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| Sparkassen-Rentabilität 2018

Schwieriges Zinsumfeld hinterlässt Spuren

Trotz erneut steigender Provisionserlöse und sinkender Personalaufwendungen konnten die spürbar rückläufigen Zinserlöse bei nahezu konstanten Sachkosten nicht ausgeglichen werden. Per Saldo sank der Bewertungsaufwand leicht. Strukturell sind bei einer ausgeglichenen Kreditrisikovorsorge spürbare Abschreibungen bei Wertpapieren durch eine geringere Reservenbildung kompensiert worden.

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Das Betriebsergebnis vor Be­wertung der 3851 Sparkassen verringerte sich auf 0,82 Prozent der Durchschnittsbilanz­summe (DBS) nach 0,89 Prozent der DBS im Vorjahr. Das Bewer­tungsergebnis reduzierte sich zum Vorjahr auf 0,38 Prozent der DBS. Der Jah­resüberschuss gab dadurch auf 0,15 Prozent der DBS nach. Infolge des gesunkenen opera­tiven Ergebnisses erhöhte sich die Rentabilitätskennzahl Cost-Income-Ratio vor Bewertung (CIR vor Bewertung) ge­genüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent-Punkte auf 65,5 Prozent und die Kennzahl Cost-Income-Ratio nach Bewertung (CIR nach Be­wertung) noch deutlicher um 4,6 Prozent-Punkte auf 68,9 Prozent.

Wird die alternative Bezugsgröße bilanzielles Kundengeschäfts­volumen (bKGV) zur Ergebnisrela­tivierung herangezogen, ergab sich für 2018 ein Betriebs­er­gebnis vor Bewertung von 0,58 Prozent des bKGV (Vorjahr: 0,64 Prozent des bKGV). Der Bewertungsaufwand verminderte sich gegenüber dem Vorjahr leicht auf 0,27 Prozent des bKGV (Vorjahr: minus 0,29 Prozent). Der Jahresüberschuss nahm auf 0,10 Prozent des bKGV (Vorjahr 0,13 Prozent) ab.

Erfolgskomponenten im Einzelnen

Operative Erträge bei erneut gestiegenen Provisionserlösen ge­ringer
Der Zinsüberschuss verringerte sich um 3,5 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro oder 1,71 Prozent der DBS (Vorjahr: 1,83 Prozent der DBS). Auf­grund der anhaltenden Niedrig­zinsphase mit negativen Zinsen am kurzen Ende ließen sich im Einlagengeschäft Margen weiter­hin vornehmlich nur im variablen Ge­schäft erzielen.

Die Passivmargen waren in allen Einlagekategorien – aber vor allem bei Sichteinlagen – rückläufig. Darüber hinaus konnten die Margen im Kreditge­schäft aufgrund der im zweiten Halbjahr sinkenden Zinsen in den längeren Laufzeiten nicht weiter ausge­weitet werden, obwohl die Kreditnach­frage konjunktur­be­dingt unverändert stieg. Der Beitrag der Erlöse aus der Fristentransformation stieg ins­ge­samt leicht an, da trotz sinkender gleitender Durch­schnitte konstante Neugeschäfts­zinsen am langen Ende die Zinsstrukturkurve auf Gesamt­jahressicht leicht versteilten.

Der Provisionsüberschuss erhöh­te sich dabei im abge­laufenen Jahr 2018 insgesamt um 2,7 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro oder 0,65 Prozent der DBS (Vorjahr: 0,65 Prozent der DBS). Bei den Provisionen profitierten die Sparkassen 2018 von posi­tiven Impulsen vor allem aus dem Giroverkehr aber auch aus dem Vermittlungsgeschäft. Dabei wuchsen die Erlöse im Giroverkehr und Kartengeschäft um 4,7 sowie im Vermitt­lungsgeschäft um 5,5 Prozent, das insbesondere von der positiven Entwicklung bei Immobilien (plus 9,0 Prozent) profitierte. Leichte Rückgänge waren dagegen im Wertpapiergeschäft (minus 1,3 Prozent) zu ver­zeichnen. Unverändert größter Erlösbringer in diesem Segment war der Giroverkehr mit nahezu 50 Prozent Er­lösanteil.

Sparkassen haben Aufwen­dungen unter Kontrolle
Der Verwaltungsaufwand der Sparkassen verbesserte sich geringfügig gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozent auf unverändert 18,9 Milliarden Euro. Aufgrund des DBS-Wachstums in 2018 von 1,9 Prozent sank die Quote damit auf 1,56 Prozent der DBS (Vorjahr: 1,61 Prozent der DBS). Der Personalaufwand verringerte sich im abgelaufenen Jahr um 40 Millionen Euro oder 0,3 Prozent auf 1,00 Prozent der DBS.

Trotz leicht abgeschwächtem Perso­nalrückgang konnten die zusätz­lichen Belastungen aus den Lohnzuwächsen des laufenden Tarifvertrags 2018 kompen­siert werden. Die Herausforderung für die Zu­kunft wird allerdings nicht in ei­nem reinen Personalabbau, son­dern in einem zukunfts­orientierten, demografiefesten Personalumbau liegen. Der Sachaufwand stieg 2018 leicht um 20 Millionen Euro o­der 0,3 Prozent auf 0,56 Prozent der DBS. 

Aufwandsentlastend wirkten – neben geringeren Aufwän­den für Grundstücke und Gebäude – niedri­gere Ausga­ben für Werbung, Bürobedarf und IT. Beim IT-Aufwand zeigten sich allerdings gegenläufige Entwick­lungen. Während die zentralen Kosten anstiegen, sanken die dezentralen Kosten und kompen­sierten somit den Anstieg.

Unverändert stehen sämtliche Ausgabenposten der Sparkassen auf dem Prüfstand. Aufwandserhöhend zeigten sich indes deutlich stärkere Ausgaben für die Bankenabgabe.

 
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Betriebsergebnis vor Bewer­tung geringer
Das Betriebsergebnis vor Be­wertung verminderte sich wegen sin­kender Zinserlöse gegen­über dem Vor­jahr um 5,0 Prozent (530 Millionen Euro) auf zehn Milliarden Euro (0,82 Prozent der DBS; Vorjahr: 0,89 Prozent). Höhere Provisionserlöse (plus 210 Millionen Euro oder plus 2,7 Prozent) und sinkende Verwaltungsauf­wen­dungen (minus 20 Millionen oder minus 0,1 Prozent) konnten dabei keinen vollstän­digen Ausgleich schaffen.

Abbildung 1 stellt die Entwicklung des Betriebsergebnisses vor Bewer­tung sowie der darin enthaltenen Erträge und Aufwendungen in einem Fünf-Jahres-Vergleich dar.

Bewertungsergebnis insgesamt rückläufig; ausgeglichene Risiko­vorsorge im Kre­ditge­schäft
Der Bewertungsaufwand verringerte sich 2018 insgesamt leicht um 160 Millionen Euro (minus 3,4 Prozent) auf 4,6 Milliarden Euro oder 0,38 Prozent der DBS. Im Wertpapiergeschäft ergaben sich 2018 spürbare Ab­schreibungen. Ein nicht unerheb­licher Teil der Wertkorrekturen entfiel dabei auf Aktien, während die Zinsentwicklung den Ab­schrei­bungsbedarf bei Zins­papieren in einem moderaten Rahmen hielt. Die wachsenden Adressrisiken bei italienischen Anleihen schlugen hier noch am stärksten zu Buche.

Im Kredit­geschäft ergaben sich weder Ab- noch Zuschrei­bungen. Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland hatte sich auch 2018 positiv gezeigt und keinen Anlass für nennenswerte Wertberich­tigungen geliefert. Potentiell ergeben sich aus den inzwischen nahezu vollständig aufgelösten Wertberichtigungen allerdings auch Ertragsrisiken, da diese bei einer künftig notwendigen Neubildung nicht mehr kompen­satorisch zur Verfügung stehen. Die Vorsorgereserven wurden mit insgesamt 3,1 Milliarden Euro ( minus 0,26 Prozent der DBS) dotiert.

Betriebsergebnis nach Bewer­tung von rückläufigen Zinserlösen geprägt
Bei vermindertem operativem Er­gebnis und nur geringfügig niedrigerem Bewertungs­ergeb­nis verringerte sich das Betriebsergebnis nach Bewer­tung um 370 Millionen Euro (minus 6,3 Prozent) auf 5,4 Milliarden Euro (0,45 Prozent der DBS).

 
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Cost-Income-Ratio vor Bewer­tung (CIR vor Bewertung) höher
Infolge der rückläufigen Zinserlöse, höherer Provisions­erlöse und leicht sinkendem Verwaltungsaufwand stieg die CIR vor Bewer­tung auf 65,5 Prozent nach 64,3 Prozent im Vor­jahr.

Nach wie vor gibt es zwischen den Sparkassen bei ihrer Cost-Income-Ratio vor Bewertung deutliche Unterschiede. Die Ver­teilung ergibt sich aus Abbildung 2. Auch 2018 erreichten immerhin noch 51 Institute, die einen Anteil von rund 18 Prozent an der kumulierten DBS repräsentieren, eine Cost-Inco­me-Ratio von 60 Prozent oder bes­ser.

 
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Cost-Income-Ratio nach Bewer­tung (CIR nach Bewertung) steigt stärker als vor Bewertung
Die CIR nach Bewertung erhöhte sich – nach 64,3 Prozent im Vorjahr – deutlich auf 68,9 Prozent. Ursache für den – verglichen mit der CIR vor Bewertung – merklich stärkeren Anstieg zum Vorjahr sind die deutlich gestiegenen Abschreibungen auf Wertpapiere. Die Verteilung der CIR nach Be­wertung auf die Sparkassen zeigt Abbildung 3.

Ausblick 2019

Dank steigender verfügbarer Ein­kommen ist der private Konsum zentrale Wachstumsstütze. Der ohnehin fragile Finanzsektor in Südeuropa bleibt aufgrund der hohen Staatsverschuldung krisenanfällig. Hinzukommen die Risiken aus den Handelsstreitig­keiten der USA (China, Europa), die Finanzpolitik der italienischen Regierung sowie die Unsicherheiten aus dem Brexit. Daher ist der konjunkturelle Ausblick derzeit nur verhalten positiv.

Gleichzeitig deuten Aussagen der EZB auf sinkende Zinsen und eine erneute Ausweitung der expansiven Geldpolitik hin. Die bislang noch positive konjunkturelle Entwicklung zeigt sich 2019 bisher in einer dynamischen Auswei­tung der Kre­ditbestände. Die Margen im Kreditgeschäft bleiben dabei relativ stabil. Die Einlagenbe­stände steigen weiter moderat an. Bei Privatper­sonen zeigt sich derzeit ein leicht stärkeres Wachstum als bei Un­ternehmen.

Aufgrund des niedrigen Zinsni­veaus und des daraus folgen­den geringeren Margenspielraums ist allerdings weiterhin von rückläu­figen Pas­sivmargen in allen Ein­lagen­kategorien auszugehen. Insgesamt wird der Zinsüber­schuss 2019 vermutlich erneut spür­bar zurückgehen. Bei zusätz­lich leicht steigendem Sachauf­wand wird der erneut erwarte­te Zuwachs im Provisionsbereich trotz leicht sinkendem Personalaufwand nicht den spürbaren Rückgang des operativen Ergeb­nisses ver­hindern können.

Der Bewertungsaufwand wird aufgrund verringerter Abschrei­bungen auf Wertpapiere und einer leicht geringeren Dotie­rung von Vorsorgereserven vermutlich insgesamt etwas gerin­ger ausfallen als im abgelaufenen Jahr. Bei der Kre­ditrisikovorsorge wird es, nach Erlösen in den letzten Jahren, vermutlich wieder leichte Auf­wendungen geben.

Autor
Dirk Moormann ist Referent beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin.
  • 1Stand: 31. Dezember 2018, Stand: 01. Juli 2019: 383 Institute.