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| Taunus Sparkasse

Gemeinsame Filialen noch in diesem Jahr

Die Wettbewerber Frankfurter Volksbank und Taunus Sparkasse wollen ihre Kunden noch in diesem Jahr in gemeinsam betriebenen Filialen bedienen.

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Insgesamt 26 Standorte im Hochtaunuskreis und im Main-Taunus-Kreis sollen bis spätestens Ende 2021 zu sogenannten Finanzpunkten umgestaltet werden, sodass dort Kunden beider Geldhäuser eine Anlaufstelle haben. Insgesamt wollen die beiden Institute 50 ihrer Standorte zusammenlegen. Die beiden Häuser bezeichnen ihr „bundesweit einmaliges Kooperationsmodell“ als „wichtige Initiative zum Erhalt regionaler Infrastruktur“.

 
Wettbewerber mit gemeinsamen Filialen: Oliver Klink (rot) und Eva Wunsch-Weber (blau). © Sparkasse/Volksbank

Oliver Klink, Vorstandsvorsitzender der Taunus Sparkasse, sagte: „Ein ganz neuer Gedanke – sowohl für uns als auch für unsere Kunden – konsequent zu Ende gedacht.“ Das sei entscheidend, denn Banken und Sparkassen seien aufgefordert, ihren Kunden neue Antworten zu geben. Klink: „Mit unserer Lösung, den gemeinsam von Volksbank und Sparkasse betriebenen Finanzpunkten, sichern und stärken wir unsere Präsenz in der Region.“ Der Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse und sein Stellvertreter, die Landräte Ulrich Krebs (Hochtaunuskreis) und Michael Cyriax (Main-Taunus-Kreis), äußerten sich „überzeugt“ von dem Konzept.

 
Rot und blau: Finanzpunkt-Innenraum an Tagen der Sparkasse ... © Sparkasse/Volksbank
 
... und an Tagen der Volksbank. © Sparkasse/Volksbank

Eva Wunsch-Weber, Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank, sagte: „Wir nutzen gemeinsame Räumlichkeiten, bleiben dabei aber selbstverständlich Wettbewerber. Die Kunden können sich also weiterhin vor Ort für das Institut ihres Vertrauens entscheiden. Damit sind die Finanzpunkte auch ein Beitrag zur Erhaltung der lokalen Infrastruktur in der Region.“ Aufsichtsratschef Hans-Dieter Hillmoth sprach dem Konzept einen „Signalcharakter weit über unsere Region Frankfurt/Rhein-Main hinaus“ zu.

Die Filialen mit Beratung sollen an vier Tagen pro Woche wechselweise von Mitarbeitern der Sparkasse und der Volksbank bedient werden. Die gemeinsam betriebenen SB-Filialen und Geldautomaten können Kunden beider Institute nutzen.

Umbau von zehn Filialen im laufenden Jahr

Die ersten zehn Filialen sollen noch 2019 umgebaut werden, teilten die Frankfurter Volksbank und die Taunus Sparkasse heute mit. Die SparkassenZeitung hatte bereits über das Projekt berichtet. Sparkasse und Volksbank werden nach deren Angaben in den kommenden Jahren gemeinsam bis zu fünf Millionen Euro in das Projekt stecken. Von der Zusammenlegung erhofften sich die beiden Geldinstitute jeweils Einsparungen in einstelliger Millionenhöhe, weil Filialen geschlossen und weniger Mitarbeiter gebraucht werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

„Erstmalig haben mit unseren beiden Instituten eine Sparkasse und eine Volksbank eine flächendeckende Kooperation vereinbart – über alle Grenzen der tradierten Säulen des Bankwesens hinweg“, sagte die Vorstandsvorsitzende der zweitgrößten Volksbank Deutschlands bei der Vorstellung des Konzepts am Dienstag in Sulzbach im Taunus.

 
An 26 „Finanzpunkten“ wollen Taunus Sparkasse und Frankfurter Volksbank ihre Dienstleistungen unter einem Dach anbieten. © Sparkasse/Volksbank

Die Taunus Sparkasse betreibt bisher nach eigenen Angaben 45 Zweigstellen in den Kreisen Main-Taunus und Hochtaunus, die im Umland der Finanzmetropole Frankfurt liegen. Die Frankfurter Volksbank deckt neben der Stadt auch nahezu die gesamte Region ab; sie ist die zweitgrößte Volksbank in Deutschland.

Verzicht auf Marke „problematisch“

Die gemeinsame Nutzung von Infrastrukturangeboten sei sowohl aus ökonomischen Gründen als auch für die Kunden in einzelnen Regionen nichts Ungewöhnliches, heißt es beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Sparkassen und Genossenschaftsbanken teilten sich Räumlichkeiten auf dem Land in Einzelfällen schon seit mehr als 20 Jahren.

Aus markenstrategischer Sicht sehe es der DSGV als problematisch an, dass die Sparkasse an einzelnen Tagen der Woche auf ihre Marke verzichte. Dies berge die Gefahr, die Erwartungen der Kunden, die sich bewusst für einen Anbieter entschieden haben, zu enttäuschen.

DSGV: Ein Trend ist nicht in Sicht

Andererseits sei das Signal von Sparkasse und Genossenschaftsbank, die Region nicht im Stich zu lassen und Bankdienstleistungen in der Fläche aufrechtzuerhalten, wertvoll für die Wahrnehmung der Marke – hier gelte es, jeweils sorgsam abzuwägen, so der DSGV.

Die Entscheidung der Taunus Sparkasse, künftig Filialen gemeinsam mit der Volksbank Frankfurt zu betreiben, sei vor diesem Hintergrund eine geschäftspolitische Entscheidung dieser beiden Institute.

Der DSGV ist über das Vorhaben in der vergangenen Woche informiert worden. Entscheidungen über die Anzahl von Filialen oder eventuelle Kooperationen liegen aber immer in der geschäftspolitischen Verantwortung vor Ort. Einen Trend zur gemeinsamen Nutzung von Filialen in der Fläche sehe man nicht, heißt es beim DSGV.