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| Zahlungsverkehr / mit Bildergalerie / aktualisiert

Kräfte bündeln – über Säulen und Länder hinweg

Die Sparkassen wollen Innovationsführer bei Girokonten und im Zahlungsverkehr bleiben – und kooperieren dazu künftig auch mit anderen Banken. Bundesbankvorstand Burkhard Balz mahnt indes, den Blick nicht auf den deutschen Markt zu beschränken.

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Die Sparkassen sind Innovationsführer bei den Themen Girokonto und Zahlungsverkehr – und wollen das bleiben. Mit dieser Botschaft hat Joachim Schmalzl, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, die Fachtagung Girokonto und Zahlungsverkehr (4. bis 5. Dezember in Berlin) eröffnet.

Früher sei der Zahlungsverkehr eher ein Spezialistenthema gewesen, so Schmalzl. Heute stoße das Thema auf ein breites Interesse und helfe dabei, Ertragsausfälle zu kompensieren, die durch den Niedrigzins bedingt sind.

Strategie wird abgearbeitet – und ergänzt

Die bereits 2017 formulierte Girokonten- und Zahlungsverkehrs-Strategie der Sparkassen-Finanzgruppe werde weiterhin abgearbeitet. Das Girokonto werde durch digitale Neuerungen attraktiver gemacht, die Interaktionsmöglichkeiten würden ausgebaut. Der Kunde solle überall „mit der Sparkasse bezahlen“ können, über alle zeitgemäßen Bezahlformen.

Die Sparkasse müsse die finanzielle Heimat des Kunden bleiben, so Schmalzl. Kernstück der Interaktion mit dem Kunden bleibe die Filiale, in der mehr als 60 Prozent der Deutschen Abschlüsse vornehmen. Die Internetfiliale als zweite Plattform werde zu einer Finanzplattform für Privat- und Firmenkunden ausgebaut, die App entwickele sich zu einer Filiale, die der Kunde immer bei sich hat und die zur Vertriebsplattform werden solle.

Große Potenziale offeriere das Multibanking, das inzwischen 325 Sparkassen anböten. Das Opt-out-Verfahren habe sich für einen schnellen Rollout bewährt.

„Das machen wir gut, das reicht aber nicht“

Das alles mache die Gruppe gut, so Schmalzl. „Das reicht aber nicht.“ Die deutschen Kreditinstitute müssten säulenübergreifend noch stärker zusammenarbeiten, ansonsten drohten ihnen große Online-Anbieter Marktanteile abzunehmen. Die Vertreter der deutschen Kreditwirtschaft hätten daher vereinbart, Kräfte zu bündeln, gemeinschaftlich zu investieren und die Zahlverfahren in eine Systematik („X-Pay“) zu bringen. Das Angebot einer Vielzahl von Zahlverfahren unter eigenen Marken und für einzelne Einsatzzwecke sei zu kompliziert für den Kunden.

Zahlverfahren sollen europaweit gut funktionieren

Selbst das werde nicht reichen, so Schmalzl. Daher gebe es die Initiative „PEPS-I“, was für eine omnikanalfähige, pan-europäische Lösung steht. 20 Banken und der DSGV arbeiten daran, übergreifende Lösungen zu entwickeln. Der Kunde solle über seinen Dienstleister in jedem Land so einkaufen können, wie er dies wünscht.

Überdies werde sich die Sparkassen-Finanzgruppe im Auslandszahlungsverkehr verstärken, kündigte Schmalzl an. Der Marktanteil von lediglich sechs Prozent sei ausbaufähig. Mehrere Initiativen sollen hier für Verbesserung sorgen, darunter die Zahlungsverkehrsplattform AZV Neo der FI, an deren Entwicklung auch sämtliche Landesbanken mitwirken.

In jedem Land solle gelten, dass ein Privat- oder Firmenkunde der Sparkassen problemfrei bezahlen und sonstige Finanzdienstleistungen erwerben kann.

Balz: Zahlungsverkehr der Zukunft muss europäisch sein

Bundesbankvorstand Burkard Balz stellte klar: „Die Zukunft im Zahlungsverkehr ist digital.“ Der Zahlungsverkehr der Zukunft müsse europäisch sein, aber auch regional und nah am Menschen – und genau dafür seien die Sparkassen gut gerüstet, so Balz, der die digitalen Angebote der Sparkassen überaus positiv würdigte.

Dennoch sieht er mit Blick auf die Zukunft noch Handlungsbedarf, denn in einer digitalen und vernetzten Welt könne der Zahlungsverkehr nicht mehr nur in nationalen Grenzen gedacht werden. Die große Herausforderung für die kommenden Jahre sieht Balz darin, die Fragmentierung im deutschen und europäischen Zahlungsverkehr zu überwinden. Die übergroße Vielfalt der Angebote in Deutschland lasse den Kunden nämlich oft ratlos zurück, sagte der Bundesbankvorstand. Die Initiative „#DK“ sieht er als große Chance für den deutschen Markt an.

Allerdings könne „#DK“ auch nur ein erster Schritt sein. Denn angesichts des globalen Wettbewerbs brauche man europaweit eine effiziente und sichere Zahlungsinfrastruktur. Balz begrüßte es, dass deutsche Privatbanken, Genossenschaftsbanken und die Sparkassen bei der Initiative für eine paneuropäische Zahlungsverkehrs-Lösung mitarbeiten. Für eine solche Lösung sei eine außerordentlich große Kraftanstrengung nötig, räumt der Bundesbankvorstand ein. „Aber sie lohnt sich und ist wohl ohne Alternative.“