Anzeige
| Banksteuerung

Der Rotstift reicht nicht

Die Niedrig- und Negativzinsen bleiben auf Jahre die dominante Rahmenbedingung für das Bankgeschäft. Ein Umdenken könnte mit dem Thema Nachhaltigkeit verbunden sein, so Karl-Peter Schackmann-Fallis (DSGV) auf der 16. Fachtagung zu „Risikocontrolling und -management“ in Berlin.

Anzeige

Der diesjährige Stresstest habe die materielle Belastung der Banken und Sparkassen durch die wegbrechenden Zinserträge überdeutlich gezeigt, so das Geschäftsführende Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) auf der Tagung weiter. „Die noch guten Ergebnisse werden wir nicht fortschreiben können, weil in allen bisherigen Märkten – Einlagen, Kredite, Eigenanlage – völlig neue Regeln gelten“, so Schackmann-Fallis. Was im letzten Stresstest der Bafin noch ein Krisenszenario war, sei jetzt Realität.

 
„Wir wollen das Vertrauen unserer Kunden erhalten“, so Karl-Peter Schackmann-Fallis. Minuszinsen könnte diesen Grundsatz gefährden. © Himsel

„Wir befinden uns in einem Spannungsfeld, in dem die Institute zeitgleich zum Wegbrechen der Zinseinkünfte steigenden Eigenkapitalanforderungen gegenüberstehen“, so Schackmann-Fallis. Es werde nicht reichen, sich effizienter aufzustellen. Produktion und Prozesse in der Sparkassen-Finanzgruppe gehörten auf den Prüfstand. „Hier ist unser aller Kreativität und Können gefragt“, fügte er hinzu.

Sehr deutlich warnte Schackmann-Fallis vor möglichen Auswirkungen von Minuszinsen auf die Einlagen bei Sparkassen von Privatkunden. „Wir wollen das Vertrauen unserer Kunden erhalten“, bekräftigte er und räumte zugleich ein: „Der Umgang mit Negativzinsen kann immer nur vor Ort unter konkreten geschäftspolitischen Erwägungen erfolgen.“

Die Chancen der Nachhaltigkeit nutzen

Ein neuer Megatrend könnte dabei eine Chance für die Sparkassen sein. „Nachhaltigkeit ist ein existenzielles Thema, das viele Menschen bewegt und in den nächsten Jahren und Jahrzehnten große Veränderungen bringen wird“, so Schackmann-Fallis. „Darauf müssen uns nicht erst unsere Kinder am Freitagnachmittag aufmerksam machen“, fügte er mit Blick auf die „Fridays for Future“-Bewegung hinzu.

 
Die Kürzungsvorschläge von Controllern, um Kosten in den Griff zu bekommen und effizienter zu arbeiten, würden nicht ausreichen, um die wegbrechenden Erträge im Negativzinsumfeld aufzufangen, so Schackmann-Fallis. © Himsel

Die Regulierungsinitiativen der Politik würden auch fundamentale Bestandteile des Geschäftsmodells der Sparkassen betreffen. Diese sollten nicht erst darauf warten, was vonseiten der Regulierer verändert werde. „Sparkassen sind ein Teil der Gesellschaft und werden an der Umgestaltung beteiligt sein“, so Schackmann-Fallis. „Wir müssen die damit verbundenen Chancen nutzen.“

Die Gefahren seitens der Regulierung verdeutlichte der DSGV-Manager anhand des Bafin-Merkblatts zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken. Dabei sei die Finanzaufsicht „in vielen Teilen weit über das Ziel hinausgeschossen“, ohne dass ein entsprechender Nutzen erkennbar werde. Vor allem die Vorstellungen zur Geschäftsorganisation und zum Risikomanagement würden einen massiven Eingriff darstellen. Die Sparkassen würde „ein sehr hoher zusätzlicher Aufwand“ erwarten.

 
Viel zum Nachdenken und Aufschreiben gab es für die Besucher der Tagung – nicht nur beim Auftaktredner, sondern auch später in den Arbeitsgruppen. © Himsel

„Um künftig auch weiter im Wettbewerb um Kunden und Mitarbeiter erfolgreich zu sein, brauchen wir ein nachhaltiges Geschäftsmodell und die Integration von Nachhaltigkeit in die Geschäftsstrategie der Sparkassen“, sagte Schackmann-Fallis. „Wir brauchen dazu auch ein glaubwürdiges Produktangebot. Denn wir sind Ansprechpartner in Finanzfragen für alle gesellschaftlichen Schichten.“

Einlagensicherung ist eine existentielle Bedrohung

Eine weitere Sorge für die Sparkassen-Finanzgruppe sei die politische Diskussion über die Vollendung der europäischen Bankenunion. Bei dieser werde von einigen Politikern die europäische Einlagensicherung Edis wie das „Sahnehäubchen“ der Bankenunion beschrieben, doch sei dies für Sparkassen ein riskantes Unterfangen. Der Vorschlag der EU-Kommission sehe eine vollständige Überführung der Zielausstattung der einzelnen nationalen Sicherungsfonds in einen zentralen europäischen Fonds vor, warnte Schackmann-Fallis.

 
Gut besucht war die Fachtagung im Berliner Sparkassenhaus. Praxisbeispiele und Initiativen, wie auf den Ertragsdruck der Sparkassen reagiert werden kann, standen im Fokus der Besucher.

„Damit wäre die Institutssicherung ihrer Finanzmittel beraubt und könnte ihre heutigen Funktionen nicht länger erfüllen“, sagte Schackmann-Fallis. Auch die aufsichtsrechtliche Gleichstellung von verbundinternen und konzerninternen Geschäften wäre nicht länger gegeben.

Die strukturellen Auswirkungen auf die Verbundsysteme in Deutschland wären enorm. Das Bundesfinanzministerium dränge darauf, die Bankenunion zu vollenden. Und Olaf Scholz habe sich mit einem Vorschlag in Form eines Non-Papers in die Diskussion eingebracht. Zur konkreten Ausgestaltung seien aber noch viele Fragen offen, so Schackmann-Fallis. Er wies zudem darauf hin, dass hier Widersprüche zwischen den Aufgaben des Bundesfinanzministers und den parteipolitischen Ambitionen von Scholz bestünden.