Anzeige
| Beteiligungen

Mittelstand in guten Händen

Immer mehr Sparkassen beteiligen sich an Mittelständlern. Die Sparkassen sind für die Unternehmen eine wichtige Stütze – bei der Nachfolgesuche oder ihren Expansionsplänen.

Anzeige

Wenn man bei Fast-Foodketten wie McDonalds oder Kentucky Fried Chicken Pommes Frites isst, steckt meist ein Anbieter dahinter: Agrarfrost aus dem niedersächsischen Aldrup. Der Familienbetrieb ist seit Jahrzehnten einer der führenden Kartoffelverarbeiter Deutschlands. Doch das ist nicht alles: Der 1967 vom Landwirt Reinhold Stöver gegründete Betrieb ist im Lebenseinzelhandel sehr aktiv. So vertreibt das Unternehmen Kartoffelpuffer oder Kroketten unter eigenem Namen.

Agrarfrost ist eine von diversen Mittelständlern, an der sich die Haspa BGM beteiligt hat. Ob Schiffsausrüster, Software-Schmieden oder Händler für Motorradzubehör – die Beteiligungsgesellschaft der Hamburger Sparkasse ist aktuell mit rund 20 Beteiligungen in vielen Branchen tätig. Und bei dem derzeitigen Portfolio soll es nicht bleiben. Haspa BGM-Geschäftsführer Oliver Melzer geht davon, dass weitere Engagements folgen.

„Aufgrund der erfolgreichen und langfristigen Beteiligungsstruktur wollen wir uns deutschlandweit an weiteren mittelständischen Unternehmen in der Umsatzgröße zwischen zehn bis 300 Millionen Euro beteiligen“, erklärt Melzer. Dabei sieht er die Gesellschaft im mittelständischen Beteiligungsmarkt klar im Vorteil: Denn der Haspa-Tochter ist sehr daran gelegen, sich dauerhaft an den Mittelständlern zu engagieren. Das macht sie besonders für Inhaber familiengeführter Betriebe interessant, die einen langfristig orientierten Finanzpartner an ihrer Seite suchen. „Kurze Haltedauern sind nach wie vor das Markenzeichen von Private-Equity-Firmen und oft nicht gewünscht in Eigentümer- oder familiengeführten Unternehmen“, konstatiert Melzer.

Heimische Unternehmen helfen

Auch Florentin Walker, Geschäftsführer der zur Sparkasse Pforzheim Calw gehörenden S-Kap-Beteiligungen, sieht hierin einen gewichtigen Vorteil der Sparkassen im wachsenden mittelständischen Beteiligungsgeschäft. „Wir sind grundsätzlich ein langfristig denkender, verlässlicher Finanzierungspartner mit großer Verbundenheit zur regionalen Wirtschaft. Wir wollen den heimischen Unternehmen helfen, erfolgreich und wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Walker.

 
Gewerbegebiet: Im mittelständischen Beteiligungsgeschäft können die Sparkassen punkten. © dpa

Dies sichere Arbeitsplätze und Unternehmensstandorte und schaffe zugleich auch neue Stellen in der Region. Zugleich färben sich die vielfältigen Beteiligungen der Sparkasse auch vorteilhaft auf das Image des Instituts ab, was das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden beflügelt.

„Letztlich strahlen die Aktivitäten immer auch positiv auf die Sparkasse als Gesellschafterin aus, in dem wir den Unternehmen und der regionalen Wirtschaft als kompetenter und lösungsorientierter Eigenkapital-Finanzierungspartner zur Verfügung stehen“, sagt Walker. Daher plant die Sparkasse, das Beteiligungsgeschäft deutlich auszuweiten. Walker: „Die Sparkasse Pforzheim Calw steht voll hinter ihrem Engagement im Beteiligungsgeschäft und hat mit Kapitalzusagen an ihre Beteiligungstochtergesellschaft in Höhe von aktuell 60 Millionen Euro ein deutliches Signal in Richtung Ausbau dieses strategischen Geschäftsfeldes gesendet.“

Dass sich das Institut in diesem Geschäftsfeld mehr engagiert, ist verständlich. Denn die Sparkassen stehen hier in den nächsten Jahren vor einem kräftigen Wachstumsschub. Grund hierfür ist, dass bei vielen Familienunternehmen ein Generationswechsel bevorsteht. „Unternehmensnachfolge ist ein Top-Thema der Sparkassen, die eng mit Handwerk und Industrie verbunden sind“, betont Christian Große, Partner bei der Unternehmensberatung Zeb.

So sucht ein Großteil der Mittelständler dringend nach einem geeigneten Nachfolger für ihre Betriebe. Dies belegt eine jüngste Studie der Unternehmensberatung Rödl & Partner. Danach dominiert bei den Beteiligungsanlässen mit 83 Prozent das Thema Nachfolgelösung. Damit setze sich der Trend der Vorjahre „ungebrochen“ fort, betonen die Berater. Und der Bedarf nimmt zu. Das registriert auch die Haspa BGM. „Im Jahr 2019 sehen wir analog zur Rödl & Partner Studie bisher auch mehr Nachfolgesituationen oder Verkäufe als reine Wachstumsfinanzierungen. Dies ist sicherlich Ausfluss der sich ändernden konjunkturellen Lage“, erklärt Geschäftsführer Melzer.

Bei Nachfolgersuche mit am Tisch

Dabei sind die Nachfolgesituationen vielschichtig. „Zum Beispiel gibt es den sukzessiven Rückzug des Senior-Unternehmers, der zunächst eine Minderheit veräußern möchte“, erläutert Melzer. Doch er kennt auch andere Fälle, wo sich Familienunternehmer vollständig aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Hauptproblem der Mittelständler ist, dass die Firmeninhaber von einem längst überfälligen Generationswechsel nichts wissen wollen.

 
Auch die Unternehmensnachfolge ist ein Top-Thema der Sparkassen, das eng mit Handwerk und Industrie verbunden ist. © dpa

Sie schieben das Thema meist auf die lange Bank, weil sie sich von ihrem unternehmerischen Lebenswerk nur schwer trennen können. Melzer rät deshalb, dass sich die Unternehmer rechtzeitig mit einer Übergabe ihrer Firmen beschäftigten sollten. „Sehr oft finden wir die Situation vor, dass noch kein Nachfolger gefunden ist. Hier haben wir die Erfahrung gemacht, dass es sehr sinnvoll ist, sich frühzeitig – auch gerne zunächst ergebnisoffen – mit uns an den Tisch zu setzen“, betont der Geschäftsführer.

Dabei müssen die Nachfolger nicht immer aus der eigenen Familie stammen. Häufig sind externe Manager geeigneter. Sie haben es meist leichter, den Betrieb weiterzuführen. Denn bei der Firmenübergabe in den eigenen Reihen kann es häufig zu Meinungsverschiedenheiten über die weitere Strategie kommen, wenn der Senior seinem Sohn das Unternehmen überlässt. Die Haspa BGM hegt deshalb gute Kontakte zu externen Führungspersönlichkeiten. „Wir pflegen zum Beispiel ein Netzwerk von erfahrenen Managern, die als Management Buy-In (MBI) sich der Nachfolge gemeinsam mit uns als Investor annehmen.“

Engagieren sich Sparkassen finanziell an Mittelständlern, erfolgt dies in der Regel über separate Beteiligungsgeschäften – und selten direkt. Verantwortlich hierfür ist das Risiko, dass die Sparkassen beim direkten Engagement eingehen würden. „Private Equity als Renditebeteiligung, dass heißt als eigene und selbst gemanagte Assetklasse ohne direkten Bezug zum öffentlichen Auftrag, führt bei Sparkassen noch ein Nischendasein“, erklärt Berater Große von der Zeb.

Denn „ein solches Engagement bedarf einer hohen Branchen- und Kapitalmarktexpertise und Risikobereitschaft. Als Standardbetätigungsfeld in größerer Skalierung wird es nur für wenige Sparkassen in Betracht kommen“, so der Experte.

Zwar erzielen die Sparkassen durch diesen Ansatz eine geringere Rendite als herkömmliche Private-Equity-Firmen. Doch bei den inhabergeführten Mittelständlern werden sie bevorzugt, wenn sie einen Mitgesellschafter an Bord nehmen. Denn die Beteiligungsfirmen der Sparkassen sind nicht daran interessiert, aus ihren Firmenengagement kurzfristig viel Kapital zu schlagen.

Sie verhalten sich eher wie konservativ agierende Familienunternehmer, die ihr Geschäft behutsam ausbauen. „Im Gegensatz zu Private Equity Firmen, die alleine auf einen möglichst hohen Exit wetten, ist unser Ansatz, dass wir – wie Unternehmer auch denken – eine Rendite hauptsächlich aus jährlicher operativer Performance des Unternehmens mit nachhaltiger Wertsteigerung erwirtschaften wollen“, betont Melzer von der Haspa BGM. Und die S-Kap-Beteiligungen aus Pforzheim will eine „hinreichende Rendite erzielen, die uns unabhängiger von der Entwicklung am Zinsmarkt macht und uns auch künftiges Wachstum ermöglicht“, unterstreicht Geschäftsführer Walker.

Doch es gibt auch andere Beteiligungsfirmen, die risikobereiter sind. Dazu gehört die Nord-Holding aus Hannover, an der diverse Sparkassen – darunter aus Göttingen, Hannover, Celle, Osnabrück und die Versicherungsgruppe VGH – beteiligt sind. Die Gesellschaft hat große Wachstumspläne: „Wir erwarten, dass die investierten Mittel in den kommenden Jahren fünf Jahren um 50 Prozent ansteigen werden“, nennt Rainer Effinger, Managing Director der Nord-Holding, sein Ziel. Dabei verfolgen die Hannoveraner eine so genannte Build- and Buy-Strategie. Dahinter steht, dass das Management um Effinger die Beteiligungsfirmen gezielt weiterentwickelt.

Dafür hilft es den Geschäftsführungen, die Betriebe effizient umzustrukturieren. Zugleich investieren die Hannoveraner verstärkt in die Ausbildung der Belegschaft. Dies soll Umsatz und Ertrag der mittelständischen Unternehmen steigern. Und noch mehr: Der Nord-Holding-Manager hält nach strategisch sinnvollen Partnern Ausschau, um sie in die Beteiligungsgesellschaften einzubringen. Dadurch verschafft er den Mittelständlern einen Mehrwert, der sich bei einem späteren Ausstieg deutlich bezahlt macht.