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| Baden-Württemberg

„Den Kunden geht es um Sicherheit“

Spar-Begeisterung im Südwesten – trotz drohender Minuszinsen: Vier Fragen an den SVBW-Präsidenten Peter Schneider.

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DSZ: Herr Schneider, die Kunden tragen ihr Geld zur Sparkasse wie nie zuvor. Warum tun sie das angesichts der Nullzinssituation?
Peter Schneider: In der Tat sind die Kundeneinlagen bei den Sparkassen in Baden-Württemberg 2019 um weitere fünf Prozent gestiegen. Solche Steigerungsraten kannten wir früher nicht. Da haben wir uns schon über ein Prozent Plus gefreut. Es geht den Kunden vor allem um die Sicherheit und sie wissen, dass die Sparkassen so lange wie möglich auf Negativzinsen für den weit überwiegenden Teil der Privatkunden verzichten werden.

DSZ: Dennoch geht die Angst der Anleger vor Minuszinsen um. Inwieweit ist die berechtigt?
Schneider: Diese Angst ist leider eine Folge der Geldpolitik der EZB, die den Markt immer weiter ins Minus treibt. Die überwiegende Zahl der Sparkassenkunden wird aber voraussichtlich nicht von Negativzinsen betroffen sein, da ihre Sparbestände nicht in Größenordnungen liegen, die von einem Verwahrentgelt betroffen wären. Denn es geht ja nicht um eine neue Einnahmequelle, sondern um die Abwehr von zu vielen neuen Einlagen. Im Grunde wollen die Sparkassen keine Negativzinsen einführen, denn sie widersprechen unserem Auftrag und unserer Grundüberzeugung. Aber gleichzeitig können wir auch nicht tatenlos zusehen, wenn einzelne Häuser mit Einlagen geflutet werden, weil zum Beispiel ein relevanter Wettbewerber vor Ort Negativzinsen ankündigt.

DSZ: Auf der anderen Seite vermelden Sie Rekordzusagen bei der Darlehensvergabe. Wofür nutzen Privatkunden das Geld?
Schneider: Der Hauptzweck sind weiterhin Immobilien. Diese Kredite machen 85 Prozent des Bestands der Darlehen für Privatkunden aus. Und hier wächst der Betrag weiterhin mit großer Dynamik – 2019 mit einem satten Plus von 6,5 Prozent und damit dem größten Zuwachs in den vergangenen zehn Jahren.

DSZ: Ein Blick auf die Seite der Unternehmenskunden: Insbesondere aufgrund der kritischen Situation des Bereichs Automotive hätte man vor allem in Baden-Württemberg deutliche Bremsspuren erwarten können. Warum ist dies nicht der Fall?
Schneider: Unsere Zahlen sind ja immer Querschnittszahlen durch alle 51 Häuser. Natürlich gibt es Bremsspuren im Automobil-Bereich, aber gleichzeitig sind andere Branchen gut in Fahrt: Nach wie vor alles rund um den Bau, verschiedenste Dienstleistungen, der Handel etc. Daher sind die Zahlen insgesamt so positiv. Die künftige Struktur der Automobilindustrie in Baden-Württemberg bleibt aber eine Herausforderung.

Hier lesen Sie den Bericht zur Bilanzpressekonferenz der Sparkassen im Südwesten.