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| Stadtentwicklung

Ein Tor zur Stadt

Bahnstadt Heidelberg, Fernbahnhof Altona, Bahnhofsvorstadt Eisenach: Sparkassen prägen als Investoren großer Projekte das Stadtbild. Sie beleben dadurch Viertel und fördern neue ökologische Bauweisen.

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Wer die Zukunft des deutschen Städtebaus erleben will, sollte eine Adresse auf Google Maps eingeben: Langer Anger, 69115 Heidelberg. Dort stampft die Neckar- Metropole auf einem ehemaligen Güterbahnhof ein komplett neues Stadtviertel aus dem Boden. Kernstück des 116 Hektar großen Areals ist die derzeit größte Passivhaus-Siedlung der Welt. Das Besondere: Die Häuser sind extrem energieeffizient und benötigen kaum Heizung. Das spart nicht nur Geld, sondern sorgt für eine hervorragende CO2-Bilanz. Finanzier dieses milliardenschweren Vorzeigeprojekts ist die Sparkasse Heidelberg. „Uns hat die städtische Vorgabe, den gesamten Stadtteil im Passivhausstandard zu errichten, im Sinne der Nachhaltigkeit überzeugt“, sagt Sparkassenchef Rainer Arens. „Dieses Konzept war einer der Gründe, die Entwicklung der Bahnstadt maßgeblich zu begleiten.“

Denn für Investoren ist das Projekt äußerst ambitioniert. „Wir waren uns bewusst, dass mit dieser Vorgabe das übliche Renditedenken normaler Investoren nicht umsetzbar ist“, so Arens. „Wir waren aber auch sicher, dass wir genügend Unterstützer auf Investorenseite finden würden, die gemeinsam mit uns und der Stadt den Weg der Nachhaltigkeit aus Überzeugung mitgehen würden.“ 

 
116 Hektar misst das Areal der Heidelberger Bahnstadt. Kernstück des neuen Stadtviertels ist die derzeit größte Passivhaus-Siedlung der Welt. © Sparkasse

Das Bauvorhaben passt genau in die Strategie der Sparkasse, die sich für Nachhaltigkeit einsetzt. „Sie ist fester Bestandteil der DNA unseres Hauses“, unterstreicht Arens. So verfügt das Institut seit 2008 über ein Kompetenzcenter Erneuerbare Energien. Und dessen Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen: Die Sparkasse hat – unter anderem für Fotovoltaikanlagen – inzwischen rund 171 Millionen Euro an Kunden ausgereicht. Mit den Öko-Projekten wurden mehr als 67 000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) eingespart. „Das entspricht dem durchschnittlichen jährlichen CO2-Ausstoß von 22 500 Pkws“, rechnet Arens vor.

Als erstes Kreditinstitut präsent

Der Lange Anger hilft der Sparkasse Heidelberg auch, ihre Marktposition zu festigen. „Wir wollen das gesellschaftliche Leben in unserer Region immer weiter verbessern“, sagt der Vorstandschef. Dazu zähle auch, Wohnraum für die Bevölkerung zu schaffen und zugleich die Wirtschaft zu fördern. Das sei mit der Bahnstadt hervorragend gelungen. So haben sich dort gerade junge Familien, innovative Unternehmen und viel Einzelhandel angesiedelt. Aber auch kulturelle Einrichtungen, eine Kita und eine Schule sind dabei. Von dem neuen Stadtviertel erhofft sich die Sparkasse auch neue Kundschaft und ein Profitieren im Privat- und Firmenkundengeschäft. Arens: „Natürlich waren wir schon sehr früh als erstes Kreditinstitut in der Bahnstadt mit einer neuen Filiale vertreten, um auch den wichtigen Bereich der Finanzdienstleistungen für die neuen Bewohner und Unternehmen optimal abzudecken.“ Dass sich daraus neue oder erweiterte Kundenverbindungen beziehungsweise Finanzierungspotenziale ergeben, war durchaus gewollt.

Der Lange Anger ist für Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, ein Projekt, das die Sparkassen-Finanzgruppe als Stadtentwickler derzeit besonders auszeichnet: „Traditionell und bis heute ist die Tätigkeit von Sparkassen nicht primär am Gewinn orientiert, sondern an den Aufgaben in der Region“, so Dedy. Dieser Prämisse folgend engagierten sich Sparkassen auch bei der Finanzierung von Projekten der Stadtentwicklung, die mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Verbindung stehen.

Dafür sei die Passivhaus-Siedlung auf den Flächen der Heidelberger Bahnstadt ein gutes Beispiel. „Es belegt, dass sich Investitionen in nachhaltige Stadtentwicklung rechnen können“, sagt Dedy. Er begrüßt deshalb das Engagement der Sparkassen, sich verstärkt für die Stadtentwicklung einzusetzen. Dies entlaste den hart umkämpften Wohnungsmarkt. „Qualitativ hochwertig, an Klimaschutz und Nachhaltigkeit orientiert und dennoch bezahlbar Wohnraum zu bauen, schließt sich nicht aus“, so der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags. Es sei vielmehr wesentlich, um dem derzeit herrschenden Wohnungsmangel in Groß- und Mittelstädten zu begegnen.

Einfluss auf Immobilienpreise

Dabei komme der Sparkassen-Finanzgruppe eine besondere Aufgabe zu: „Sparkassen haben als Immobilienmakler und Immobilienhalter Einfluss auf die Preisentwicklung der jeweiligen Quartiere“, sagt Dedy. Und sie hätten auch eine Verantwortung, im Rahmen ihrer Möglichkeiten dämpfend auf die Preisentwicklungen einzuwirken.

Die Sparkasse Heidelberg ist nicht das einzige Institut, das großangelegte Städtebauprojekte vorantreibt. In Hamburg setzt die Hamburger Sparkasse ein ebenso ehrgeiziges Vorhaben in einer deutschen Metropole um: den neuen Fernbahnhof Altona. Dabei hat das positive Image der Sparkasse geholfen, das Bauvorhaben als Co-Finanzierer an Land zu ziehen. „Gerade bei sensiblen innerstädtischen Projekten oder bei der Vergabe öffentlicher Grundstücke wird heute sehr genau darauf geachtet, welcher Investor den Zuschlag bekommt“, sagt Haspa-Bereichsleiter Winfried Jastrembski.

Bei der Haspa wisse man, dass im breiten öffentlichen Interesse gehandelt werde. „Das verschafft uns und unseren Kunden einen großen Vorsprung - insbesondere gegenüber der auswärtigen Konkurrenz.“ Das Vorhaben realisiert die Haspa-PeB zusammen mit Procom Invest. Das Konsortium dieses Immobilienprojekts, an dem die Haspa-PeB zu 30 Prozent beteiligt ist, hatte sich in einem EU-weiten Wettbewerb durchgesetzt.

Hotel, Büros, Fahrradparkhaus

Konkret geplant ist am heutigen S-Bahnstation Diebsteich ein Gebäudeensemble, das aus zwei Hochhäusern besteht. Hier wird das Bahnbetriebsgebäude der Deutschen Bahn integriert. Die 58 und 76 Meter hohen Türme sollen die Empfangshalle flankieren und den Fernbahnhof zu einer neuen Landmarke in der Silhouette des Stadtteils Altona machen. Im nördlichen Hochhaus ist ein Drei-Sterne-Hotel mit 200 Zimmern und einer Sky-Bar geplant, das südliche Hochhaus ist als Büroturm vorgesehen. Besonders unterstrichen wird die großstädtische Anmutung der Bahnhofshalle durch eine zwölf Meter hohe Überdachung des Vorplatzes. An die Empfangshalle schließen sich das Reisezentrum der Deutschen Bahn sowie Läden und Gastronomie an. Vorgesehen ist zudem ein von der Stadt gefordertes Fahrradparkhaus mit mehr als 1000 Stellplätzen.

Dass immer mehr Sparkassen an großen Städtebauten beteiligen, hat verschiedene Gründe. Die Institute beleben hierdurch nicht nur ganze Stadtviertel, die häufig durch einen Investitionsstau der öffentlichen Hand an Attraktivität verloren haben. Sie helfen auch durch neue moderne Bauweisen, die Umwelt zu fördern. Dies kommt in der Bevölkerung gut an und fördert zugleich das Image der Sparkassen bei ihren Kunden. Davon ist auch Andreas Franken überzeugt. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Franken-Consulting, die Finanzdienstleister und Kommunen bei Immobilienprojekten berät. „Zumeist wird es in der regionalen Öffentlichkeit positiv aufgenommen, wenn sich ein Unternehmen im Sinne einer Corporate-Social-Responsibilty um die Region bemüht“, so der Experte. Da Sparkassen ohnehin dem Gemeinnützigkeitsprinzip verpflichtet seien und regional agierten, passten Städtebauprojekte besonders gut zu ihnen.

Zudem sei das Fachpersonal der Sparkassen mit den lokalen Gegebenheiten vertraut und oftmals bestens vernetzt. „Durch die aktive Entwicklung der Region profitiert die Sparkasse mindestens doppelt, indem sie einerseits eine Baumaßnahme durchführt – an der sie verdienen kann – und indem sie strategisch Akzente zur Standortentwicklung setzt“, so Franken.

Große Hoffnung setzt auch die Wartburg-Sparkasse auf ein städtebauliches Vorhaben, um Eisenach attraktiver zu machen. Aus einem rund 30.000 Quadratmeter großen Gelände einer alten Farbenfabrik soll ein neuer Anziehungspunkt für die thüringische Stadt werden. Geplant sind ein Fachmarktzentrum, ein Parkhaus sowie eine Tagungshalle und ein Hotel. Dank einer Konsortialfinanzierung unter Führung der Wartburg-Sparkasse können bisher losgelöste Viertel wieder mit der Kernstadt verbunden werden.

Anja Walther, Abteilungsleiterin Firmenkunden-Center bei der Wartburg-Sparkasse, verspricht sich für die 43 000 Einwohner zählende Stadt mehr Wirtschaftswachstum. „Wir sehen das Projekt als einen weiteren Schritt, Kaufkraft in der Region zu binden und Eisenach als Standort attraktiver zu gestalten“, sagt Walther. Dabei profitiert auch die Sparkasse von dem Mega-Projekt. „Aufgrund der regionalen Bindung partizipiert die Sparkasse natürlich langfristig sowohl im Privat- als auch im Firmenkundengeschäft an der wirtschaftlichen Stärke unserer Region“, sagt Walther. Man freue sich, durch die Finanzierung die neuen Chancen, die durch die Schließung der Baulücke und die Anbindung des Geländes an die Innenstadt entstehen, unterstützen zu können.

Durch den Neubau beheben die Wartburg-Sparkasse und die May-Gruppe aus Itzehoe, die hier ein Fachmarktzentrum errichtet, zugleich eine alte Umweltsünde auf dem Gelände. „Mit dem Vorhaben ‚Tor zur Stadt‘ wird eine Industriebrache an der Grenze zur Innenstadt Eisenachs beseitigt“, fasst Andreas Reinemann, stellvertretender Abteilungsleiter Firmenkundencenter, zusammen. Die Flächen waren unter anderem mit Arsen kontaminiert. Diese Belastungen hatte eine Lackfabrik hinterlassen, die bis in die 1960-er Jahre an dem Standort beheimatet war. So verhelfen die Wartburg-Sparkasse, die Sparkasse Lüneburg und die Landesbank Hessen-Thüringen, die gemeinsam in dem Vorhaben engagiert sind, Eisenach attraktiver zu machen – für Mensch und Umwelt.