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| Agiles Arbeiten

Kleine Schritte statt großer Plan

Agile Methoden setzen nicht auf Langfrist-Pläne, sondern auf eine Abfolge sogenannter Sprints.

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Agilität ist eine der am häufigsten genannten Zutaten, wenn es um modernes Management geht. Agil führen, agil denken, agil handeln – das sei unabdingbar, um in einer zunehmend komplexeren, unübersichtlicheren, schnelllebigeren und kaum noch vorhersehbaren „VUCA“-Welt (siehe unten) erfolgreich zu agieren.

Agilität ist also heute im Berufsleben gefordert. Doch was ist das eigentlich? Agilität steht für die Fähigkeit eines Menschen, eines Systems oder einer Organisation, flexibel und dynamisch auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren zu können.

Loslegen, anpacken und das gemeinsame Ziel erreichen

Elastisch reagieren, die ursprüngliche Planung im laufenden Umsetzungsprozess stetig anpassen, das eigene Handeln flexibel auf äußere Einflüsse einstellen, beweglich sein also, anstatt starr einen einmal erstellten Plan zu verfolgen – das ist dynamisches, agiles Agieren.

Agile Ansätze denken denn auch nicht in Langfrist-Plänen, sondern setzen auf einen iterativen Prozess, also eine Abfolge von kurzen, überschaubaren Zyklen aus Planung und Umsetzung. Etwas mutig anpacken statt detailliert vorbereiten – das ist die innovative Devise. Einfach loslegen und sich von den ersten Ergebnissen weiterleiten lassen zum nächsten Step. Und so weiter.

 
Aufeinander aufbauende kleine Schritte, sogenannte Sprints, sollen bei agilen Arbeitsmethoden zum Ziel führen. © Shutterstock

Nach diesem dynamischen, iterativen Vorgehen funktionieren beispielsweise Methoden und An-sätze wie Design Thinking, Scrum oder Prototyping. Das Grundprinzip besteht darin, Problemlösungen, innovative Ideen oder neue Produkte nicht in einem Zug bis zur Marktreife zu entwickeln, sondern in mehreren aufeinander aufbauenden kleinschrittigen Durchläufen (Sprints), die jeweils zu Teilergebnissen führen.

Beispiel Produktentwicklung: Am Anfang steht ein Prototyp. Kunden testen ihn in realer Anwendungssituation. Ihr Feedback wird analysiert, der Prototyp entsprechend angepasst, nachgebessert, feinjustiert.

Dieser Prozess wird solange wiederholt, bis das fertige Produkt alle Anforderungen und Wünsche der Anwender erfüllt beziehungsweise bis ein Problem dauerhaft gelöst, ein Konzept überzeugend implementiert ist. Der Planungsprozess entwickelt sich also nach und nach, jeder Schritt baut auf den Ergebnissen des vorherigen auf.

 
Die sogenannte Scrum-Methode nutzt ebenfalls Elemente des agilen Arbeitens. © Shutterstock

Dieses agile Agieren kann Abläufe und Prozesse beschleunigen, kann zu schnelleren und besseren Lösungen führen als auf klassische Art und Weise. Es kann aber auch Unsicherheit oder Orientierungslosigkeit im Team erzeugen, in ungeordneten Aktionismus ausarten und damit viel Zeit und Aufwand kosten.

Zum einen, wenn Management und Team organisatorisch nicht darauf eingestellt und vorbereitet sind. Zum anderen, wenn das agile Handeln nicht an klar definierten Fernzielen orientiert ist: Auch Agilität braucht eine Basis, nämlich Klarheit über die Ziele, die mit dem agilen Handeln erreicht werden sollen.

Deshalb: Agilität darf nicht heißen, die Dinge unvorbereitet anzugehen in der Hoffnung, unterwegs schon die richtigen Entscheidungen zu treffen. Vielmehr ist für agiles Handeln eine Zielangabe vonnöten: Allen Beteiligten muss klar sein, was am Ende des gesamten Prozesses herauskommen sollte. Nur so können sie dann auch effizient experimentieren oder sprinten.

Von Agilität bis VUCA: Stichworte und Erklärungen

 
© Shutterstock

Die aktuelle Managementliteratur bringt permanent neue Begriffe, Methoden und Ansätze hervor. Nicht immer ist die Bedeutung einheitlich, die Abgrenzung trennscharf. Vieles hängt zusammen, manches wird auch synonym verwendet. Hier einige Erläuterungen:

⇒ Agilität: Fähigkeit eines Menschen, eines Systems oder einer Organisation, flexibel und dynamisch auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren zu können.

Design Thinking: Ansatz zur Problemlösung und Ideenfindung, der sich an der Vorgehensweise von Designern orientiert. Ein interdisziplinär zusammengesetztes Team arbeitet über mehrere Etappen an der Lösung, die Nutzerwünsche und -bedürfnisse am besten erfüllt.

Iterativer Prozess: Projekte werden nicht vorab bis zum Ende durchgeplant, sondern schrittweise in mehreren Zyklen angegangen.

Prototyping: Ein Produkt, eine Dienstleistung kommt zunächst als Prototyp oder Teilkomponente auf den Markt. Auf Basis des frühzeitigen Kunden-Feedbacks wird es verändert oder überarbeitet und (meist in mehreren Durchgängen) bis zur tatsächlichen Marktreife weiterentwickelt.

Scrum: Begriff aus dem American Football: Nach jedem Spielzug steckt das Team kurz die Köpfe zusammen und stimmt den nächsten Schritt ab. Heute Bezeichnung für einen agilen, iterativen Prozess, etwa bei Software-Entwicklung und Projektmanagement.

Sprint: kurzer Zyklus (ein bis zwei Wochen) im iterativen Prozess: 1. Planung von Ziel und Arbeitsschwerpunkten der Etappe; 2. tägliche Abstimmung (Daily Scrum, wenige Minuten); 3. Analyse des Sprints (Ergebnisse, Erkenntnisse) als Vorbereitung des Folgesprints. Die einzelnen Sprints sollen jeweils zu konkreten Teil- oder Zwischenergebnissen führen.

VUCA: Kurzwort für die englischen Begriffe volatility (Flüchtigkeit, Unbeständigkeit), uncertainty (Ungewissheit, Unsicherheit), complexity (Komplexität) und ambiguity (Mehrdeutigkeit) – umreißt die Welt, in der Unternehmen heute bestehen müssen.