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| 4. Symbioticon des S-Hub

Kreative IT-Lösungen für morgen

Unter dem Motto #beyondtomorrow haben knapp 100 Programmierer und Kreative drei Tage lang auf der 4. Symbioticon des S-Hub innovative digitale Lösungen für die Sparkassen-Finanzgruppe entwickelt. Die besten Ideen haben gute Chancen, umgesetzt zu werden.

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Gesamtsieger des diesjährigen Hackathons des Sparkas­sen Innovation Hub (S-Hub) ist das Ham­burger Team „Techforce“. Ihre prämierte Idee: Dem europäischen Planspiel Börse der Sparkassen einen neuen, mobileren Anstrich geben.

Mit „Call of Invest“ können junge Menschen mobil ein Depot führen und spiele­risch mehr über Geldanlage und Finanzen lernen, hat Teammit­glied und Digital Art Director Johannes Zimmer in Hamburg erläutert.

Lehrer erhalten über das Portal Sparkasse.de einen Code, mit dem sich ihre jeweilige Klasse einloggen und teilnehmen kann. Ähnlich wie in einer moder­nen Investment-App gestalten Kinder und Jugendliche ihre eigenen Fonds und investieren Spielgeld, während alle verwendbaren Bausteine einzeln erklärt werden.

Örtliche Sparkasse eingebunden

 
Der Hackathon-Gesamtsieger Techforce überzeugte die Jury mit seinem Tool „Call of Invest“. © Fotos: S-Hub
In der Sparkasse vor Ort erhalten die Spieler außerdem Aktionskarten, die sie per Augmented Reality (AR) mit der Spiele-App erfassen können. Bei der Aktivierung können diese Karten mit aktuellen Themen wie ETFs oder Nachhaltigkeit verbunden werden. Über die Karten können Mit­spieler auch solange blockiert werden, bis sie Aufgaben lösen.

Das Siegerteam „Techforce“, das zugleich auch in der Kategorie „Invest“ erfolgreich war, erhält für seine Idee ein Umsetzungsbudget von 100.000 Euro. „Die spielerischen Elemente sprechen junge Menschen sofort an“, begründet Martin Waldmann, Generalbevollmächtigter und Leiter des Zen­tralstabs der Geschäftsführung der Finanz Informatik (FI), die Aus­zeich­nung. Die Bedürfnisse und Wünsche des Kunden stärker in den Fokus zu nehmen, ist aktuell eines der Hauptanliegen der ganzen Sparkassen-Finanzgruppe.

Der Gamification-Ansatz bringt jungen Menschen die Wertpapieranlage wieder näher, indem Finanzwissen vermittelt wird, ergänzt Juror Björn Schmuck, Geschäftsführer der Dekabank-Tochter Bevestor. Das Team hat danach alle Bewertungskriterien des Hackathons für die Ideen wie Kundenutzen, Innovationsgrad und Machbarkeit voll erfüllt. Ferner ist der Trend „Digital Creatives“ umfassend berücksichtigt worden.

Einbau von Megatrends Pflicht

 
© BBL
In diesem Jahr ist jedem Team als „geheime Zutat“ zusätzlich ein Mega- sowie ein Subtrend wie Individualisierung oder Direct Trade zugelost worden. Diese mussten mit ins Konzept einfließen. Die Trends kommen vom Frankfurter Zukunftsinstitut, das zwölf Megatrends und zahlreiche Subtrends als aktuelle Treiber des wirtschaftlichen und gesellschaftli­chen Wandels benannt hat (s. Abb. 1).

Beworben für den Hackathon hatten sich weltweit 65 Teams, darunter viele Informatikstudenten, Kreative und professionelle Hacker. Letztlich sind dann 23 Teams mit bis zu vier Mitgliedern aus Deutschland, den Niederlanden und Mexiko nach Hamburg eingeladen worden. Wettbewerbskategorien waren: Retail und Business Banking, Insurance, Invest und Real Estate.

Jede Gruppe musste auch 2019 wieder innerhalb von 48 Stun­den einen digitalen Prototyp oder ein technisches Konzept entwickeln und möglichst anschaulich präsentieren. Zur Seite standen dabei Experten aus der Sparkassen-Finanzgruppe für Geschäftsfelder wie Wertpapieranlage oder Privatkundengeschäft sowie API-Partner (z. B. für die Multi-Banking-App „Ahoi“ der Sparkassen) oder von Unternehmen wie Google, Microsoft und IBM.

Neben sieben Juroren vor Ort haben auch die Teambetreuer aus der S-Finanzgruppe sowie Zuschauer der in rund 200 Sparkassen gestreamten Veranstaltung online abgestimmt. Die Symbioticon, erstmals zusammen mit der Fintech Week durchgeführt, hat an den drei Tagen rund 500 Besucher gezählt.

Für Fintechs wird es zunehmend wichtig, den Spagat zwischen einem verantwortungsvollen und innovativen Umgang mit dem Geld anderer Leute hinzubekommen, glaubt Clas Beese, Geschäftsführer der Fintech Week. Der Fokus des Hackathon liegt dabei auf digitalen Innova­tionen und deren Umsetzbarkeit.

Zudem sollen die Kunden bei der Erarbeitung innovativer Ideen von An­fang an miteinbezogen werden, ergänzt Bernd Wittkamp, Geschäfts­füh­rer der Hamburger FI-Tochter Star Finanz, bei der der S-Hub angesie­delt ist. Nutzerzentrierung soll aus seiner Sicht zum Kern des Innovati­ons­pro­zesses werden.

Retail Banking: Digitale Nanny hilft berufstätigen Eltern

 
Gutes Verkaufen ist die halbe Miete: Alle Teams mussten der Jury und dem Publikum kurz und präzise ihre Idee erklären.
Dieser Zielvorgabe entsprechend hat im Geschäftsfeld „Retail Banking“ die Idee für eine digitale Nanny eines Teams von S-Markt & Mehrwert (S-MM) aus Halle (Sachsen-Anhalt) überzeugt. Mit dem Tool können sich Eltern für die mobile Lösung über ihre Online-Banking-Zugangsdaten anmelden, was die Multi-Banking-Schnittstelle Ahoi ermöglicht.

Über einen Krankmeldungs-Button kann das Kind in der Kita und vom Essen abgemeldet sowie ein Arztbesuch vereinbart werden. Das ge­sparte Essensgeld wiederum fließt in den Fondssparplan des Kindes. Außerdem hilft die App bei Suche nach Kita-Plätzen in der Nähe, vergleicht Angebote und Preise von Betreibern und errechnet mögliche Ersparnisse.

Wollen Eltern die Kita wechseln, erledigt die App volldigital den Umzug aller Lastschriftmandate und Verträge. Den Eltern bleibt mehr Zeit für die Familie, die Sparkassen erhalten einen Zugang zu den Kunden von Morgen, hat das Entwicklerteam in Hamburg erläutert. 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen werden nämlich Sparkassen­kunden, weil ihre Eltern es bereits waren.

Vor allem in Großstädten haben junge Familien häufig mit solchen Problemen zu kämpfen, so Jurymitglied Helmut Dohmen, Executive Vice President Digital Transaction Banking der Landesbank Baden-Württem­berg (LBBW). Er hält die Lösung für realitätsnah – gerade weil sie eine sehr gute Verbindung zu den Sparkassen herstellt.

Insurance: Digitaler Fitnesstrainer senkt Krankheitsrisiko

Den ersten Platz in der Kategorie „Insurance“ hat das Team IT Lab der SV Informatik, dem Systemhaus der SV Sparkassenversicherung, be­legt. Die Gruppe aus Mannheim hat mit Blick auf die Trends „Sportivity“ und „Self-Tracking“ einen digitalen Mentor kreiert, der Nutzern hilft, gesünder zu leben. Ihre App „Thrive“ sammelt die Tracking-Daten aller Bewe­gungs- und Schlaf-Apps des Nutzers, analysiert seinen aktuellen Ge­sund­heits­stand und gibt Fitness- oder Ernährungstipps.

Versicherungen können an die Lösung andocken und auf Basis der Nutzerdaten maßgeschneiderte Produkte anbieten. Über eine Cashback-Funktion kann der Kunde verfolgen, wieviel Beitrag er spart, wenn sein Risiko für Erkrankungen sinkt. Thomas Kempf, Vorsitzender der Ge­schäfts­führung der Berliner Id-fabrik, verweist darauf, dass sich „Thrive“ besonders gut an den täglichen Bedürfnissen orientiert, dem Nutzer einen Mehrwert bietet, junge Menschen an das Versicherungs­geschäft heranführt und Versicherern einen „eleganten“ Zugang zum Kunden eröffnet.

Business Banking: Ein Herz für Handwerker

 
Das mexikanische Team entschied die Kategorie „Business Banking“ für sich.
Im Geschäftsfeld „Business Banking“ hat ein Team aus Mexiko den ersten Platz belegt, das bereits Sieger beim Hackathon der Sparkas­senstiftung für internationale Kooperation in Mexiko war. Die Gruppe hat eine digitale Plattform für Handwerker für ein vereinfachtes und effizien­teres Projektmanagement mit besonderem Fokus auf dem Trend „Kollaboration“ entwickelt.

Mithilfe von „Kraftlink“ können Handwerker in Echtzeit Projekte planen, Mitarbeiter anleiten und Finanzen langfristig kalkulieren. Dadurch gewinnen sie neue Freiräume für ihre Arbeit. Kunden können jederzeit den Status ihrer Aufträge nachvollziehen. Die intelligente Lösung er­leichtert Handwerkern auf innovative Weise den Umgang mit Computern und entlastet sie von zeitraubenden administrativen Aufga­ben, betont Star Finanz-Chef und Jurymitglied Wittkamp.

Immobilien: Tausch Dein Haus

In der Wettbewerbssektion „Immobilien“ ist die Idee des Teams „#hashtag“ aus der DSV-Gruppe preisgekrönt worden. Die Teilnehmer haben ein Onlineportal für den Immobilientausch konzipiert, das zusätz­liche Angebote anzeigt und neue Zielgruppen erschließt. Viele Haus­kaufinteressenten besitzen selbst eine Immobilie, stellen diese aber erst zum Verkauf, wenn sie selbst ein Kaufobjekt in Aussicht haben.

Das Portal bringt auch Immobilien, die noch nicht auf dem Markt sind, künftig in die Sparkassenimmobilienwelt mit ein: Über eine Suchfunktion finden sich Käufer und Verkäufer, wenn ihre Suchkriterien übereinstim­men und können direkt untereinander einen Immobilientausch anbahnen. Der Kontakt per Chat oder Telefon wird über die Plattform hergestellt.

Eine Sparkasse kann wiederum durch Cross-Selling von Krediten, Finanzierungen oder Versicherungen Folgeumsätze generieren. Nichtsparkassenkunden zahlen eine Gebühr für Schufa-Abfragen. Sparkassenkunden können sich über den Identitätsdienst „Yes“ authentifizieren und den Service kostenlos nutzen. Die Sparkasse erhält bei Abschluss eine Erfolgsprämie, die niedriger als die lokal übliche Maklergebühr ist.

Jurymitglied Sascha Theissen, Bereichsleiter Strategie, Portfolio- und Innovationsmanagement der DSV-Gruppe, unterstreicht, dass die Idee in allen Bewertungskriterien überzeugt und einen klaren Nutzen für Verkäufer, Käufer und die Sparkasse hat. Zudem lassen sich andere, bereits entwickelte Technologien an die Lösung andocken.

Fazit: Innovationen schneller und mutiger angehen

 
DSV-Chef Michael Stollarz (2.v.l.) und Star Finanz-Geschäftsführer Bernd Wittkamp (rechts) sehen in der Siegeridee großes Potential. © S-Hub
Die Ideen aller Teams sind „sehr smart und hochwertig“, resümiert Theis­sen: „Die Chancen stehen gut, dass wir die eine oder andere Idee in der S-Finanzgruppe aufgreifen.“ „Je einfacher, klarer und unkompli­zierter die Idee“, so DSV-Chef Michael Stollarz auf einer Symbioticon-Podiums­diskussion, „desto besser ist sie in die breite Fläche übertragbar“.

Paradebeispiel ist die vom S-Hub entwickelte App Sam, die Doku­mente und Daten intelligent verwaltet, und gerade von verschiede­nen Pilot­sparkassen in der Fläche getestet wird. Die Bereitschaft in der S-Finanzgruppe, Innovationen einzuführen, die Kunden nachhaltig binden, ist laut Stollarz hochgradig vorhanden: „Wir haben mit unserer Kunden­basis eine tolle Ausgangsposition. Diese sollten wir allerdings noch schneller und aktiver nutzen.“

Die Sparkassen sind ein begehrter Partner für Dritte, ergänzt Wittkamp. Allerdings sind die Zeiten, in denen man den Markt ohne Partner und Kooperationen gestalten kann, lange vorbei. „Wir sind stark, wenn wir unsere Kräfte in der Gruppe bündeln – aber wir brauchen auch Partner und Schnittstellen für neue Produkte und Dienstleistungen.“ Die nächste Symbioticon findet voraussichtlich vom 24. bis 26. Novem­ber 2020 in der Frankfurter Messe gemeinsam mit dem FI-Forum statt.

Autorin
Frances Palgrave ist freie Finanz- und Wirtschaftsjournalistin in Hamburg.

Über das eintägige Fach-Forum auf der Symbioticon berichtet die Autorin an dieser Stelle ausführlich in einem weiteren Beitrag in den nächsten Wochen.

S-Hub-Hackathon: 23 Teams wetteifern um den Sieg (Mediengalerie)