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12. September 2018 - 18:01NPL-Management

"Augen auf und durch"

Die Sparkasse Oberpfalz Nord lagert ihre Non Performing Loans komplett an den Verbunddienstleister Bad Homburger Inkasso aus. Bis dahin war es ein langer Weg für das Fusionsinstitut.

Vollabgeschriebene Kredite liegen oft wie Blei im Keller. Ein Verbundpartner wie die Bad Homburger Inkasso macht den Umgang mit Forderungen und Sicherheiten leichter. (dpa)
"Willkommen in einer Region der Hidden Champions“, sagt Ludwig Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Oberpfalz Nord zur Begrüßung. Mit dem Versandhändler Auto-Teile Unger in Witt Weiden, mit BHS Corrugated, Hersteller von Wellpappanlagen, und Heidelberg Web Carton Converting in Weiden ist die Oberpfalz Standort von Weltmarktführern. Die Oberpfalz verbinden viele jedoch noch immer vor allem mit bekannten Marken der Porzellan- und Bleikristallbranche wie Bauscher, Seltmann und Nachtmann. Doch die Zeiten der Monostruktur sind vorbei. Wie erfolgreich die Oberpfalz einen harten Strukturwandel in Richtung Fahrzeugbau, Kunststoffbearbeitung und Mikroelektronik durchschritten hat, zeigen die Zahlen: Das Bruttoinlandsprodukt in der Region stieg je Einwohner seit dem Jahr 2000 von 39.896 Euro um 34,7 Prozent auf 53.734 Euro im Jahr 2016.

Ludwig Zitzmann, Vorstandsvorsitzender Sparkasse Oberpfalz Nord: „Verwaltungsrat gibt Rückendeckung.“ (Sparkasse)
Auch die Sparkasse Oberpfalz Nord hat einen steinigen Weg hinter sich gebracht. 2005 hatte das Institut eine Bilanzsumme von 650 Millionen Euro. Damals nahm die Sparkasse und das ins Straucheln geratene Nachbarinstitut Tirschenreuth (Bilanzsumme 900 Millionen Euro) in einer Fusion auf. Dabei galt es, ein Kreditportfolio mit 140 Millionen Euro an Abwicklungs- und Sanierungskredite, mit weiteren Euro 230 Millionen Euro an Krediten mit erhöhten Risiken, mit einem EWB-Bestand von mehr als Euro 70 Millionen Euro und einem Verlustvortrag von 37 Millionen Euro zu schultern.

Diese Ausgangssituation erforderte, neue Wege zu gehen und vor allem neue Strukturen für die Bewältigung der hohen Anzahl von Engagements zu schaffen. „Der erste Schritt, um sich nachhaltig freizuschaufeln, war die Gründung einer eigenständigen Abwicklungseinheit im Jahr 2006, in die die notleidenden Kredite ausgelagert wurden“, sagt Roland Greger, Bereichsleiter Marktfolge Aktiv bei der Sparkasse Oberpfalz Nord. In der auch gesellschaftsrechtlich verankerten Abspaltung des Sub- und Non-Perfoming-Loan-Portfolios (NPL) von der im Markt weiterhin erfolgreichen und kundengeschäftsorientierten Sparkasse liegt ein wesentlicher Schlüssel für den nachhaltigen Erfolg.

Ein solches Vorgehen erfordert aber finanzielle Unterstützung von außen. Diese kam in Form einer Anleihe in Höhe von Euro 23 Millionen durch die Stützungseinrichtung des bayerischen Sparkassenverbands, „die wir – dank unseres Erfolgs - vorzeitig zurückführen konnten“, ergänzt Ludwig Zitzmann. “Innerhalb der vergangenen fünf Jahre haben wir 250 Millionen Euro mehr an Krediten herausgegeben. Unser Wachstum ist nahezu rein aus dem Kundenkreditgeschäft heraus erfolgt.“

Von der Treuhand- zur Komplettlösung


Innerhalb von fünf Jahren war es gelungen, den Berg an NPLs abzuarbeiten, darunter allein 270 Immobilienfinanzierungen. Ab 2011 konnte sich die Sparkasse dann den bis dahin aus klaren Abwägungsgründen vernachlässigten „Kellerfällen“ zuwenden, wie Roland Greger die vollabgeschriebenen Kredite nennt. Parallel hatten die in der Abwicklungseinheit eingeleiteten Personalmaßnahmen aus Weiter- und Neuentwicklung in die Markt- und Marktfolgebereiche der Sparkasse hinein sowie eine Altersvorruhestandsregelung Wirkung gezeigt. Hätte man sich der Kellerfälle selber annehmen wollen, wäre dies aufgrund enger Kapazitäten nicht möglich gewesen. Somit war es erneut eine Herausforderung, die den Anstoß für einen neuen Lösungsweg gab. Dieser hieß Vollauslagerung.

Partner wurde die Bad Homburger Inkasso (BHI), und zwar in einem doppelten Sinne. Denn für die BHI war die Sparkasse Oberpfalz Nord das erste Institut, mit der eine Vereinbarung über eine Vollauslagerung getroffen wurde. „Sämtliche Fälle ab Kündigungsreife, insbesondere gewerbliche sowie immobilienbesicherte Kredite, aber auch Engagements aus dem Retail-Geschäft können wir übernehmen“, sagt Hans-Henning Wolters, BHI-Vertriebsdirektor und verantwortlich für deren Sparkassengeschäft. Dabei unterscheidet sich die BHI als Verbundunternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe von den gerne als „Heuschrecken“ bezeichneten Mitbewerbern. BHI betreibt kein „Cherry Picking“ und ist bereit, NPLs aus allen Asset-Klassen zu übernehmen, selbst Refinanzierungsdarlehen, LfA- und KfW-Kredite Teil waren Teil der Auslagerung.

Die Vereinbarung zwischen der Sparkasse Oberpfalz Nord und der BHI sah anfänglich ein Treuhandinkasso vor. Dabei bleibt die Sparkasse wirtschaftlicher Eigentümer der Forderung und des Verwertungsrisikos, denn sie zahlt der BHI eine Provision für die Durchführung des Inkassos. Auf die Frage nach dem Anreiz für eine Sparkasse, sagt Hans-Henning Wolters: “Die BHI wirkt wie ein Schutzschild für die Sparkasse. Wenn ein Kredit notleidend und in der Folge gekündigt wurde, hat in der Regel auch die Beziehung zwischen Kunde und Sparkasse gelitten. Unsere Erfahrung zeigt deutlich, dass sich das Kundenverhalten zumeist positiv ändert, wenn eine neue Kontaktperson gegenüber dem Kunden auftritt. Auch für den Sparkassenmitarbeiter ist eine Trennung von oftmals als emotional belastet empfundenen Vorgängen ein Schritt nach vorn.“

In vielen Fällen erweist sich das Treuhandinkasso als Einstieg in eine professionelle wie nachhaltige Auslagerung der Bearbeitung von NPLs. Das Leistungsangebot der BHI umfasst inzwischen zusätzlich den Ankauf von einzelnen bis hin zum Portfolioankauf von notleidenden, immobilienbesicherten Krediten. Der Verkauf von Krediten war um das Jahr 2008 – kurz vor Beginn der Finanzmarktkrise – ein in der Öffentlichkeit kritisch diskutiertes Thema. Die Sparkassen hatten sich daraufhin in der Bochumer Erklärung auf dem Sparkassentag 2010 freiwillig dazu verpflichtet, keine ordentlich bedienten Kredite zu verkaufen. Auf die Frage, wie das Angebot der BHI damit in Einklang steht, verweist Hans-Henning Wolters darauf, dass die Auslagerung und der Verkauf innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe einerseits durch die Erklärung abgedeckt sei und dass andererseits gekündigte oder kündigungsreife Kredite übertragen würden. Darüber hinaus wurde vertraglich vereinbart, dass die Sparkasse einem Weiterverkauf durch die BHI zustimmen muss.

Roland Greger, Marktfolge-Aktiv-Bereichsleiter, Sparkasse Oberpfalz Nord: „Es ging um die Kellerfälle.“ (Sparkasse)
Aus den Erfahrungen des Treuhandinkassos heraus hat die Sparkasse Oberpfalz Nord inzwischen standardmäßig den Verkauf ihrer NPLs an die BHI vorgesehen. Denn aus Sicht der Sparkasse gibt der Verkauf nicht nur mehr Kapazitäten frei, sondern führt zu einer Eigenkapitalentlastung. „Und selbst wenn wir uns über den Preis nicht einigen können, haben wir stets das Treuhandinkasso als Fallback-Lösung“, sagt Roland Greger. Die Erfahrung zeige, dass sich insbesondere die Bewertungen der als Sicherung zur Verfügung gestellten Immobilien zwischen Sparkasse und BHI kaum unterscheiden.

Wie wichtig der Erhalt von Flexibilität ist, weiß Roland Greger als Verantwortlicher genau. Sichert doch die Personalentwicklung der Mitarbeiter aus der Abwicklung zurück in den Marktbereich der Sparkasse, dass noch ausreichend Sanierungs-Know-how im Haus vorhanden bleibt, um auch im Worst Case handlungsfähig zu bleiben.

Angesprochen auf die erfolgskritischen Faktoren für ein solches Vorgehen, erläutert Vorstandschef Ludwig Zitzmann, wie wichtig es sei, neben den Mitarbeitern auch den Verwaltungsrat in einem solchen Schritt hinter sich zu wissen. „Auch wenn es nur wenige waren, aber es gibt immer böse Briefe, die direkt kommen oder über Bande gespielt werden. Da braucht es einerseits Rückendeckung und anderseits ein klares, mit dem Partner abgestimmtes Kommunikationskonzept für die Einbindung aller Beteiligten in den Auslagerungsprozess. Wie bei jeder Veränderung, ist die emotionale Ebene von entscheidender Bedeutung. Wenn dort die Signale auf grün stehen, lassen sich in der Regel immer sachliche Lösungen finden. Es gilt für eine solchen Veränderungsschritt immer eine Regel, wenn man erfolgreich sein will: Augen auf und durch“.

Zum Verbundunternehmen Bad Homburger Inkasso

Karsten Schneider, Geschäftsführer Bad Homburger Inkasso: BHI-Kunden können Treuhand-Inkasso und Forderungsverkauf miteinander kombinieren. (BHI)
Die Bad Homburger Inkasso (BHI) ist das Kompetenzcenter für Forderungs- und Sicherheiten-management der Sparkassen-Finanzgruppe, deren Firmen- und Kommunalkunden. Als Full-Service-Dienstleister bietet das Kompetenzcenter seinen Kunden Lösungen aus einer Hand. Die BHI ist spezialisiert auf die standardisierte und automatisierte Abwicklung des Mengengeschäfts sowie auf die Abwicklung von notleidenden, immobiliengesicherter Kompakt- und Komplexforderungen.

Für die Abwicklung immobilienbesicherter Forderungen haben die Sparkassen die Wahl zwischen Treuhand-Inkasso und dem Verkauf der Forderungen an die von der BHI mitgegründete Gesellschaft AKG ImmoPlus. Auch eine Kombination aus beiden Lösungen ist möglich. Kunden profitieren von innovativen technischen Lösungen, von der Bündelung von umfassendem Know-how und von der Umsetzung hoher Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Damit werden hohe Zahlungsrückflüsse bei gleichzeitig niedrigeren Kosten für die Auftraggeber realisiert. Die BHI ist derzeit für 930 Kunden tätig. Mehr als zwei Millionen Forderungen mit einem Gesamtvolumen von rund 18,5 Milliarden Euro wurden bislang in die Bearbeitung übernommen.
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