Anzeige
| Regulierung

Aufsicht gibt geändertes Verfahren zur Ableitung der Eigenmittelzielkennziffer (EMZK) bekannt

Die Aufsicht hat ihre neue Methodik zur Ermittlung der Eigenmittelzielkennziffer 2019 in der Sitzung des Fachgremiums MaRisk am 27. September 2019 bekanntgegeben.

Anzeige

Sie setzt dabei auf die Ergebnisse des LSI-Stresstests auf. Zur Ermittlung der Eigenmittelzielkennziffer wird der stärkste Rückgang der CET 1-Quote der Jahre 2019-2021 (hartes Kernkapital) jeweils gegenüber 2018 herangezogen. Dieses sogenannte „Delta“ wird mit 65 Prozent multipliziert. Somit erfolgt auf die Stresstest-Ergebnisse ein Abschlag von 35 Prozent, mit dem die methodischen Kritikpunkte abgegolten sind (Abschaffung der Dämpfungseffekte des Bucketsystems, fehlende Berücksichtigung von Wertaufholungseffekten im Wertpapiereigengeschäft, Ausdehnung der Abschreibungen auf Wertpapiere auf das Anlagevermögen, Abbildung von drei Belastungsjahren, etc.). Mit berücksichtigt hat die Aufsicht auch die im LSI-Stresstest beobachtete Niveauerhöhung der Belastungen. Das Ergebnis wird zugunsten des Instituts abgerundet. Anschließend erfolgt eine Verrechnung mit dem Kapitalerhaltungspuffer (nicht mit dem antizyklischen Kapitalpuffer). Das verbleibende Ergebnis ergibt die jeweilige Höhe der Eigenmittelzielkennziffer. Die Aufsicht rückt damit vom bisherigen „Bucket-System“ ab. Gedeckelt ist die Eigenmittelzielkennziffer wie bisher auf 10,0 Prozent-Punkte.

Erste Analysen des DSGV zeigen bei einer Vielzahl von Instituten durch die geänderte Methodik Entlastungseffekte in der zusätzlichen Eigenmittelbindung der EMZK oberhalb des Kapitalerhaltungspuffers. Jedoch werden einzelne Sparkassen auch zusätzliche Eigenmittel vorhalten müssen bzw. wird ein Großteil der Sparkassen keine Änderung der Eigenmittelerwartung erhalten. Insgesamt zeichnen sich jedoch auf Basis erster Hochrechnungen für die Sparkassen-Finanzgruppe Entlastungseffekte ab.

Die Aufsicht erwartet eine Unterlegung dieser Kennziffer mit hartem Kernkapital. Nach Ansicht der Aufsicht ist dies notwendig, um ausreichend Kapital im Stressfall vorzuhalten. Die DK war hier anderer Auffassung und hatte im Vorfeld der Sitzung schriftlich dafür plädiert, auch andere Kapitalbestandteile (Tier 2) zuzulassen. Sollten einzelne Institute nicht über ausreichend hohe Bestände an hartem Kernkapital verfügen, so könnten diese Institute die Kapitallücke mit freien Paragraf 340f HGB-Vorsorgereserven füllen. Dies müsste seitens der Institute individuell der Aufsicht mitgeteilt werden und wird von Aufsichtsseite als „Maßnahme“ akzeptiert. Eine pauschale Anrechnung von freien Vorsorgereserven ist damit nicht möglich, wobei der grundsätzliche Charakter einer Eigenmittelerwartung gegenüber einer Anforderung bestehen bleibt.

Mehr Informationen von:

Christina.Wehmeier@dsgv.de

Christina.Pfaff@dsgv.de

Joerg.Friedberg@dsgv.de