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| DSGV

„Da müssen wir ran“

DSGV-Präsident Helmut Schleweis hat an die Vorstände der Sparkassen appelliert, noch aktiver den Kontakt zu den Kunden zu suchen. Gleichzeitig mahnte und kündigte er grundlegende Veränderungen in der Gruppe an.

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Mit den jüngsten geldpolitischen Entscheidungen stünden viele Institute vor einer Situation, die ihre bisherigen Planungen auf den Kopf stelle, so Schleweis, bei der DSGV-Arbeitstagung für Vorstände in Berlin. Durch den negativen Leitzins und das wieder aufgestockte Anleihekaufprogramm seien die Marktbedingungen dauerhaft geändert. Die EZB-Entscheidungen seien ein „Game-Changer“ für die Sparkassen-Finanzgruppe, so Schleweis: „Willkommen in Japan!“

Keinen „Kampf gegen Kunden“ führen

Nun gehe es um die Frage, wie die Sparkassen und die Gruppe damit umgehen. Kein Institut könne dauerhaft gegen die Logik der Betriebswirtschaft handeln, doch sei es riskant, „wenn wir den Eindruck erwecken, einen ‚Kampf gegen die Kunden‘ zu führen. Damit riskieren wir unsere eigentliche Geschäftsgrundlage – das Vertrauen der Menschen“, warnte der DSGV-Präsident.

Gerade angesichts der geschwächten Vorsorgesysteme müssten sich die Häuser „spürbar an die Seite der Kunden stellen.“ So sollten Wertpapiersparen und Anlageberatung in jeder Sparkasse auf gutem Niveau selbstverständlich sein. Wichtig sei es, mit den Menschen im Gespräch zu bleiben. Auch Kunden, die heute wenig digital oder nicht so vermögend sind, prägten über ihre Gewohnheiten und Wünsche den Bedarf der Zukunft.

 
Helmut Schleweis warnt davor, den Eindruck zu erwecken, „einen Kampf gegen die Kunden zu führen“. © Peter Himsel

Exklusiven Zugang nutzen

Sparkassen hätten sogar einen exklusiven Kundenzugang über die Präsenz vor Ort, die Sichtbarkeit im Stadtbild, und dadurch, dass die Häuser sich aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligen. „Big-Techs können viel – aber nicht Filiale“, setzte Schleweis hinzu.

Um die wegbrechenden Zinserträge auszugleichen, bedürfe es besserer und komfortabler Lösungen für die Kunden. Da diese sich zunehmend für einen einzigen Anbieter entschieden, über den sie zahlen und ihre Daten bündeln, sollten sie dies bei der Sparkasse tun.

Finanzielles Zuhause bieten

Daher baue die Gruppe mit der Finanzplattform für Privat- und Firmenkunden ein finanzielles Zuhause für die Kunden. Um hierüber auch Bedarfe abzudecken, die über finanzwirtschaftliche Kernprodukte hinausgehen, sei es nötig, noch stärker mit anderen Anbietern zu kooperieren, etwa mit dem Handel oder mit Fintechs.

Durch Fokussierung mehr Relevanz beim Kunden

Es sei schon vieles in Arbeit, was helfen könne, Erträge der Zukunft zu heben, so Schleweis. Allerdings würden Chancen zu oft verschenkt. Schleweis benannte zum Beispiel
⇒ eine unüberschaubare Produkt- und Prozessvielfalt,
⇒ unterschiedlichste Release-Stände in den Häusern und
⇒ einen uneinheitlichen Auftritt unter einer gemeinsamen Marke.

Der DSGV-Präsident sprach auch strukturelle Themen offen an: „Niemand hat bisher ausgerechnet, wieviel Geld uns derzeit durch Doppelarbeiten und widerstreitende strategische Ansätze in der Gruppe verlorengeht.“ Aber alle spürten, „dass es uns zu langsam macht für die Erwartungen der Kunden - da müssen wir ran.“

Zentralinstitutsidee wird vorangetrieben

Als deutlichen Schritt in die richtige Richtung bewertet Schleweis den Entschluss der Verbandsvorsteher und der Landesobleute der Sparkassen-Finanzgruppe, dass die deutschen Sparkassen die Idee eines Zentralinstituts weiter vorantreiben wollen. „Die deutschen Sparkassen wollen und brauchen ein von ihnen gemeinschaftlich getragenes Zentralinstitut vor allem, um ihre eigene Marktposition zu verbessern“, wiederholte Schleweis seine frühere Forderung.

In einem ersten Schritt werde der DSGV mit der Deka und der Helaba Gespräche aufnehmen, mit dem Ziel der Prüfung einer engeren Zusammenarbeit beider Institute; dies war das Ergebnis einer gemeinschaftlichen Sitzung der Verbandsvorsteher und der Landesobleute wenige Tage zuvor gewesen.

 
„Die deutschen Sparkassen wollen und brauchen ein von ihnen gemeinschaftlich getragenes Zentralinstitut." Helmut Schleweis bei der Vorstände-Arbeitstagung am 10. Oktober 2019 in Berlin. © Himsel

Verbände und Sparkassen müssen sich auch bewegen

Dies sei aber nicht die einzige notwendige Veränderung, so der DSGV-Präsident. Die Verbandsvorsteher und Landesobleute hätten durchgreifende Maßnahmen gefordert, um die Sparkassen betriebswirtschaftlich zu entlasten und um neue Ertragspotenziale zu erschließen.

„Wir müssen alle unsere Zusammenarbeit radikal ändern“, forderte Schleweis. Im DSGV arbeiteten rund 350 Leute – ein Tausendstel der Gruppe. In den Verbänden nochmal 3500 – ein Hundertstel. Und in den Stäben arbeiteten 35 000 Menschen. „Damit könnte man schon etwas bewegen“, so Schleweis: „Wenn nicht immer das nochmal durchgearbeitet würde, was vorher schon (womöglich mehrfach) erarbeitet wurde.“

Denkverbote nicht vorgesehen

Die Geschäftsstelle des DSGV habe Aufträge erhalten, um die notwendigen Veränderungen beschlussreif vorzubereiten. „Das machen wir“, so Schleweis. Denkverbote seien nicht ausgesprochen worden. Denn jetzt gebe es die Chance, ein neues Fundament einzuziehen, auf dem die Sparkassen weiterhin sicher stehen können.