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| Arbeitsschutz

Organisierte Sicherheit

Ob Arbeitsschutzmanagement oder Betreiberverantwortung: Die Sicherheit organisieren Unternehmen mit Gefährdungsbeurteilungen, regelmäßigen Prüfungen, systematischen Dokumentationen und bei Mängeln mit entsprechenden Maßnahmen. All das erfordert Zeit und ein kontinuierliches Know-how-Update. Ein Experte erklärt, wie Sparkassen das Thema stemmen.

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Auch wenn es Zeit und Geld kostet: „Sicherheitsthemen zu vernachlässigen, kann schnell teuer werden“, warnt Uwe Drautzburg, der als Berater für Arbeitssicherheit für mehrere Sparkassen arbeitet. Der gelernte Sparkassenbetriebswirt betreut mehrere Sparkassen rund um das Thema Arbeitsschutzmanagement und Betreiberverantwortung. Der Fachmann Drautzburg sensibilisiert für Risiken und unterstützt auf allen relevanten Feldern mit Rat und Tat. Dabei erlebt er immer wieder, dass Risiken unterschätzt werden. So kommt es vor, dass manch ein externer Dienstleister, der Prüfleistungen für elektrische Anlagen zu Dumpingpreisen anbietet, unzuverlässig arbeitet. Doch im Versicherungsfall haftet die Sparkasse umfänglich.

Wie Arbeits- und Gesundheitsschutz mit Betreiberverantwortung im Sparkassenbetrieb Hand in Hand gehen, erklärt Drautzburg an Beispielen: So hatte ein durchgescheuertes stromführendes Spiralkabel eines beheizten Tellerspenders in einer Sparkasse gravierende Folgen: Eine Küchenkraft stützte sich auf dieses durch den Defekt unter Strom gesetzte Edelstahlgerät, fasste nach einem Anruf auf die Ausgabetheke aus Edelstahl – und erhielt einen schweren Stromschlag. Die von den Rettungssanitätern alarmierte Polizei ermittelte im Auftrag der Staatsanwaltschaft und stieß auf versäumte Prüfungen im Rahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes.

Oder das Beispiel der Reinigungskraft, die von der Leiter stürzte und sich einen komplizierten Knochenbruch zuzog. Auch hier kam die Sparkasse für die Folgen wie OP und Reha-Maßnahmen auf, da sie die vorschriftsgemäße Unterweisung ihrer Angestellten nicht nachweisen konnte. Was ist beim Sicherheitscheck der elektrischen Anlagen und Arbeitsmittel zu beachten – vor allem auch dann, wenn Dienstleister hier unterstützen? Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt eine regelmäßige Prüfung und betont die Überwachungspflichten des Arbeitgebers. Denn dieser übernimmt die Betreiberverantwortung und muss dokumentieren und gewährleisten, dass alle prüfpflichtigen Anlagen wie beispielsweise Aufzüge fach- und fristgerecht geprüft sind. Das digitale Nachschlagewerk „virtuelle Begehung“ vom Deutschen Sparkassenverlag (DSV) hilft hier, den Überblick zu bewahren.

Sicher mit softwaregestützter Arbeitsweise

Neben teilweiser Unkenntnis der Vorschriften nennt Drautzburg Sparmotive als mögliche Gründe für lückenhaftes Management von Risiken: Schlägt doch eine jährliche Prüfung der elektrotechnischen Ausstattung bei einer Sparkasse mit 40 Geschäftsstellen nach seinen Angaben mit rund 60 000 Euro zu Buche. Zu berücksichtigen sind dabei unterschiedliche Prüfungsintervalle, etwa für ortsfeste Geräte (zum Beispiel Backöfen) und ortsunabhängige (etwa Monitore).

 
Sind Fluchtwege ausreichend ausgeschildert? Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt eine regelmäßige Prüfung und betont die Überwachungspflichten des Arbeitgebers. © Getty Images

Wenig hilfreich seien Excel-Listen. Wie die von ihm betreuten Sparkassen arbeitet Experte Drautzburg mit der softwareunterstützten Anwendung AMS (Arbeitsschutzmanagement in Sparkassen) des DSV, die eine automatisierte Dokumentation und eine umfassende Gefährdungsbeurteilung unterstützt. Auf die genannten Beispiele bezogen heißt das: Mit dem AMS-Modul Prüfungsmanagement kann sich die Sparkasse gegen Unfälle wie etwa mit dem beschädigten Stromkabel absichern und mit dem Modul Unterweisungsmanagement gegen den folgenschweren Leitersturz. An die notwendige terminliche Nachverfolgung aller abgeleiteten Maßnahmen erinnert ein integriertes „aktives Maßnahmenmanagement“ mittels optischer Signale.

Was nach Erfahrung von Drautzburg vor allem im Ernstfall für eine solche softwaregestützte Arbeitsweise spricht: Staatliche Prüfungsinstanzen überzeuge eine systematische Dokumentation an zentraler Stelle mit direktem Zugriff, sie bringe Glaubwürdigkeit. „AMS schafft einen Standard in der Sparkassen-Finanzgruppe mit einem umfassenden Kompendium zum Arbeitsschutz“, sagt der Experte. Denn es reiche eben nicht, sich mit den Vorgaben der UVV – Kassen zu beschäftigen. Arbeitsstättenrecht, Mutterschutz oder auch Brandschutz kommen hinzu – in Summe also viele potenzielle Gefahrenpunkte, die bei einer Begehung vor Ort schnell und komplett erfasst werden müssen.

Schnelle Hilfe per Mausklick

AMS integriert alle Neuerungen, aktuell etwa zum Mutterschutzgesetz, das seit Januar 2019 eine anlassabhängige und eine anlassunabhängige Gefährdungsbeurteilung verlangt. Bei Verstoß riskieren die Unternehmen eine Ordnungswidrigkeit. Anlassunabhängig heißt, jeder Arbeitsplatz muss nach den Kriterien des Gesetzes beurteilt werden. Da es viele tätigkeitsgleiche Arbeitsplätze gibt, reicht die Beurteilung der verschiedenen Arbeitsplatztypen aus den Bereichen Beratung, Service und Büroarbeit sowie weiteren – etwa in der Kantine oder im Reinigungsservice. Berücksichtigt man die physischen und psychischen Gefährdungsrisiken, resultiert aus der Gefährdungsbeurteilung eine konkrete Handlungsempfehlung. Die neuen Checklisten zum Mutterschutzgesetz sind im aktuellen AMS-Software-Release integriert. Immer stärker in den Fokus der Sparkassen rückt auch das Thema Gewaltprävention. Hierzu finden sich hilfreiche Fachbeiträge in der AMS-Loseblattsammlung.