Anzeige
| Sparkasse Dortmund – Interview

„Wer bei uns arbeitet, muss Menschen mögen“

Dirk Schaufelberger, seit einem halben Jahr Vorstandschef der Sparkasse Dortmund, erklärt, warum sein Haus sowohl Tanker als auch Schnellboot sein soll.

Anzeige

DSZ: Herr Schaufelberger, vor gut einem halben Jahr haben Sie den Vorsitz in einem von vier auf drei Mitglieder verkleinerten Vorstand der Sparkasse Dortmund übernommen. Wie geht es Ihnen heute nach rund sechs Monaten?
Dirk Schaufelberger: Mir geht’s gut.

DSZ: Wirklich? Das war doch anfangs sicher eine Menge Arbeit?
Schaufelberger: Ja klar. Das waren sogar sehr dynamische Monate. Und sie sind es auch immer noch. Aber ich habe das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind.

DSZ: Was heißt das genau?
Schaufelberger: Wir mussten uns zunächst als Vorstand neu sortieren. Die Aufgaben, die vorher von vier Vorstandsmitgliedern geschultert wurden, mussten auf drei Vorstände verteilt werden. Jeder von uns musste seinen Arbeitsplatz neu sortieren. Da sind wir mittendrin, das ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Aber wir konnten in diesen Monaten bereits einige richtungweisende Entscheidungen treffen. Diese dann auch in der Umsetzung anzuschieben, ja, das war schon viel Arbeit.

DSZ: Sie waren bislang schon stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei der Sparkasse Dortmund. Zuletzt sind Sie an der Spitze der größten Sparkasse in Westfalen. Wo ist der Unterschied zu Ihrer vorherigen Position?
Schaufelberger: Vorab: Wir sind als Vorstand ein Kollektivorgan. Das einzige, was ich formal mehr machen darf als meine Kollegen, ist die Geschäftsverteilung. Das tue ich natürlich nicht, ohne vorher mit den anderen darüber diskutiert zu haben. Aber ich spüre schon einen gewissen Rollenwechsel, weniger Teammanagement, mehr Leadermanagement.

Das wird ganz klar von mir beziehungsweise der Funktion, die ich innehabe, erwartet. Als Vorstandsvorsitzender rückt man mehr in den Fokus, ist einerseits als Moderator gefordert. Andererseits muss man selbst eindeutig Positionen beziehen. Das ist sehr spannend und herausfordernd für mich, aber auch für unseren Vorstand als Ganzes.

 
„Wir sehen viele neue Chancen und Marktentwicklungen. Dafür brauchen wir schnelle Entscheidungen“, sagt Dirk Schaufelberger. © Sparkasse Dortmund/ Oliver Schaper

DSZ: Warum haben Sie den Vorstand verkleinert?
Schaufelberger: Die Finanzwelt – wie die Wirtschaft insgesamt – ist stark in Bewegung. Schauen Sie sich nur die Entwicklungen auf den Kapitalmärkten an. Da steckt eine wahnsinnige Dynamik drin. Das verlangt zunehmend höhere Entscheidungsgeschwindigkeiten – auch von so einem traditionell breit aufgestellten Haus, wie wir eines sind. Wir sehen viele neue Chancen und Marktentwicklungen. Dafür brauchen wir schnelle Entscheidungen. Und wir gehen voran, wenn es um strukturelle Veränderungen in unserem Haus geht.

Sie sehen Ihr Haus also eher als „Schnellboot“ denn als „Tanker“?
Schaufelberger: Sowohl als auch. Wir müssen beides sein. „Tanker“ steht für Solidität, Verlässlichkeit, für den Sturm gewappnet, auch für ein Stück weit Wertkonservativität. Das ist unsere Tradition, aus der wir kommen und die uns groß und stark gemacht hat. Wir sind überzeugt: Je schneller sich unsere Welt dreht, desto mehr Halt und Orientierung brauchen die Menschen. Und damit auch unsere Kunden.

Die neue Herausforderung ist es zudem, Markttrends, neue Märkte und Marktnischen zu erkennen und zu besetzen. Dazu brauchen wir das „Schnellboot“. Nehmen Sie nur das Riesenthema Digitalisierung. Wir wollen dort, wo sich analoge Netzwerkstrukturen in ein digitales Ökosystem verändern, eine zentrale Rolle spielen.

DSZ: Wie kann das aussehen?
Schaufelberger: Was ist denn der Kern der Digitalisierung? Sie wirkt insbesondere dort, wo es darum geht, einfache, bislang meist manuell ausgeführte Prozesse zu transformieren, die ein hohes Maß an Convenience schaffen. Beispiel Zahlungsverkehr: Der ist heute schon hochgradig digital. Unsere Kunden wollen ihre Geldübertragungen mit hoher Geschwindigkeit erledigen. Also müssen wir Services anbieten, die genau diese Nachfrage decken, und zwar unkompliziert, schnell, sicher und effizient.

Auf unser Geschäftsmodell bezogen heißt das: Wir machen Angebote, die das Leben einfacher und leichter machen. Ein Beispiel ist die Fotoüberweisung. Wir werden solche Angebote künftig noch viel häufiger machen. Da sind wir mittendrin im Prozess und können im Verbund mit den anderen Sparkassenorganisationen schon gute Lösungen anbieten. Das ist die eine Seite der Digitalisierung…

DSZ: … und die andere?
Schaufelberger: Wir verzeichnen einen zunehmenden Bedarf an Beratung. Wir geben unseren Kunden Antworten auf Finanzfragen, zeigen ihnen gerade in der aktuellen Situation von Null- und Minuszinsen und Verwahrentgelten Alternativen zu herkömmlichen, zinsbasierten Anlageformen. Für viele unserer Kunden sind finanzwirtschaftliche Fragestellungen eher unbequem. Viele machen sich nicht klar, dass sie jeden Tag, den sie nicht handeln, aktiv Geld verlieren.

Unsere Verpflichtung ist es, unsere Kunden auf diese Situation aufmerksam zu machen und zu verdeutlichen, dass Nichtstun die schlechteste aller Alternativen ist. Wir geben Antworten und Unterstützung bei für die jeweiligen Lebenslagen wichtigen Finanzentscheidungen, schaffen so Mehrwerte und damit letztendlich Vertrauen.

Die Kündigung der Prämiensparverträge war eine große Herausforderung. Als die auch für Sparkassen negativen Schlagzeilen durch die Medien schwappten, hatten wir bereits einen Großteil unserer davon betroffenen Kunden brieflich informiert und mit der Mehrzahl in den Filialen vor Ort sprechen können. Das Verständnis der meisten Kunden für die Besonderheit gerade dieser Kapitalmarktsituation war groß. Viele sind den von uns vorgeschlagenen und empfohlenen alternativen Anlagenvorschlägen gefolgt. Die Medienberichte haben diese Vertrauenssituation zum Glück nicht nachhaltig beeinflussen können.

DSZ: Was sind weitere Mehrwerte für Sie, mit denen Sie beim Kunden punkten wollen?
Schaufelberger: Dazu gehören Services, die einen klaren Vorteil und Nutzen bringen. Ein Beispiel: Wann braucht man eine Auslandskrankenversicherung? Typischerweise, wenn man ins Ausland fliegt. Dann ist es doch naheliegend, am Flughafen Beacons aufzustellen, an dem der Kunde beim Einchecken seine Versicherung abschließen kann – nicht eher und nicht später.

Ein anderes Beispiel: Mit regionalen Anbietern, wie etwa dem Dortmunder Messezentrum Westfalenhallen, stehen wir im Dialog, um attraktive Leistungspakete zu schnüren. Das tun wir in Teilen bereits für bestimmte Kundenkreise, denen wir bevorzugte Kartenkontingente anbieten. Diese Services werden wir ausbauen. Am Schluss wollen wir im direkten Leistungsvergleich im Wettbewerb natürlich zeigen, dass wir viel und mehr zu bieten haben.

DSZ: Dortmund entwickelt sich von einer einst von Kohle und Stahl geprägten Großstadt zu einer pulsierenden Hightech- und Dienstleistungs-Metropole. Wie positioniert sich die Sparkasse Dortmund in diesem Prozess?
Schaufelberger: Ich bin jetzt mal ganz unbescheiden: Die Sparkasse Dortmund war und ist in diesem von Ihnen beschriebenen positiven Prozess ein wichtiger Treiber. Die Stadt musste sich nach dem Niedergang von Kohle und Stahl neu erfinden. Dortmund hat heute beispielsweise eine hoch innovative und starke Start-up-Szene. Die Sparkasse Dortmund bietet jungen Unternehmen und Unternehmern als eine von wenigen Sparkassen in Deutschland auch Wagniskapital an. In Zusammenarbeit mit anderen Partnern haben wir einen Fonds entwickelt, der aufgrund der erfolgreichen Nachfrage nun in die dritte Runde geht und die Existenzgründungsfinanzierung in Form von Fremdkapital ergänzt.

 
Dortmund: Die einstige Kohlestadt entwickelt sich zur pulsierenden Hightech- und Dienstleistungs-Metropole. Die Sparkasse befördert den Wandel. © dpa

Wir finanzieren die meisten Existenzgründungen in der Stadt und ermöglichen damit für viele den wirtschaftlichen Rahmen, welchen sie brauchen, um in einen Markt einzusteigen und zu wachsen. Das Schönste für uns ist, wenn es uns gelingt, Unternehmen von der Existenzgründung zu einem soliden Unternehmen zu entwickeln. Das sind dann auch treue Kunden, die erkennen, dass wirtschaftlicher Erfolg und eine nachhaltige Existenzsicherung eine solide finanzielle Basis brauchen. Und diese bietet ihnen die Sparkasse Dortmund.

DSZ: Was bedeutet das für die Positionierung der Sparkasse Dortmund im lokalen Wettbewerb? Werden Sie sich mehr auf besondere Finanzgeschäfte fokussieren oder bleiben Sie „Eine für alle“?
Schaufelberger: Wir haben einen Auftrag, ja, eine Verpflichtung: Wir sind allen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt verpflichtet – ungeachtet von sozialen Schichten, von Herkunft, von politischer Ausrichtung. Das ist unsere DNA, die auch unsere rund 1600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich leben und vorleben. Wer bei uns arbeitet, muss Menschen mögen. Wir stehen für alle Dortmunder als Partnerin in allen finanzwirtschaftlichen Fragen zur Verfügung.

Das zeigt unsere hohe Marktdurchdringung. Natürlich gibt es Spezialisierungen und einzelne Zielgruppen, die uns attraktive Chancen eröffnen, beispielsweise bei Heilberufen oder in speziellen Branchen. Da gibt es spezifische Bedürfnisstrukturen, die wir erkennen und bedienen wollen. Das gilt auch für Zielgruppen mit Migrationshintergründen. Wir wären doch dumm, wenn wir diese Entwicklungen nicht nutzen würden. Eines muss ich aber noch hinzufügen …

DSZ: … tun Sie das, bitte …
Schaufelberger: Die Sparkasse Dortmund ist die größte lokale Förderin von Kunst, Kultur und Sport. Wir geben jedes Jahr einen beträchtlichen Teil der Rendite als Bürgerdividende an die Stadtgesellschaft zurück. Wir sind im analogen Ökosystem Dortmund hervorragend positioniert. Dazu gehört auch unsere Governance-Struktur. Wir sind in öffentlicher Trägerschaft und am Gemeinwohl orientiert. Unsere wichtige Aufgabe ist es, dieses Alleinstellungsmerkmal immer wieder deutlich zu machen und hinreichend in die Öffentlichkeit zu transportieren.

 
Seit 2014 bei der Sparkasse Dortmund: Dirk Schaufelberger. © Sparkasse Dortmund/Oliver Schaper

Zur Person:

Ein Rheinländer in Westfalen

Dirk Schaufelberger hat im Juli 2019 den Vorsitz im Vorstand der Sparkasse Dortmund übernommen; nach vier Jahren im Vorstand des Hauses. Seit 2018 war der heute 50-Jährige bereits stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Der gebürtige Siegburger absolvierte nach Abitur und Grundwehrdienst seine Ausbildung zum Bankkaufmann von 1990 bis 1993 bei der Kreissparkasse Siegburg. Das im Rahmen eines Traineeprogrammes absolvierte Studium BWL und Wirtschaftspädagogik an der Universität Köln schloss er 1997 ab. Im Anschluss arbeitete er zwei Jahre als Personalreferent bei der Kreissparkasse Siegburg.

Im Jahr 1999 wechselte Schaufelberger zur Stadtsparkasse Köln, wo er fünf Jahre lang als Abteilungsleiter für die Personalentwicklung und -beratung verantwortlich war. Danach als Direktor für den Zentralbereich Bankservice und Outsourcing-Management, dann als Direktor Privatkundengeschäft Köln Innenstadt war er von 2004 bis 2010 bei der Sparkasse KölnBonn tätig.

Vor seiner Berufung in den Vorstand der Sparkasse Dortmund 2014 war Schaufelberger als Geschäftsführer der Kredit-Service-Agentur Rheinland beziehungsweise als Direktor für das Kredit-Center bei der Sparkasse KölnBonn beschäftigt. 2018 übernahm er den stellvertretenden Vorsitz des Vorstands der Sparkasse Dortmund. Sein Credo: „Man muss Menschen mögen!“