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| Diebstahlschutz

Bye-bye Bankräuber

Eine Straftat stirbt aus. In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Überfälle auf Filialen gesunken. Dennoch ist das Interesse von Bankräubern an Bargeld ungebrochen. Beliebtes Ziel: Geldautomaten.

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„Hände hoch – das ist ein Überfall“ – wild gestikuliert ein maskierter Mann mit einer Handfeuerwaffe vor einem Sparkassenmitarbeiter. Hektisch zwingt ihn der Bank­räuber das Bargeld in eine Plastiktüte zu stecken. Als der Straftäter das Geld in der Hand hält, macht er sich unerkannt durch die belebte Innenstadt aus dem Staub.

Solche oder ähnliche Szene erleben Mitarbeiter von Sparkassenfilialen in Deutschland leider immer wieder. Für die Betroffenen ist es ein Albtraum, ein Schock fürs Leben. Doch es gibt eine gute Nachricht: Das Risiko, Opfer eines bewaffneten Banküberfalls zu werden, ist in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Ein Grund ist, dass die Sparkasse bei der Absicherung ihrer Filialen vor Übergriffen aufrüsten.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Banküberfall verhindert und aufgeklärt wird, ist erheblich gestiegen, weil wir permanent in die Verbesserung der Sicherheitstechniken investieren“, erklärt Kerstin Berghoff-Ising, die als Vorstandsmitglied bei der Sparkasse Hannover für Organisation, Personal, Revision und Compliance verantwortlich ist. Zeitgleich sei „der Bargeldbestand auf Filialen verringert worden“. Damit seien für die Täter „erfolgreiche und lukrative Banküberfälle kaum noch möglich“.

 
Der Geldautomat im Zentrum krimineller Banden: Gegen Attacken helfen sicherheitstechnische Schutzschilde. © Getty

Ähnlich sieht das die Frankfurter Sparkasse: „In unserem Geschäftsgebiet gibt es in der Tat immer weniger klassische Banküberfälle – zum Glück! Die Zahl ist in den letzten Jahren kontinuierlich rückläufig. Trotzdem kam es leider auch in den letzten Jahren gelegentlich zu solchen Ereignissen. Die Entwicklung führen wir vor allem auf die gestiegenen Sicherheitsvorkehrungen in den Filialen zurück, häufig haben die Beschäftigten ja keinen oder zumindest keinen unmittelbaren Zugriff mehr auf Barbestände“, sagt eine Sprecherin.

Ob Überwachungskameras, Alarmanlagen oder DNA-­Analysen – immer weniger Bankräuber trauen sich, eine Filiale zu überfallen. Dennoch bleibt ihr Interesse an Bargeld ungebrochen. Ihr begehrtes Ziel: Geldautomaten. „Erkennbar ist, dass eine Verlagerung des klassischen Banküberfalls auf die moderne Variante des Banküberfalls, nämlich den Angriff auf Geldautomaten, stattfindet“, sagt Vorstandsmitglied Berghoff-Ising. Geldautomaten-Sprengungen und Jackpotting-Angriffe nähmen zu und stellten eine neue Herausforderung dar. Hier sei derzeit noch das Risiko, entdeckt zu werden geringer und die potenzielle Beute höher.

Das schätzt die Sparkasse München ähnlich ein. Das Kassengeschäft, also der Bargeldverkehr am Schalter, nehme zwar einerseits um etwa ein bis drei Prozent jährlich ab, so ein Sprecher des Instituts. Er verlagere sich jedoch auf die SB-Geräte wie Geldautomaten: Ein-/Auszahler, Auszahler und Münzeinzahlgeräte.

Dass die Bankräuber zunehmend SB-Geräte ins Visier nehmen, belegen auch Daten des Bundeskriminalamts (BKA) aus dem vergangenen Jahr. Demnach sprengten Kriminelle im Jahr 2017 Geldautomaten von Banken und Sparkassen in 268 Fällen, um an Bares zu kommen. Davon waren 129 Attacken „erfolgreich“.


 

In den übrigen Fällen blieb es beim Versuch, allerdings häufig verbunden mit erheblichen Sachschäden. Besonders betroffen waren Geldautomaten in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg. Experten gehen davon aus, dass 2018 deutschlandweit mehr Geldautomaten als 2017 gesprengt wurden. Doch für die Kriminellen lohnen sich die Taten kaum. „Die durch die Straftaten verursachten Sachschäden übersteigen die Beuteschäden in vielen Fällen deutlich“, heißt es im BKA-Lagebericht. Zahlen nennt die Behörde hierzu nicht.

Neutralisierte Gaseinleitungen – eingefärbte Geldscheine

Mit dem Ziel, Menschen und Sachwerte zu schützen, statten Sparkassen ihre Automaten sicherheitstechnisch entsprechend aus, um diese Angriffe zu vermeiden oder zumindest die Tatausführung erheblich zu erschweren. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist eine Technik, einströmendes Gas in Geldautomaten zu neutralisieren. Denn Gas gehört bei den Automatenknackern zu einer der beliebtesten Methoden, um ein SB-Gerät aufzubrechen. Möglich ist aber auch eine andere Technologie: Hier wird das Geld nach einer Sprengung eingefärbt. Damit wird den Tätern die Beuteverwertung maßgeblich erschwert.

„Sparkassen setzen für ihre SB-Geldautomaten Sicherungskonzepte ein, die durch das Zusammenwirken von baulichen, mechanischen, elektronischen und organisatorischen Maßnahmen auf eine höchst mögliche Prävention und Vermeidung von Tatanreizen fokussieren“, sagt Elke Vincke aus der Abteilung Betriebswirtschaft beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Idealerweise wirkten diese Maßnahmen nicht nur erfolgsverhindernd, sondern tatverhindernd.

Deutlich senken die Sparkassen das Risiko von Bank- überfällen für die Mitarbeiter auch mithilfe veränderter Filialkonzepte. Das zeigt sich bei der Sparkasse Bremen, die ein neues Stadtteilkonzept verfolgt. Das Institut unterscheidet zwischen der Stadtteilfiliale und der Zweigstelle. Die Zweigstelle bietet weiterhin die klassischen Servicedienstleistungen wie Kassengeschäft, Sparbücher, Geldautomaten und Schließfächer an.

Die Mitarbeitenden der Stadtteilfiliale stehen den Kunden hingegen für Beratungsleistungen, Mehrwertservices und Dienstleistungen zur Verfügung, wie Alex­ander Löde, Leiter einer Stadtteilfiliale der Sparkasse Bremen, erklärt. Das Risiko eines Überfalls werde hier als eher gering eingestuft, da es kein Bargeld in den Räumlichkeiten gibt. Bei Veranstaltungen liege die Zahl der Teilnehmenden zwischen 15 und 50 Personen. Auch hier ist das Risiko eines Überfalls eher gering, sagt Löde. Zusätzlich sei „die Raumgestaltung in der Stadtteilfiliale sehr offen, so dass ein Überfall sofort bemerkt werden würde“.

Besonders aufwändig gestalten sich Reparaturarbeiten als Folge von Geldautomatensprengungen im Eingangsbereich einer mitarbeiterbesetzten Filiale. Nach Sprengattacken besteht das Risiko, dass die Geschäftsstelle über Monate geschlossen werden muss, um umfassende Reparaturen auszuführen. Das beeinträchtigt das Geschäft vor Ort, Kunden müssen auf andere Filialen ausweichen. Dies wiederum birgt für die Institute zusätzliche Probleme – vor allem in ländlichen Regionen. Hier haben viele Sparkassen eher kleinere Filialen, die meist personell zu knapp besetzt sind, um zusätzliche Kundenströme abzufedern.

„Die Zusammensetzung des Geschäftsstellenportfolios – SB-Standort, Filiale, Beratungscenter – basiert insbesondere auf der geschäftspolitischen Entscheidung der Sparkasse, das Leistungsportfolio nachfragegerecht am jeweiligen Geschäftsstellenstandort zu gestalten“, sagt DSGV-Expertin Vincke. „Der Maßnahmen-Mix für die entsprechenden Sicherungsmaßnahmen ist unter Berücksichtigung der geltenden Vorgaben – beispielsweise UVV-Kassen bei mitarbeiterbesetzten Standorten – und in Abhängigkeit von der jeweiligen Risikolage des Standorts entsprechend auszurichten.“

Erhebliche Gefahren für unbeteiligte Dritte

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lässt sich das Risiko von Personenschäden nicht ganz ausräumen. Durch Sprengungen von Geldautomaten entstünden im Einzelfall erhebliche Gefahren für unbeteiligte Dritte, berichtet das Bundeskriminalamt (BKA), wenngleich die Täter in den meisten Fällen Tatzeiten auswählten, zu denen keine Kundenfrequenz mehr zu erwarten sei. Unabhängig vom Aufstellungsort des Geldautomatens gingen von Trümmerteilen und Splittern Risiken aus, die von den Tätern nicht abgeschätzt werden könnten, teilt das BKA mit.

Bei Geldautomatensprengungen hat es die Polizei mit gut organisierten Tätergruppen zu tun. Insbesondere die Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen haben dem Bundeskriminalamt zufolge ergeben, dass dort vorrangig aus Ballungszentren in den Niederlanden, beispielsweise aus Amsterdam und Utrecht stammende niederländische Staatsangehörige mit marokkanischem Migrationshintergrund entsprechende Straftaten verübten.

Mit dem wachsenden Zahlungsverkehr über virtuelle Plattformen sehen sich die Sparkassen aber zunehmend mit einem anderen Sicherheitsthema im Bankgewerbe konfrontiert: der Cyberkriminalität. „Hier ist die potenzielle Beute höher als bei einem Banküberfall und die Aufklärungsrate niedriger. Deshalb rückt die Bekämpfung der Cyberkriminalität immer mehr in den Fokus“, sagt Sparkassenvorstandsmitglied Kerstin Berghoff-Ising. Doch auch gegen diese Angriffe sind die Sparkassen gut gerüstet.