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| Außenhandelsfinanzierung

Früher Tage – jetzt Minuten

Die Landesbank Baden-Württemberg hat erneut ein Handelsgeschäft in kürzester Zeit über die Blockchain abgewickelt. Auch Sparkassen können von der Technik profitieren.

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Die Blockchain gilt als die Zukunftstechnik der Finanzbranche. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) kann schon heute Ergebnisse vorweisen. Die Stuttgarter Landesbank hat kürzlich ein weiteres Geschäft über die Blockchain-Technologie Corda abgewickelt.

Handelspartner waren der Automobilhersteller Daimler und der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr. Es ging um die Lieferung einer Auswuchtanlage der Dürr-Tochter Schenck. Die LBBW hat dafür die Finanzierung und Zahlungszusage übernommen.

"Bei dieser Transaktion haben wir erstmals die volle Abwicklung auf den bestandsführenden Systemen der Bank erfolgreich getestet – ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Produktionsreife“, sagt Matthias Heuser, LBBW-Leiter International Trade and Payment Solutions.

 
Die Landesbank in Stuttgart sammelt schon heute Erfahrungen mit der Zukunftstechnik Blockchain. Diesmal ging es um eine Transaktion in der Automobilbranche. © dpa

Bei der Blockchain handele es sich um eine Art dezentral verwaltete Datenbank, bei der alle Mitglieder volle Schreib- und Leseberechtigung haben. Basis der Blockchain ist die Distributed-Ledger-Technologie (DLT). Distributed Ledger bedute soviel wie verteiltes Kontenbuch.

Dritte Transaktion über das Marco-Polo-Netzwerk

Ziel der Landesbank sei es, Praxiserfahrungen mit der innovativen Technologie zu sammeln und gemeinsam mit Kernkunden und weiteren Partnern im Außenhandelsgeschäft die Entwicklung eines Trade-Finance-Ökosystems auf DLT-Basis voranzutreiben.

Eingebettet war die Daimler-Dürr-Transaktion in das Marco-Polo-Netzwerk, eines der weltweit größten und am schnellsten wachsenden Handelsfinanzierungsnetzwerke auf Blockchain-Basis. Die LBBW ist diesem Netzwerk 2018 als Gründungsmitglied und als erstes Unternehmen aus der Sparkassen Finanzgruppe beigetreten. Inzwischen gehören auch BayernLB, Helaba und der Marktfolge-Dienstleister S-Servicepartner dem Netzwerk an.

Für die LBBW war der Daimler-Dürr-Deal bereits die dritte Pilottransaktion über Marco Polo. Im März 2019 hatte die Landesbank bereits zwei Geschäfte mit den Industrieunternehmen Voith und KSB abgewickelt. Hier ging es um die Lieferung von hydraulischen Spezialkupplungen von Deutschland nach China sowie um die Lieferung von Pumpen innerhalb Deutschlands.

Absicherung komplexer Transaktionen binnen weniger Minuten

Die Daimler-Dürr-Transaktion habe gezeigt, dass sich mithilfe der Blockchain und dank der enormen Prozessbeschleunigung hohe Effizienzgewinne erzielen lassen, sagen die LBBW-Experten.

Die Absicherung von Außenhandelsfinanzierungen auf herkömmliche Weise sei komplex, aufwändig und dauere meist mehrere Tage. Das liege an Medienbrüchen, an der großen Zahl der beteiligten Intermediäre – etwa Logistikern, Versicherern oder Zollbehörden – und den hin- und her gehenden Papierdokumenten. Die Distributed Ledger Technologie verkürze diese Abläufe auf wenige Minuten.

Von dieser Entwicklung könnten prinzipiell auch die Sparkassen profitieren, sagt Rüdiger Schoß, Pressesprecher der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Marco Polo sei ein innovatives Projekt im für den deutschen Mittelstand wichtigen Außenhandelsgeschäft.

Dank effizienter und unkomplizierte Prozessabbildung könnten auch kleinere Kunden mit wenig Know-how in der Handelsfinanzierung von diesem Angebot profitieren. "Dies ist wiederum für die Sparkassen von Vorteil, da die wahrgenommene Kompetenz der Sparkassen im Trade Finance erhöht wird", sagt Schoß.

Hohe Effizienzgewinne auch auf dem Schuldscheinmarkt

Solch hohe Effizienzgewinne wie in der Handelsfinanzierung sind grundsätzlich auch auf dem Schuldscheinmarkt möglich. Hier hat die LBBW in diesem Frühjahr erstmals Kauf und Rückzahlung eines Geldmarktpapiers allein über die Blockchain abgewickelt. Investor war die MEAG, der Vermögensverwalter des Rückversicherers Munich Re, Emissionsgesellschaft die in Irland gelistete „Weinberg Capital DAC“.

Das Papier hatte ein Volumen von einer Million Euro und einer Laufzeit von fünf Tagen. Zuvor schon hatte die LBBW Schuldscheine auf Blockchain-Basis für Daimler und die spanische Telefongesellschaft Telefonica emittiert. Dabei handelte es sich aber eher um Testläufe, denn parallel dazu wurde das Geschäft auch noch auf herkömmlichem Wege abgewickelt.

Beim Smart Contract erübrigen sich aufwändige Dokumentationen

Erklären lassen sich all diese außergewöhnlichen Effizienzsprünge mit sogenannten Smart Contracts. Diese Vertragsgestaltung erlaubt es dank Blockchain-Einsatz, Abläufe wie etwa die Zahlung einer Rechnung oder die Lieferung einer Ware automatisch auszulösen, sobald vereinbarte Bedingungen erfüllt sind. Herkömmliche zeit- und kostenaufwändige Dokumentationen erübrigen sich damit.

„Wir sind aus unseren Erfahrungen nach wie vor vom Nutzen der Blockchain in bestimmten Anwendungsfeldern überzeugt", sagt LBBW-Pressesprecher Schoß. Die Blockchain-Technologie sei mehr als ein Hype.

Derzeit befinde sich die Entwicklung allerdings in einer Art Übergangsstadium. Banken, Unternehmen, akademische Institutionen und Regulierungsbehörden müssten noch "harte Bretter bohren, um alles zum Fliegen zu bringen". Es werde noch eine Weile dauern, bis alle Voraussetzungen für die Verwendung der Technik als Basis der Industrie 4.0 und der Verschmelzung von Finanzbranche und Realwirtschaft gegeben seien.