbar startet.

 
Dr. Georg Eulering sieht in den 14 entwickelten Leitplanken eine gute Basis für das Zielbild Banksteuerung.
BBL: Können Sie kurz berichten, Herr Dr. Eulering, wie Sie den Prozess der Zielbildentwicklung in den vergangenen Monaten erlebt haben?
Dr. Georg Eulering: Die Bereitschaft, sich auf eine aufsichtlich induzierte Weiterentwicklung der Banksteuerungsverfahren einzulassen, war sehr groß. Alle Beteiligten haben sich offen, konstruktiv und ohne Schablonen damit auseinandergesetzt, wie wir uns in der Sparkassen-Finanzgruppe methodisch zukunftsfähig aufstellen können. Dazu haben wir im Arbeitsteam 1 künftige Anforderungen analysiert. Als Ergebnis liegen nun 14 Leitplanken als Basis des Zielbilds Banksteuerung vor. Natürlich stehen wir in der Umsetzung erst am Anfang. Die eigentliche Arbeit liegt noch vor uns, weil die einzelnen Instrumente ja zunächst ergänzt bzw. gebaut werden müssen.

BBL: Frau Thom, wie sehen Sie die Prozessentwicklung vor allem mit Blick auf neue Formen der Zusammenarbeit, die eingesetzt worden sind?
Carolin Thom: Es war sehr spannend und arbeitsintensiv, da wir innerhalb von vier Monaten alle relevanten Fragestellungen der Banksteuerung diskutiert haben, um einen Standard für die Finanzgruppe zu definieren. Auf diesem Weg sind wir ein großes Stück weitergekommen. Auf Regionalverbandsebene hatten wir in den vergangenen Jahren bereits methodische Standards für die Risikosteuerung für unsere 50 Sparkassen definiert. Die SR verfolgt nun bundesweit ein ähnliches Ziel. Aufgrund unserer Erfahrung war uns immer bewusst, vor welcher großen Herausforderung die SR dabei steht.

Diese komplexen Abstimmungen wurden durch die neue Kommunikationsplattform Zusammenarbeit 3.0 gut unterstützt. Das ist sicherlich eine effiziente Methode für die künftige Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Standorten. Eine sinnvolle Mischung zwischen zukunftsträchtiger Webtechnologie und persönlichen Abstimmungen wird die Basis für eine schnelle, effiziente und erfolgreiche Projektarbeit sein.

BBL: Wie haben Sie, Frau Cummerow, die Entwicklung der neuen Standards erlebt?
Kirsten Cummerow: Zunächst möchte ich betonen, dass ich eine sehr hohe Bereitschaft aller Beteiligten erlebt habe, ehrlich und ergebnisoffen in die Diskussion zu gehen und alle Interessen angemessen zu würdigen. Hinter den jetzt definierten Standards steht die Erkenntnis, dass alte Wege für die Entwicklung von Methoden zur betriebswirtschaftlichen und regulatorischen Banksteuerung in ihrer Effizienz nicht mehr länger funktionieren. Für die Steuerung in unserer Sparkasse wägen wir ab: Was gibt es an regulatorischen Anforderungen? Was haben wir für betriebswirtschaftliche notwendige Ziele? Und da wird augenscheinlich, dass die Menge und Frequenz der regulatorischen Anforderungen enorm zugenommen hat. Darauf müssen wir alle gemeinsam und einheitlich reagieren. Insofern war es besonders positiv, dass die Prüfungsstellen hier von Anfang an mitgenommen wurden.

Tempo gewinnen und Ressourcen einsparen

 
Einen Standard über alle Unterschiede wie Größe, Komplexität oder regionale Besonderheiten hinweg zu definieren, hält Carolin Thom für einen wichtigen Meilenstein.
BBL: Was ist aus Sicht eines Regionalverbands das wichtigste Ergebnis?
Thom: Wir haben es geschafft, uns bundeseinheitlich auf gemeinsame Standards zu verständigen. Das ist die Voraussetzung, um zukünftig schnell auf neue aufsichtsrechtliche Anforderungen sowohl fachlich als auch technisch zu reagieren. Die Herausforderung dabei war, einen Standard über alle Unterschiede hinweg wie Größe, Komplexität oder regionale Besonderheiten zu definieren. Schon allein in unserem Verbandsgebiet haben wir deutliche Unterschiede: Auf der einen Seite die hessischen Sparkassen mit überwiegend gutem Kreditgeschäft und Kreditwachstum, während die Thüringer Sparkassen überwiegend passivlastig, und damit von einem großen Depot A geprägt sind. Die definierten Standards müssen grundsätzlich für die gesamte Bandbreite von Sparkassen gelten und umsetzbar sein – wobei die Größe eines Instituts dabei nicht immer unbedingt mit Komplexität gleichzusetzen ist.

BBL: Herr Dr. Eulering, Sie kommen aus einem gerade angesprochenen großen Institut. Welches Ergebnis ist aus Ihrer Sicht besonders hervorzuheben?
Eulering: Dadurch, dass die SR nun fortlaufend die fachlich-methodische Verantwortung übernimmt, werden Qualität und Konsistenz der Risikomessverfahren dauerhaft gesichert. Zentrale Validierungen und der laufende Diskussionsprozess über künftige Anforderungen werden dafür sorgen, dass die Sparkassen State-of-the-Art-Verfahren in der Breite einsetzen können. Darüber hinaus werden wir durch die Verzahnung von Datenhaushalt, Meldewesen und Risikocontrollingverfahren Tempo gewinnen und Ressourcen einsparen können. Wenn Daten, Methoden und Verfahren standardisiert sind, wird dies bei Anfragen des Aufsehers oder Stresstestübungen deutlich erleichternd wirken.

BBL: Frau Cummerow, sehen Sie das als Vertreterin einer „typischen“ Sparkasse aus dem hohen Norden genauso oder sind Ihnen andere Ergebnisse wichtig?
Cummerow: Das Wichtigste ist: Wir haben ein Bekenntnis zu Standardisierung in den Sparkassen erreicht. Es gibt Dinge, die muss man nicht 400 Mal neu lösen. Eine einheitliche Vorgehensweise, eine einheitliche Datenbasis und einheitliche Programme bringen uns in unserer Gesamteffizienz weiter – auch wenn wir als Sparkassen-Finanzgruppe insgesamt dezentral organisiert sind. Ausgangspunkt sollte dabei ein guter Mindeststandard für alle sein. Für uns als Institut bleibt wesentlich, dass wir die Steuerungsentscheidungen nach wie vor selbst treffen. Die Standards und Methoden beschreiben ja nur das Instrumentarium. Die strategischen Geschäftsfelder und die Risikotoleranzen bleiben individuell. Und natürlich verfolgen wir da in Mecklenburg-Vorpommern eine andere Geschäftspolitik als vielleicht in München.

S Rating soll mit der Aufsicht diskutieren

 
Durch das Bündeln der Methodenkompetenz bei der S Rating und einer einheitlichen Beauftragung der Finanz Informatik vermindert sich aus Sicht von Kirsten Cummerow das Investitionsrisiko.
BBL: In jedem Fall wird die Umsetzung des Zielbilds Ihre Arbeit vor Ort also erleichtern?
Cummerow: Die Anforderungen aus der Regulatorik werden nicht einfacher werden. Und die Niedrigzinsphase zwingt uns alle, die Strukturen zu überprüfen. So wie die SR die Rating-Verfahren zentral entwickelt, validiert und mit der Aufsicht abstimmt, sehe ich aber nun auch für die Banksteuerung einen enormen Vorteil für „typische“ Sparkassen. Durch die Bündelung der Methodenkompetenz bei der SR und eine einheitliche Beauftragung der FI vermindert sich für uns natürlich auch das Investitionsrisiko. Die einzelne Sparkasse ist so besser vor Fehlentscheidungen geschützt.

BBL: Empfinden Sie das als Vertreter eines großen Hauses ähnlich oder erleichtert die Umsetzung des Zielbilds Ihre Arbeit vielleicht in anderer Weise, Herr Dr. Eulering?
Eulering: Für mich ist das Wichtigste, dass wir nun eine Struktur geschaffen haben, mit der wir auf das sich verändernde Umfeld adäquat reagieren können. Die Sparkassen werden gegenüber der Aufsicht sprachfähig sein und auf Augenhöhe diskutieren können, da das Zielbild die aufsichtlichen Anforderungen und Steuerungsansätze als Input berücksichtigt. Konkret wird in einem ersten Schritt das Meldewesen schneller und anwenderfreundlicher werden. Wenn anschließend eine stärkere Verzahnung von Meldewesen und Risikocontrolling und vor allem die Planbarkeit der zu meldenden Kennziffern geschaffen ist, wird uns das auch in der Banksteuerung weiterhelfen.

BBL: Herr Dr. Eulering sprach bereits kurz das Thema Aufsicht an. Das neue Zielbild erleichtert Ihnen, Frau Thom, und den Verbänden generell an dieser Stelle die Arbeit?
Thom: Ja, weil zentrale Themen bereits durch die SR mit der Aufsicht besprochen werden und die individuellen Diskussionen in den Sparkassen gegenüber der Aufsicht teilweise entfallen können. Weiterhin können die Sparkassen auf zentrale Konzepte, Validierungsergebnisse und Daten zurückgreifen. Diese Arbeit ist nicht mehr individuell in den Sparkassen bzw. innerhalb der Regionalverbände zu leisten. Indem über die nächsten Jahre unsere regionalen Standards – vor allem unsere methodischen Fachkonzepte – durch die SR abgelöst werden können, erhoffen wir uns Aufwandsreduktionen. Die möglichen Kapazitätsfreisetzungen werden zwingend für den First-Level-Support für unsere Sparkassen benötigt. Grundsätzlich erwarten wir, dass die SR die aufsichtsrechtlichen Diskussionen mit der Aufsicht durchführt, damit wir uns mehr um die betriebswirtschaftlichen Fragestellungen unserer Sparkassen kümmern können.

Die Vorstellung des Fachlichen Methoden-Zielbilds Banksteuerung finden Sie in diesem BBL-Beitrag.