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| Datenhaushalt

Grenzen überwindbar

Ein neues Konzept soll die Grundlage für mehr Standards legen.

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Gestiegene aufsichtliche Anforderungen an die Quantität und die Qualität der Berichterstattung machen eine integrierte Datenhaltung erforderlich. Dieser Herausforderung stellt sich die Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH (SR) mit den Sparkassen, der Finanz Informatik, Regionalverbänden und Prüfungsstellen durch die Erarbeitung einer tiefgreifenden Neukonzeption − des „Datenhaushalt Banksteuerung 2.0“.

Noch ist die Datenlandschaft der Sparkassen von einer Vielzahl von Datentöpfen und Einzellösungen geprägt. Dabei werden teilweise redundante Daten vorgehalten, teilweise sind Daten nicht für alle benötigten Zwecke automatisiert verfügbar, nicht selten müssen sie manuell ermittelt und übertragen werden. Das sorgt schon im laufenden Betrieb für Ineffizienz. Hinzu kommt, dass Auskunftsersuchen der Aufsicht in der jüngeren Vergangenheit bereits die Grenzen der aktuellen Standard-IT aufgezeigt haben.

Gefordert sind die Systeme sowohl durch die Komplexität und Frequenz des laufenden Meldewesens als auch durch die zunehmenden Ad-hoc-Anfragen der Aufsicht. Auf dem Weg zum Datenhaushalt 2.0 sind allerdings einige Hürden zu meistern, etwa die Integration der vielen Datentöpfe sowie eine Klärung und Ausgestaltung künftiger aufsichtlicher Anforderungen.

Steigende Anforderungen an konsistente Datenhaltung und -qualität

Besonderes Augenmerk dürfte auf den bereits im Januar 2013 veröffentlichten Anforderungen aus BCBS 239 liegen. Auch wenn die Leitlinien des Basel Committee on Banking Supervision − des Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht − bisher nicht in nationales Recht umgesetzt wurden, sei dies von der Aufsicht für 2016 angekündigt. Das Regelwerk enthält 14 Prinzipien für die effektive Risikodatenaggregation und ein konsistentes Reporting. Neben direkten Anforderungen an die Datenhaltung, etwa der Dokumentation der Daten durch eindeutige Benennung und Nachvollziehbarkeit der Datenherkunft, wird insbesondere die Qualität der Daten thematisiert. Auch die Anforderungen an die Data Governance und somit die Wichtigkeit von entsprechenden Prozessen und Verantwortlichkeiten für die Datenqualität in den Instituten wird unterstrichen.

Um den wachsenden Anforderungen nachzukommen, soll eine einheitliche, vollständige und konsistente Datenbasis besonders für Risikodaten geschaffen werden. Damit soll ein zeitnahes Reporting ermöglicht und Risiken über alle Geschäftsbereiche hinweg aggregiert werden können, sodass das Management durch eine einheitliche Berichterstattung in seiner Entscheidungsfindung unterstützt wird.

Projekt will einheitliches Gesamtsystem etablieren

Seit Mitte 2015 hat die SR zusammen mit der FI und dem neuen Arbeitskreis Datenhaushalt an einem Vorprojekt zum künftigen Datenhaushalt der Sparkassen gearbeitet und die Anforderungen in einem Grobkonzept festgehalten, das auch als Grundlage für die Kostenplanung dient. Außerdem wurde gemeinsam mit der FI und den Teilnehmern des Arbeitskreises eine fachliche und technische Roadmap für die Umsetzung des Datenhaushalts abgestimmt. Dies war auch ein erster Praxistest für die webbasierte SR-Plattform Zusammenarbeit 3.0, die es Experten aus den Instituten ermöglicht, ihre Expertise zeit- und ortsunabhängig einzubringen.

Das Hauptprojekt startet im ersten Quartal 2016 mit der fachlichen Konzeption des Integrierten Datenhaushalts sowie der Anforderungen an die Data Governance. Ziel der Neukonzeption ist keine einzelthemenorientierte Umsetzung neuer regulatorischer Themen, sondern eine sinnvolle Integration in ein Gesamtsystem der Banksteuerung sowie die vollständige technische Unterstützung in den Sparkassen-Standardsystemen. Dafür sind übergreifende Aspekte wie Datenarchitektur, -qualität, -analyse und Simulationsmöglichkeiten von entscheidender Bedeutung. Es geht um Lösungen, die auf der einen Seite alle regulatorischen Anforderungen in der erforderlichen Breite und Tiefe für Sparkassen abdecken, gleichzeitig aber auch für weniger komplexe Geschäfte modular nutzbar und skalierbar sind.

Entscheidend für die Umsetzung sind die Qualität und die Vollständigkeit der Daten. Um diese gewährleisten zu können, ist es ein Ziel – neben der Anbindung der Standard-OSPlus-Systeme – eine standardisierte Eingabe/Ausgabe-Schnittstelle zu konzipieren. Die Befüllung dieser Schnittstelle liegt in der Verantwortung der einzelnen Häuser. Nach abgeschlossener übergreifender Neukonzeptionierung auf Basis von definierten Standards sind für die erfolgreiche Umsetzung institutsindividuelle Projekte notwendig, beispielsweise aufgrund der unterschiedlichen Nutzung von Datenfeldern. Bis Ende 2017 soll das Adressenrisiko im Datenhaushalt umgesetzt sein, bis Ende 2018 der Datenhaushalt für die Anforderungen der regulatorischen Banksteuerung.