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| Naspa-Zahlen / Vier Fragen an Vorstandschef Högner

Mit digitalem Schub ins neue Geschäftsjahr

Die Nassauischen Sparkasse (Naspa) zieht mit einem guten wirtschaftlichen Ergebnis eine positive Bilanz für das Geschäftsjahr 2018. Die "digitale Fitness" von Mitarbeitern und Kunden sei weiter gestiegen, sagt Vorstandschef Günter Högner im Kurzinterview.

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4 Fragen an Günter Högner, Vorstandsvorsitzender der Naspa

 
Bei der Pressekonferenz. © Henrich

DSZ: Herr Högner, jenseits der aktuell vorgestellten Bilanz- und Kennzahlen: Was ist aus Ihrer Sicht den Sparkassenkunden in Ihrer Region besonders wichtig?
Günter Högner: Vertrauen und Kompetenz sind die wesentlichen Faktoren. Wichtig ist unseren Kunden, dass wir kompetent sind. Nicht nur persönlich, sondern auch digital. Immer dann, wenn es um die Frage von Beratung rund um das Thema Finanzen geht. Sobald ein Kunde Beratung braucht, weiß er: Hier habe ich alle Kanäle. Hier habe ich alle Ansprechpartner. Man kennt mich. Ich kann der Sparkasse vertrauen. Wir haben eine gute Reputation. Diese Werte sind aus meiner Sicht ganz wichtig, darauf können sich unsere Kunden auch in der Zukunft verlassen.

DSZ: Über Digitalisierung wird viel gesprochen – wie "digital" sind die Naspa-Kunden, und wie äußert sich das?
Högner: Die Kunden sind natürlich unterschiedlich und spiegeln sich im Querschnitt der Bevölkerung wider. Ich glaube, wir können die Kunden digital gewinnen, und zwar in jeder Altersgruppe. Wichtig ist, dass wir zeigen, wie es geht und selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Wir wollen unsere Kunden coachen und ihnen ein Erlebnis bieten. Wenn sie dann sagen: "Hier habe ich etwas Neues gelernt, das begeistert mich", wird klar: Digitalisierung macht eben vieles bequemer. Es ist leicht, Serviceleistungen in Anspruch zu nehmen, Überweisungsaufträge einfach zu fotografieren, bargeldlos zu zahlen. Der Kunde kann 24/7 seine Kontostände und -bewegungen sehen. Die Begeisterung kommt dann automatisch über alle Generationen. Wir können einen Beitrag dazu leisten und unseren Kunden zeigen, was möglich ist.

DSZ: Welche Produkte und Services bietet die Naspa heute, die Sie sich selbst vor ein paar Jahren noch nicht hätten vorstellen können? Wie wird das genutzt und welches Feedback bekommen Sie?
Högner: Da gibt es einiges. Heute überweise ich zum Beispiel per Foto. Hätten Sie mich vor fünf Jahren gefragt, hätte ich gedacht: Gibt es nicht. Heute kann auch in Echtzeit überwiesen werden: Das Geld geht sofort auf dem Konto des Empfängers ein. Das gab es bis vor Kurzem nicht. Konten können per Videolegitimation eröffnet werden. Ein Kontowechsel von Bank A nach B war vor Jahren noch eine mittlere Katastrophe. Das können Kunden heute bei uns per App machen. Wir zeigen es ihnen gerne.

DSZ: Also vieles geht schneller, einfacher…
Högner: Schneller, einfacher, bequemer. Die Technologie ist keine Bedrohung. Ich empfinde sie in allen Lebensbereichen als höchst angenehm und komfortabel.

Zu den Zahlen der Naspa

Der Vorstand der Naspa hat sich mit Blick auf das Jahr 2018 zufrieden gezeigt. Der Jahresüberschuss lag mit 50,6 Millionen Euro zwar 3,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis, aber nach wie vor auf hohem Niveau. Noch wichtiger sei eine Kennzahl, die die Belastbarkeit von Kreditinstituten zeigt: das Kernkapital. „Das ist bei uns in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich gewachsen – von 763 auf 1021 Millionen Euro. Die Substanz der Naspa ist damit nach dem Geschäftsjahr nachhaltig gestärkt.“ Das berichtete Günter Högner, Vorstandsvorsitzender Naspa, bei der Vorlage der Geschäftszahlen 2018 im Wiesbadener Stammhaus vor Journalisten. Die Kundeneinlagen sind um 3,7 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro gewachsen. Das koste die Bank mehrere Millionen Euro. „Unsere Privatkunden werden wir so lange wie möglich von Negativzinsen für ihre Einlagen verschonen, bei Firmenkunden müssen wir fallbezogen weitergeben, was wir an die EZB bezahlen müssen“, sagte Högner. Wenn die EZB-Politik so weitergeführt würde, wird es früher oder später Konsequenzen haben müssen.

 

Die Kreditzusagen an Privat- und Firmenkunden zeigen ein deutliches Plus um rund 18 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro. Bei der Wohnungsbaufinanzierung hat das zugesagte Volumen um rund zwölf Prozent auf 580 Millionen Euro zugelegt. Der Zinsüberschuss verringerte sich durch die Geldpolitik der EZB gegenüber dem Vorjahr erwartungsgemäß auf 234,3 Millionen Euro (2017: 240,7 Millionen Euro). Der Provisionsüberschuss liegt mit 65,9 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Die schwierige Situation im Wertpapiergeschäft, verursacht durch die volatilen Börsen, konnte durch Erträge bei Lebensversicherungen und anderen Dienstleistungen kompensiert werden. Die Verwaltungsaufwendungen sind leicht gestiegen, um 2,6 auf 196,5 Millionen Euro. Die Cost-Income-Ratio ist mit 66,5 Prozent (2017: 64,4 Prozent) zwar leicht gestiegen, aber immer noch zufriedenstellend vor dem Hintergrund eines starken Wettbewerbsumfelds.

Persönliche und digitale Kompetenz

Nach wie vor sei die Bedeutung der Filialen und der persönlichen Präsenz enorm wichtig. „Aber wir haben wieder kräftig in den Ausbau unseres digitalen Angebots und das entsprechende Know-how unserer Mitarbeiter investiert“, ergänzte der Vorstandsvorsitzende. Die mehr als 1600 Mitarbeiter hätten alle einen Tablet-PC zur Verfügung gestellt bekommen. „Da steckt eine klare Strategie dahinter: Wir sehen das als Investition in die Zukunft, nicht nur in die technische Ausstattung", so Högner. Vor allem könnten alle ihr Gerät auch privat nutzen ohne Einschränkung. Mit dem Gerät sollen die Mitarbeiter nun einen "digitalen Führerschein" machen. Das sei zwar ein enormer Aufwand für die Sparkasse, aber die rund 12.000 Stunden in die persönliche digitale Fitness zu investieren, sei zielführend. Zunächst sind 50 sogenannten Digi-Multis speziell ausgebildet worden, die erste Ansprechpartner in allen Fragen rund um Onlinebanking und digitale Services sind und intern ihr Wissen weitergeben. Aber auch ohne diese Maßnahme hat die Naspa 3568 Tage in die Aus- und Weiterbildung ihrer Beschäftigten investiert. „Die Kunden erwarten ein hohes Fachwissen, eine hervorragende persönliche Beratungsleistung, aber auch in der digitalen Welt höchste Kompetenz von uns“, so Högner.

Filialnetz unter Beobachtung

 
Vorstandschef Günter Högner (Mitte) und die Vorstände Bertram Theilacker (links) und Michael Baumann stellten die Zahlen des Geschäftsjahrs 2018 vor. © Henrich

Die Flächensparkasse bietet ihren über 400 000 Kunden vom Westerwald über Wiesbaden und den Rheingau-Taunus-Kreis bis nach Frankfurt und den Hochtaunuskreis die Möglichkeit des persönlichen Kontakts. Das personenbesetzte Filialnetz ist mit 109 Finanz- und Servicecentern, 15 Private-Banking-Centern, drei Firmenkunden-Centern und sieben Finanzierungs-Centern unverändert geblieben. Hinzu kommen 36 Selbstbedienungsstandorte. Man plane keine Schließungen. Dennoch müsse man das Nutzungsverhalten der Kunden beobachten. „Die Schwerpunkte werden sich im Laufe der Jahre ändern. Wir werden schauen, wie sich unsere Investition in die Digitalisierung auswirkt“, so Michael Baumann, im Naspa-Vorstand zuständig für das Privatkundengeschäft.

Der Bedarf an Geldversorgung und einfachen Serviceleistungen werde eher zurückgehen. Das eine könne heute auch teilweise im Supermarkt erledigt werden, anderes werde zukünftig eher online erledigt. „Der persönliche Beratungsbedarf wird aber steigen“, sagt Högner. Deswegen schaut sich der Vorstand genauer an, was der Kunde an welchen Standorten braucht und abruft. Inzwischen nutzen rund 190 000 Kunden Onlinebanking. Die Zahl ist damit wieder um fast zehn Prozent angewachsen. Die Sparkassen-App nutzen inzwischen 53 000 Kunden, und auch viele andere Kennzahlen zeigen den Trend, digitale Angebote als Ergänzung zur persönlichen Beratung und Betreuung zu nutzen.

 
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