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| Sparkassen-Rentabilität 2017

Operativer Bereich leicht besser als im Vorjahr

Spürbar rückläufige Zinserträge sind durch deutlich steigende Provisionserlöse und geringere Personal- und Sachaufwendungen überkompensiert worden. Die fehlende Notwendigkeit für Abschreibungen auf Wertpapiere und leichte Erträge aus der Kreditrisikovorsorge runden das positive Gesamtbild ab. Die 390 (Stand: 12/17) deutschen Sparkassen haben 4,7 Milliarden Euro den Vorsorgereserven zugeführt und konnten damit ihre Risikotragfähigkeit abermals deutlich stärken.

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Das Betriebsergebnis vor Be­wertung hat sich auf 0,89 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme (DBS) nach 0,90 Prozent der DBS im Vorjahr verringert. Das Bewer­tungsergebnis blieb unverändert zum Vorjahr bei 0,40 Prozent der DBS. Der Jah­resüberschuss lag ebenfalls unverändert bei 0,18 Prozent der DBS.

Die Rentabilitätskennzahl Cost-Income-Ratio vor Bewertung (CIR vor Bewertung) hat sich ge­genüber dem Vorjahr um 0,5 Prozentpunkte auf 64,0 Prozent verbessert, die Kennzahl Cost-Income-Ratio nach Bewertung (CIR nach Be­wertung) hat sich eben­falls um 0,5 Prozentpunkte auf 64,4 Prozent ermäßigt.

Wird die alternative Bezugsgröße bilanzielles Kundengeschäftsvolumen (bKGV) zur Ergebnisrela­tivierung herangezogen, ergab sich für 2017 ein Betriebsergebnis vor Bewertung von 0,64 Prozent des bKGV (Vorjahr: 0,65 Prozent des bKGV). Der Bewertungsaufwand lag unverändert gegenüber dem Vorjahr bei 0,29 Prozent des bKGV. Der Jahresüber­schuss hat sich mit 0,13 Prozent des bKGV zum Vorjahr ebenfalls nicht verändert.

Erfolgskomponenten im Einzelnen

Erträge bei deutlich höheren Provisionserlösen nur leicht ge­ringer
Der Zinsüberschuss hat sich um 2,9 Prozent auf 21,5 Milliarden Euro oder 1,83 Prozent der DBS (Vorjahr: 1,92 Prozent der DBS) verringert. Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase mit negativen Zinsen am kurzen Ende konnten im Einlagengeschäft Margen primär nur noch im variablen Ge­schäft erzielt werden. Die gleichzeitig anhaltenden Um­schichtungen in variable Produk­te ber­gen im Falle eines schnel­len Zinsan­stiegs allerdings die zu­nehmen­de Gefahr eines kurz­fristigen, starken Vo­lumenabflusses bzw. einer großvolumigen Umschichtung in margenschwächere, längere Laufzeiten.

Stabile bis leicht gestie­gene Margen im Kreditge­schäft infolge der zins- und kon­junktur­bedingt unverändert gewachsenen Kreditnach­frage konnten den Rück­gang der Passivmargen nicht kompensieren. Der Beitrag der Erlöse aus der Fristentransformation war durch den Anstieg der Zinsen am lan­gen Ende 2017 weitgehend stabil. Der Zinsanstieg hat au­ßerdem zu spürbar geringeren Aufwänden für Zinssicherungsgeschäf­te geführt.

Bei den Provisionen haben die Sparkassen 2017 von posi­tiven Impulsen insbesondere aus dem Giroverkehr, aber auch aus dem Wertpapiergeschäft profitiert. Wert­papiere entwickeln sich mehr und mehr zu einem Einlagensubstitut aufgrund fehlender sich rentierender Anlagen im bilanziellen Bereich. Der Provisionsüberschuss hat sich somit im abge­laufenen Jahr 2017 deutlich um 8,5 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro oder 0,66 Prozent der DBS (Vorjahr: 0,62 Prozent der DBS) erhöht. Unverändert größter Erlösbringer in diesem Segment war der Giroverkehr mit einem Anteil von nahezu 50 Prozent.

Erlöszuwächse konnten im abge­laufenen Geschäftsjahr im Wert­papiergeschäft (plus 16,6 Prozent), im Gi­roverkehr und Kartengeschäft (plus 8,2 Prozent) sowie im Vermittlungs­geschäft (plus 4,0 Prozent), hier insbeson­dere bei Immobilien (plus 6,3 Prozent), erzielt werden. Rück­gänge waren dagegen im Auslandsgeschäft (minus 3,3 Prozent) und Darlehensgeschäft (minus 1,4 Prozent) zu verzeichnen.

Aufwendungen erneut leicht ge­ringer
Der Verwaltungsaufwand der Sparkassen hat sich gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent auf 19,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 19,2 Milliarden Eu­ro) verbessert. Die Quote ist damit auf 1,62 Prozent der DBS gesunken.

Der Personalaufwand ist im abgelaufenen Jahr um 80 Millionen Euro
(minus 0,6 Prozent) auf 1,03 Prozent der DBS gesunken. Durch den anziehenden Personalrückgang konnten die zusätz­lichen Belastungen aus den Lohnzuwächsen des laufenden Tarifvertrags 2017 mehr als kompensiert werden. Die künftige Herausforderung wird allerdings nicht in ei­nem reinen Personalabbau, son­dern in einem zukunftsorientierten, demografiefesten Personalumbau liegen.

Der Sachaufwand ist 2017 um 80 Millionen Euro (minus 1,1 Prozent) auf 0,59 Prozent der DBS gesunken. Aufwandsentlastend haben da­bei neben geringeren Aufwän­den für Grundstücke und Gebäude auch niedri­gere Ausga­ben für Werbung, Outsourcing und Bürobedarf gewirkt. Diese Entwicklung zeigt, dass un­verändert sämtliche Ausgaben­posten der Sparkassen auf dem Prüfstand stehen. Aufwandserhöhend waren indes stärkere Ausgaben für die IT wie die Bankenabgabe.

 
© BBL
Betriebsergebnis vor Bewer­tung besser
Das Betriebsergebnis vor Be­wertung hat sich trotz sin­kender Zinserlöse gegen­über dem Vorjahr aufgrund deutlich stei­gender Provisionserlöse und rückläufiger Verwaltungsaufwendungen um 1,3 Prozent (140 Millionen Euro) auf 10,5 Milliarden Euro (0,89 Prozent der DBS, Vorjahr: 0,90 Prozent der DBS) erhöht. Abbildung 1 stellt die Entwicklung des Betriebsergebnisses vor Bewertung sowie der darin enthaltenen Erträge und Aufwendungen im Fünf-Jahres-Vergleich dar.

Bewertungsergebnis geringfügig höher, er­neut Be­wertungserlöse im Kre­ditgeschäft
Der Bewertungsaufwand hat sich 2017 leicht um 120 Millionen Euro (plus 2,6 Prozent) auf 4,7 Milliarden Euro oder 0,40 Prozent der DBS erhöht.

Im Wertpapiergeschäft ergaben sich 2017 − analog zum Vorjahr − weder Ab- noch Zuschreibungen. Zusätzlich reali­sierte Gewinne aufgrund der Än­derung des Investmentsteuerreformgesetzes und ein deutlich verbessertes Derivateergebnis konnten die Abschreibungen we­gen des Zinsanstiegs in den längeren Laufzeiten zum Jahres­ende kompensieren. Allerdings resultieren bei per­spektivisch steigenden langfris­tigen Zinsen erhebliche Kurs- und Bewertungsrisiken aus den im Durchschnitt vermut­lich niedrigen Zinskupons der Sparkassen bei eigenen Wertpapie­ren. Diese können die künftige Ertragslage spürbar beeinflussen.

Wie bereits in den Vorjahren waren bei der Risikovor­sorge im Kredit­geschäft die Zuschreibungen hö­her als die Auf­lösungen, sodass sich 2017 Bewertungserlöse von 0,1 Milliarden Euro (0,01 Prozent der DBS) nach 0,3 Milliarden Euro (0,01 Prozent der DBS) im Vorjahr ergeben haben.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland war 2017 positiv und hat deshalb keinen Anlass für nennenswerte Wertberichtigungen geliefert. Potenziell ergeben sich aus den inzwischen nahezu vollständig aufge­lösten Wertberichtigungen allerdings auch Ertragsrisiken, da diese bei einer künftig notwendigen Neubildung nicht mehr kompensatorisch zur Verfügung stehen. 

Die Vorsorgereserven sind − wie im Vorjahr − mit 4,7 Milliarden Euro (minus 0,40 Prozent der DBS) dotiert worden.

Betriebsergebnis nach Bewer­tung leicht höher
Bei besserem operativem Er­gebnis und geringfügig höherem Bewer­tungs­ergebnis hat sich das Betriebsergebnis nach Bewertung um 20 Millionen Euro (0,4 Prozent) auf zum Vorjahr unverändert 5,8 Milliarden Euro (0,49 Prozent der DBS) erhöht.

Cost-Income-Ratio vor Bewer­tung (CIR vor Bewertung) besser
Bei deutlich höheren Provisionserlösen und sinkendem Verwaltungsauf­wand ist die CIR vor Bewer­tung trotz des gleichzei­tig spürbaren Rückgangs im Zinsüberschuss 2017 moderat auf 64,5 nach 65,0 Prozent im Vor­jahr gesunken.

 
© BBL
Nach wie vor gibt es zwischen den Sparkassen bei ihrer Cost-Income-Ratio vor Bewertung deutliche Unterschiede. Die Ver­teilung zeigt Abbildung 2. Dabei haben 2017 immerhin noch 72 Institute, die einen Anteil von 23 Prozent an der kumulierten DBS repräsentieren, eine Cost-Inco­me-Ratio von 60 Prozent oder bes­ser. 

 
© BBL
Cost-Income-Ratio nach Bewer­tung (CIR nach Bewertung) sinkt
Die CIR nach Bewertung hat sich − nach 64,9 Prozent im Vorjahr − auf 64,4 Prozent verringert. Ursächlich für eine ähnlich positi­ve Entwicklung der Kenn­zahl wie vor Bewertung waren das ausge­glichene Bewertungsergebnis bei Wertpapieren sowie die leichten Zuschreibungen bei der Risikovorsorge für das Kreditgeschäft. Die Verteilung der CIR nach Be­wertung auf die Sparkassen zeigt Abbildung 3.

Ausblick 2018

Es wird erwartet, dass die deutsche Wirtschaft mit ihren relativ hohen Wachstumsraten allmählich in die Kapazitätsüberauslastung hineinläuft. Das Wachstum wird unverändert breit von Konsum und Investition getragen. Die Arbeitslosigkeit sinkt weiter, aber es bleiben inzwischen vermehrt Stellen unbesetzt. Daher ist der Preisauftrieb in Deutschland etwas höher als im übrigen Euroraum. Insgesamt bleibt er jedoch moderat.

Die Statistiker des DSGV gehen davon aus, dass sich das näher­rücken­de Ende der EZB-Anleihekäufe im Jahresverlauf in einem moderaten Anstieg der Kapitalmarktzinsen nieder­schlägt (leichte Versteilerung der Zinsstrukturkurve). Die unverändert positive konjunkturelle Entwicklung zeigt sich 2018 bisher ebenfalls in einer deutlichen Auswei­tung der Kre­ditbestände. Die Margen im Kreditge­schäft bleiben dabei stabil.

Die Einlagenbe­stände steigen unverändert leicht. Bei Privatper­sonen zeigt sich derzeit ein leicht stärkeres Wachstum als bei Un­ternehmen. Aufgrund des niedrigen Zinsni­veaus und des daraus folgen­den geringeren Margenspielraums ist allerdings von weiter rückläu­figen Pas­sivmargen in allen Ein­lagen­kategorien auszugehen.

Insgesamt wird der Zinsüber­schuss 2018 vermutlich erneut spür­bar zurückgehen. Bei zusätz­lich leicht steigendem Sachauf­wand kann der abermals erwarte­te Zuwachs im Provisionsbereich trotz stabilem Personalaufwand nicht den spürbaren Rückgang des operativen Ergeb­nisses ver­hindern.

Der Bewertungsaufwand wird aufgrund der deutlich geringeren Dotie­rung von Vorsorgereserven dagegen vermutlich spürbar gerin­ger ausfallen als im abgelaufenen Jahr. Der Bewertungsaufwand für Wertpapiere erhöht sich nach DSGV-Einschätzung dagegen leicht. Ebenso wird es bei der Kreditrisikovorsorge − nach Erlösen in den vergangenen Jahren − vermutlich wieder leichte Auf­wendungen geben.

Autor
Dirk Moormann ist Referent beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin.