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| Sparkassenverband Bayern

Netzer: Sparkassen weiter auf stabilem Gleis

Trotz zunehmendem Druck aus Niedrigzins, Regulierung und Digitalisierung haben die bayerischen Sparkassen ihren Kurs im Geschäftsjahr 2018 stabil fortgesetzt.

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Die bayerischen Sparkassen haben ihr Kundengeschäft stark ausgebaut, Kredit- und Einlagevolumen sind erneut überdurchschnittlich gewachsen. Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, erklärte: „Die Kreditnachfrage ist auf Rekordhöhe, der Mittelstand handelt optimistisch. Angesichts der Börsenschwäche zum Jahresende und der Verengung der Immobilienmärkte sind gleichzeitig auch die Sichteinlagen der bayerischen Sparkassen 2018 wieder stark angestiegen. Infolge des Mangels an rentierlichen Anlagemöglichkeiten parken viele Kunden ihre Ersparnisse in täglich fälligen Geldern mit geringster Verzinsung.“

Das Wachstum im operativen Geschäft findet aufgrund der Zinssituation abermals wenig Niederschlag im Ertrag der bayerischen Sparkassen. Im Jahresergebnis zeigen sich die Belastungen aus erneut rückläufigen Zinsüberschüssen. Dass sich die Spuren der EZB-Geldpolitik nicht tiefer graben, verhinderten die Sparkassen jedoch durch wirksame Maßnahmen in Vertrieb, Kundenbindung und Kostenmanagement. Netzer dazu: „Die Sparkassen-Finanzgruppe zeigt Kondition und Anpassungsfähigkeit in diesem finanzwirtschaftlichen Langstreckenlauf. Wir sind fest entschlossen, unseren Kunden auch künftig erster Ansprechpartner in finanziellen Fragen zu bleiben. Dabei verbinden wir das klassische Bankgeschäft in den bayerischen Regionen mit der modernen Plattformökonomie.“

 
SVB-Präsident Ulrich Netzer: "Deutliches Spannungsfeld". © dpa

Das Kreditvolumen der bayerischen Sparkassen konnte im Jahr 2018 wieder deutlich gesteigert werden und lag am Jahresende bei insgesamt 135,9 Milliarden Euro (plus 4,1 Prozent). Das Kreditgeschäft der bayerischen Sparkassen wachse kontinuierlich, sie bauen damit die Basis für das stabile wirtschaftliche Wachstum im Freistaat. Überdurchschnittlich stieg dabei der Bestand an Unternehmenskrediten: Er wuchs um 5,6 Prozent auf 72,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2018 wurden neue Darlehen in Höhe von 16,1 Milliarden Euro an Unternehmen und Selbstständige zugesagt, 7,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Netzer: „Wir sehen natürlich, dass sich die konjunkturellen Aussichten perspektivisch eintrüben, doch unsere Unternehmen sind weiterhin agil unterwegs. Die Sparkassen bleiben dabei ihre leistungsfähigen Begleiter.“ Schwung zeigte sich auch im Markt für Immobilienkredite. Der Bestand wuchs 2018 um 5 Prozent auf 73,7 Milliarden Euro.

Die Einlagen der Sparkassenkunden sind 2018 trotz niedrigster Zinsen noch kräftiger gestiegen als im Vorjahr: Sie stiegen um 7,3 Milliarden Euro auf 167,2 Milliarden Euro (plus 4,5 Prozent). Der Zuwachs resultiert mengenmäßig in erster Linie aus Sichteinlagen von Privatkunden. Doch auch Unternehmen und öffentliche Haushalte haben ihre Einlagen 2018 – nach einem Rückbau im Vorjahr – sogar wieder überproportional erhöht. „Das Gefüge um die Niedrigzinsen hat sich eingependelt. Auch wenn die Einlagenkonditionen derzeit schwierig sind, zeigt sich, dass die Sparkassen als sicherer Anlageort gefragt sind. Obwohl uns das momentan betriebswirtschaftlich eher belastet, schätzen wir diesen Vertrauensbeweis. Die Kunden wissen, dass die Sparkassen alles tun, um ihre Einlagen langfristig zu bewahren und so bald als möglich auch wieder zu vermehren“, sagte Netzer.

Rückkehr zum Sparen

Die privaten Kunden der bayerischen Sparkassen legten 8,8 Milliarden Euro neu auf ihren Konten, Depots, in Bausparverträgen und Lebensversicherungen an. Das sind 28 Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Die Menschen kehren zurück zum Sparen, schätzen den Vermögensaufbau wieder höher ein als den Konsum“, hob Netzer hervor. „Mit Blick auf die Altersvorsorge ist das eine äußerst erfreuliche Entwicklung. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass nicht alle Einkommensgruppen diese Möglichkeiten haben.“

Im Wertpapiergeschäft sei 2018 insgesamt ein solides Jahr gewesen - nach dem Rekordjahr 2017. Die Käufe nahmen zwar leicht ab, die Verkäufe lagen aber um 20 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dabei übersteigen zum sechsten Mal in Folge die Wertpapierkäufe wieder die -verkäufe, der Nettoabsatz stieg auf 2,73 Milliarden Euro (plus 58 Prozent). Dies sei der höchste Wert seit sechs Jahren.

Zinsüberschuss weiter rückläufig

Die Geschäftsentwicklung zeigt, dass die bayerischen Sparkassen weiter wachsen. Der große Markterfolg gibt ihrem Geschäftsmodell Recht. In der Ertragsentwicklung kann sich dieses Wachstum allerdings wieder nicht niederschlagen, da der Zinsüberschuss in der aktuellen Zinssituation weiter zurückgeht (minus 4,1 Prozent). Diese Erträge können nicht parallel mit der Geschäftsentwicklung wachsen, in Relation zur Durchschnittlichen Bilanzsumme sinken sie bereits im siebten Jahr in Folge sogar sehr deutlich. „In den kommenden Jahren dürfte sich diese Entwicklung noch verschärfen. Mit dem Blick auf unsere gestiegenen Sichteinlagen in Höhe von knapp 119 Milliarden und den negativen EZB-Einlagezins von 0,4 Prozent zeigt sich das Spannungsfeld sehr deutlich“, erklärte Netzer.

„Der Zinsüberschuss ist die Hauptertragsquelle der Sparkassen und bestimmt letztlich über den Erfolg eines Geschäftsjahrs. Wir haben hier nach wie vor die verrückte Situation, dass wir eigentlich kräftig wachsen, doch der Erfolg von der Nullzinspolitik quasi sofort wieder aufgefressen wird. Das können wir auch bei bester Gegensteuerung nicht ganz kompensieren“, so Netzer. „Der Zinsüberschuss wird strukturell bedingt noch weiter sinken. Auf Dauer wird es aber immer schwieriger, den Rückgang über andere Ertragsquellen und Kostensenkungen aufzufangen.“

„Der Zinsüberschuss ist die Hauptertragsquelle der Sparkassen und bestimmt letztlich über den Erfolg eines Geschäftsjahrs. Wir haben hier nach wie vor die verrückte Situation, dass wir eigentlich kräftig wachsen, doch der Erfolg von der Nullzinspolitik quasi sofort wieder aufgefressen wird. Das können wir auch bei bester Gegensteuerung nicht ganz kompensieren“, so Netzer. „Der Zinsüberschuss wird strukturell bedingt noch weiter sinken. Auf Dauer wird es aber immer schwieriger, den Rückgang über andere Ertragsquellen und Kostensenkungen aufzufangen.“

2018 erzielten die bayerischen Sparkassen ein Betriebsergebnis vor Bewertung von rund 1670 Millionen Euro. Es liegt um 5 Prozent Euro unter dem Vorjahresergebnis. Maßgeblich für diese Entwicklung war, dass der Rückgang des Zinsüberschusses (minus 142,5 Millionen Euro) auch durch große Anstrengungen nicht einmal zur Hälfte aufgefangen werden konnte. Eine Steigerung der Provisionsüberschüsse (plus 35,9 Millionen Euro) und gesunkene Verwaltungsaufwendungen (minus 16,4 Millionen Euro) reichten nicht aus, um der Entwicklung die Stirn zu bieten. Dementsprechend hat sich auch die Cost-Income-Ratio der bayerischen Sparkassen von 63,3 auf 64,3 Prozent verschlechtert. „Das Betriebsergebnis ist im Durchschnitt noch auskömmlich. Doch wir spüren die Folgen der EZB-Nullzinspolitik schmerzhaft“, sagte Netzer.

Der Blick auf das Bewertungsergebnis zeigt einen guten Erfolg: Zwar waren im Wertpapiergeschäft nach den Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten zum Jahresende 2018 deutliche Wertberichtigungen erforderlich. Im Kreditgeschäft waren aber trotz des gestiegenen Kreditvolumens nur geringe Zuführungen zur Risikovorsorge notwendig. Hier spüren die Sparkassen die robusten wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Kunden. Das Betriebsergebnis nach Bewertung liegt daher mit 970,9 Millionen Euro leicht über dem Niveau des Vorjahrs. Netzer: „Die Konjunktur gibt uns noch immer Rückenwind beim Bewertungsergebnis. Vorsorglich werden aber bereits jetzt Wertberichtigungen im Kreditgeschäft gebildet. Denn wir wissen, dass sich diese Konstellation so nicht dauerhaft fortsetzen kann.“

Nach den noch vorläufigen Berechnungen wird nach Steuern am Ende ein Jahresüberschuss von 343 Millionen Euro (2018: 360 Millionen Euro) stehen. Die bayerischen Sparkassen nutzen diesen Gewinn, um ihr Eigenkapital weiter zu stärken.

Mit Blick auf die Sparkassen-Finanzgruppe sagte Netzer: „Die heutigen Strukturen reichen nicht in die weite Zukunft. Es gilt, sich so aufzustellen, dass wir Kundennutzen und Marktchancen maximieren.“ Es bestehe die Notwendigkeit zur Konsolidierung in der Sparkassen-Finanzgruppe, denn die Zeiten, in denen man sich Redundanzen leisten konnte, gingen dem Ende zu. Er betonte jedoch, dass sich der Konsolidierungsprozess in der Diskussion der jeweiligen Eigentümer entwickeln müsse, damit die Lösung letztlich zu überzeugen vermöge: „Dabei müssen Interessen ausgeglichen und Widerstände überwunden werden. Denn ein solches Vorhaben birgt immer auch die Gefahr, am Ende zu scheitern. Das können, dürfen und wollen wir uns aber nicht leisten.“

Die bayerischen Sparkassen seien konstruktiver Partner bei allen Weiterentwicklungen, die die Strukturen der Sparkassen-Finanzgruppe zukunftsfest machen. Bei allen anstehenden Strukturfragen bleibe aber unumstößlich, dass im Mittelpunkt aller Anstrengungen der Sparkassen immer ihre Kunden und deren Wünsche stehen. Netzer resümierte: „Alle Maßnahmen dienen dem Ziel, das Vertrauen und die Partnerschaft mit unseren Kunden in den bayerischen Regionen zu festigen. Sparkassen sind verlässliche, zukunftstüchtige Finanzdienstleister und regionale Partner, das macht ihren Erfolg aus.“