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01. August 2018 - 12:00LBBW

Aufholjagd am Schuldscheinmarkt

„Der Juni gibt Hoffnung“, heißt es in einer Studie von Analysten der Landesbank Baden-Württemberg. Das zweite Halbjahr am Schuldscheinmarkt sollte wieder besser werden. Ein neuer digitaler LBBW-Marktplatz für Schuldscheindarlehen wird gut angenommen.

Der Handelskonzern BayWa startete Mittel Juli die erste Schuldscheintransaktion auf der neuen Plattform Debtvision. Das Gemeinschaftsunternehmen von LBBW und Börse Stuttgart will Angebot und Nachfrage im Schuldscheingeschäft kostengünstig zusammenbringen, den klassischen Weg im SSD-Mark aber nicht ersetzen.
Nach einem schwachen Jahresbeginn hat sich der Corporate Schuldscheinmarkt (SSD-Markt) gegen Ende des zweiten Quartals wieder belebt. Das ergibt eine Analystenstudie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Im Juni zogen die Begebungen demnach deutlich an, etwa 30 SSD befanden sich in der Vermarktungsphase.

„Diese Entwicklung gibt Hoffnung auf eine deutlich bessere Entwicklung im dritten Quartal“, sagt LBBW-Analyst Hans-Peter Kuhlmann. Gleichwohl werde bei der Aufholjagd das hohe Vorjahresergebnis nicht wieder erreicht. „Nach der starken Zurückhaltung im ersten Halbjahr rechnen wir jedoch mit einem deutlich stärkeren zweiten Halbjahr, sofern nicht neue Belastungsfaktoren eintreten“, sagt Kuhlmann.

Entsprechend korrigiere die LBBW ihre Prognose von 22,5 Milliarden Euro auf 17,5 Milliarden Euro nach unten und erwarte damit ein Gesamtjahresvolumen zwischen 15 und 20 Milliarden Euro. „Damit sollten im zweiten Halbjahr SSD im Volumen von rund zehn Milliarden Euro begeben werden“, sagt der LBBW-Analyst. Dies liege deutlich über dem Niveau des ersten Halbjahrs von 7,6 Milliarden Euro, aber weiter unter dem hohen Niveau von 14 Milliarden Euro im zweiten Halbjahr 2017.

Nach zwei Rekordjahren in Folge hatte sich der SSD-Markt im ersten Halbjahr 2018 deutlich beruhigt. Bei einer Stückzahl von 47 wurde ein Volumen von 7,6 Milliarden Euro an abgeschlossenen Transaktionen begeben. Damit lagen Stückzahl und Volumen um rund 40 Prozent unter dem starken Vorjahreshalbjahr.

Im zweiten Quartal 2018 sank das Volumen sogar um fast 50 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro und lag damit unter dem Niveau des ersten Quartals von vier Milliarden Euro. Mit 26 SSD lag die Stückzahl zwar auch deutlich unter dem Vorjahreswert von 42 Stück, zog aber gegenüber dem ersten Quartal wieder leicht an. Es fehlten insbesondere die im Vorjahr recht zahlreichen großen Emissionen mit einem Volumen von mehr als 500 Millionen Euro. Entsprechend ging das Durchschnittsvolumen im Halbjahr von 172 Millionen Euro auf 161 Millionen Euro pro Transaktion zurück.

Hofft auf eine bessere Marktentwicklung im dritten Quartal: LBBW-Analyst Hans-Peter Kuhlmann, Autor einer Studie über das Schuldscheingeschäft:
Im ersten Quartal hatte noch eine Jumbo-SSD des Handelskonzerns Rewe mit einem Volumen von einer Milliarde Euro den Durchschnitt hochgehalten. Im zweiten Quartal sank dann der Durchschnittswert von 191 Millionen Euro Euro im ersten Quartal auf nur noch 135 Millionen Euro. „Damit eroberte sich der Mittelstand den SSD-Markt zurück“, sagt Kuhlmann. In den beiden Vorjahren hätten auch eine Reihe von Großunternehmen den SSD-Markt als Finanzierungsbaustein für sich entdeckt.

Der Rückgang lag laut Kuhlmann mehr am Angebot als an der Nachfrage. Während der vergangenen zwei Jahre hätten viele Unternehmen die günstigen Finanzierungsbedingungen genutzt, um ihre Liquidität zu verbessern. „Dabei spielte auch die Erwartung tendenziell steigender Zinsen eine Rolle“, sagt Kuhlmann. Das und die konjunkturelle Unsicherheit wegen der Zollpolitik von US-Präsident Trump und populistischer Wahlerfolge in einigen europäischen Ländern habe dann im ersten Halbjahr 2018 zu einer deutlichen Zurückhaltung auf Unternehmensseite geführt.

Bei Banken und institutionellen Anlegern sei die Nachfrage dagegen stabil gewesen. Anleger seien je nach Bonität und Branche zwar etwas selektiver vorgegangen als im Vorjahr, weshalb bonitätsmäßig schwächere Anbieter etwas mehr Schwierigkeiten mit der Aufnahme ihrer SSD gehabt hätten. „Das spricht aber grundsätzlich für einen gesunden Markt und funktionierende Kreditbeurteilungen auf Investorenseite“, sagt Kuhlmann. Im dominanten Segment der SSD auf Investmentgrade-Niveau habe es keine erkennbare Nachfrageabschwächung gegeben.

Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum entfielen noch 21 Prozent auf große SSD. Hierbei gab es nach LBBW-Erkenntnissen aber auch erhebliche Quartalsschwankungen. So reichte im ersten Quartal bereits eine Jumboemission für einen Marktanteil von 25 Prozent für große Volumen. Bezogen auf die Anzahl der SSD ist der Anteil der kleinen SSD deutlich höher und lag im zweiten Quartal bei 77 Prozent. Im gesamten ersten Halbjahr lag der Anteil der kleinen SSD bei 47 Prozent. 40 Prozent entfielen auf mittlere SSD und der eine Jumbo hatte einen Anteil von 13 Prozent.

Schuldscheinmarkt inklusive der LBBW-Prognose für 2018 (LBBW Research)
Bei den Laufzeiten ergaben sich keine großen Änderungen zum Vorjahreszeitraum oder zum gesamten Vorjahr. Der Anteil der kurzfristigen Laufzeiten legte gegenüber dem ersten Halbjahr 2017 von acht Prozent auf zwölf Prozent zu. Ebenso stiegen die fünfjährigen Laufzeiten von 29 Prozent auf 31 Prozent, während die siebenjährige Laufzeit und der Anteil langfristiger SSD etwas verloren. Unverändert dominant sind aus LBBW-Sicht die fünf- und siebenjährigen Laufzeiten. Dazu haben die zehnjährigen SSD mit einem Anteil von 23 Prozent deutlich zugelegt, während die früher wichtige dreijährige Laufzeit mit sechs Prozent nur noch eine geringe Rolle spielt.

In den vergangenen Jahren war die Zahl der Emittenten aus dem Ausland gestiegen. Doch im vergangenen Jahr endete dieser Trend. Im ersten Halbjahr 2018 war die Zahl der ausländischen Unternehmen deutlich rückläufig, und der Anteil der deutschen Unternehmen stieg stark von 61 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 72 Prozent an. Auf die deutschsprachige DACH-Region entfielen sogar 88 Prozent. Auf andere Länder entfiel nur noch ein Anteil von zwölf Prozent. Hierbei fiel den LBBW-Analysten vor allem Frankreich auf. 2016 hatte das Land noch einen Anteil von zehn Prozent, im ersten Halbjahr 2018 fiel er auf zwei Prozent.

Debtvision: Schuldscheingeschäft wird digitaler

Bei der Digitalisierung des Schuldscheingeschäfts ist der Landesbank ein weiterer wichtiger Schritt gelungen. LBBW und Börse Stuttgart haben im Juni unter der Marke Debtvision einen digitalen Marktplatz für Schuldscheine gegründet. Geschäftsführer des Gemeinschaftsunternehmens ist Christoph Steinbrich, der seit 2011 im Corporate Finance der LBBW als Kapitalmarktexperte tätig ist.

Das Ziel des digitalen Marktplatzes ist es, Angebot und Nachfrage effizient und kostengünstig zusammenzubringen. Kapitalsuchende Unternehmen und Einrichtungen der öffentlichen Hand treffen hier auf etablierte kapitalstarke Investoren. Die Abwicklung von der Vermarktung bis zur Zeichnung läuft voll elektronisch über eine benutzerfreundliche Oberfläche. Es entfallen kosten- und arbeitsintensive Zwischenschritte und die papierbasierten Prozesse, die Transaktionen werden erheblich günstiger. Diese Einsparungen werden an die Kunden weitergegeben. Auch der Handel von SSD soll mittelfristig über diese Platzform möglich sein.

Joachim Erdle, Leiter Corporate Finance LBBW, zeigt sich „zuversichtlich, dass wir mit Debtvision auf dem richtigen Weg sind und den erwarteten Mehrwert für unsere Kunden schaffen“. Analyst Kuhlmann sagt: „Wichtig ist, dass sich auf der LBBW-Plattform nur Kunden mit guter bis sehr guter Bonität bewegen dürfen.“ Die LBBW werde auch weiterhin den klassischen Weg anbieten, um je nach Kundenwunsch optimale Lösungen anbieten zu können, etwa bei komplexen SSD.

BayWa-Finanzvorstand Andreas Helber: "Debtvision ist ein neues Instrument für Standardtransaktionen." (dpa)
Kurz nach der Gründung startete die Ersttransaktion über die neue Plattform. Der internationale Handels- und Dienstleistungskonzern BayWa konnte einen Schuldschein exklusiv über Debtvision an eine Vielzahl etablierter Investoren vermarkten. Andreas Helber, Finanzvorstand der BayWa, zeigt sich sehr zufrieden mit dem Verlauf und dem Ergebnis. Die ursprünglich geplante Höhe von 50 Millionen Euro sei aufgestockt worden, um alle interessierten Investoren zu bedienen. Helber sieht in dem neuen digitalen Marktplatz „ein neues Instrument für Standardtransaktionen“. Der direkte Zugang zu den relevanten Investoren, die hohe Transparenz über den Status der Transaktion und die direkte digitale Kommunikation mit Investoren machten Debtvision „zu einer innovativen neuen Finanzierungsoption“, sagt Helber.

Mit weiteren Unternehmen gehen in Kürze weitere Transaktionen mit exklusiver Vermarktung über Debtvision an den Start. Auf Basis der dabei gewonnenen Erfahrungen und Kundenwünsche wird die Plattform kontinuierlich um zusätzliche Funktionalitäten ergänzt. Über die 15 zeichnenden Investoren hinaus konnten weitere als Plattformnutzer gewonnen werden. „Das Vermarktungsergebnis zeigt klar, dass die Vision von Debtvision von den relevanten Akteuren des Schuldscheinmarkts angenommen wird und reale Transaktionen ermöglicht“, sagt Kuhlmann.

Auch andere Banken haben inzwischen digitale Plattformen für Finanzierungen und SSD entwickelt. Es gibt laut LBBW allerdings noch keine spezielle rechtlichen Grundlagen oder Standards, diese müsse der Gesetzgeber erst noch entwickeln, sagt Kuhlmann. Ziel aller digitalen Plattformen sei es, die Transaktionskosten zu senken und eventuell einen Sekundärhandel zu ermöglichen.

Im zweiten Quartal 2018 platzierte mit Volkswagen Immobilien das erste Immobilienunternehmen einen „grünen“ Schuldschein mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro. Im Vorfeld hatte das Unternehmen von der Agentur Oekom Research ein Prime-Rating für nachhaltiges unternehmerisches Handeln erhalten. Die Laufzeit war für einen Schuldschein überdurchschnittlich lang und stieß auf reges Investoreninteresse. Es wurden mehrere Tranchen mit Laufzeiten zwischen fünf und 15 Jahren begeben, die durchschnittliche Laufzeit betrug 10,5 Jahre. Die SSD-Finanzierung wurde von LBBW und ING arrangiert. Damit eröffnet sich laut LBBW für Immobilienunternehmen eine interessante Alternative für langfristige Finanzierungen über einen Schuldschein mit nachhaltigem Anspruch. (LBBW/DSZ)
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