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| Rheinischer Sparkassen- und Giroverband

„Träumen Sie mal ein bisschen“

Mit diesem für Banker ungewöhnlichen Appell endete ein Vortrag bei der Strategietagung des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands (RSGV).

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Bei der insgesamt zum neunten Mal durchgeführten Veranstaltung ging es – wie traditionell – um die Herausforderungen, denen sich (nicht nur) die rheinischen Sparkassen stellen müssen. Alexander Wüerst, Landesobmann der rheinischen Sparkassen und Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln, stimmte die mehr als 90 Teilnehmer eindringlich auf die Themen ein:

⇒ das Spannungsfeld von Niedrig- beziehungsweise Negativzinsen und dadurch sinkenden Erträgen,

⇒ die Konkurrenz durch Big und Fin Techs, der Zwang nach schnellen Antworten in einer digitalisierten Welt,

⇒ die nach wie vor hohe Regulierung,

⇒ eine immer schwerer werdende Suche nach geeigneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Sparkassen wollen zum Sprachrohr werden

 
DSGV-Präsident Helmut Schleweis: „Wir werden auch die aktuellen Herausforderungen schaffen.“

Trotz der großen entsprechenden Herausforderungen zeigte sich Wüerst zuversichtlich, dass die Sparkassen es schaffen werden: „Unsere Marke kann Kult bleiben. Schwierig? Ja. Unmöglich: Nein.“

In dem Zusammenhang ergänzte DSGV-Präsident Helmut Schleweis: „Die Sparkassen haben das Kaiserreich, zwei Weltkriege und zwei Inflationen erlebt. Ich denke, wir werden auch die aktuellen Herausforderungen schaffen.“

Das Geschäftsmodell der Sparkassen sei stark wegen ihres öffentlichen Auftrages und wegen ihrer Kundennähe. Als Marktführer hätten sie eine besondere Verantwortung für die Kundinnen und Kunden, zu deren Sprachrohr sie sich verstärkt machen sollten.

 
Alexander Wüerst, Landesobmann der rheinischen Sparkassen: „Unsere Marke kann Kult bleiben.“ © RSGV

„Um diese Daten beneiden Sie andere“

Die teilweise über Jahrzehnte gewachsenen Kundenbeziehungen und die daraus resultierenden Daten seien in der heutigen Zeit ein enormer Schatz, den es zu bewahren, wenn nicht sogar zu verteidigen gelte. „Um diese Daten beneiden Sie andere“, so Patrick Schilling, „damit können Sie sich viel besser als andere die Vorteile der künstlichen Intelligenz zunutze machen. Überlegen Sie, warum Sie Ihr Geschäft machen und verbinden das mit dem, was technologisch möglich ist. Und gestatten Sie sich auch Träume, vielleicht sind dann auf einmal noch ganz andere Produkte möglich.“

Die immense Bedeutung der Daten unterstrich auch Florian Haagen, Geschäftsführer und Gründer der finAPI GmbH, in seinem Vortrag über „PSD2 & die digitale Vielfalt“. Heute sei es egal, wo zum Beispiel ein Konto geführt werde. Entscheidend sei nur noch, wer die Daten und damit den Kundenkontakt habe. PSD2 werde das Thema Banking fundamental verändern, da es aus Kreditinstituten nur noch Transaktionsabwickler machen könne.

Stärker vom Kundennutzen her denken

In den kommenden Jahren werde es einen zunehmenden Wettbewerb zwischen den verschiedenen Frontends geben; es gewinne der, der vorne exzellent sei. Noch sei es ein Vorteil der Sparkassen, dass sie die Kundenbeziehungen hätten. Aber: Sie sollten das Thema größer, noch stärker vom Kundennutzen her denken.

Die weiteren Vorträge auf der Strategietagung waren: „Generation Z & die Arbeit mit Digital Natives“ (Prof. Antje-Britta Mörstedt, Private Hochschule Göttingen) und „Der europäische Finanzmarkt und seine Infrastruktur – innovativ, integrativ und international“ (Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank).

Vier Themenforen

Zudem konnten sich die Teilnehmer in vier Themenforen intensiver mit folgenden Inhalten auseinandersetzen:

Personal: Ausbildung der Zukunft (Karin-Brigitte Göbel, Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf, und Prof. Patrick Müller, Hochschule für Technik, Stuttgart),

Markt und Vertrieb: Data Analytics (Stefan Grunwald, Vorstandsvorsitzender der Stadt-Sparkasse Solingen, Helmut Schiffer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Essen, und Christian Damaschke, Geschäftsführer, S Rating und Risikosysteme GmbH),

Betrieb: Rentabilitätsinitiative 2.0 (Frank Grebe, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Gummersbach, und Thomas Pennartz) und „Steuerung: Künstliche Intelligenz – das Ende der Datensammlung“ (Uwe Willner, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Düren, und Lars Holzgraefe, Sopra Steria Consulting).